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Titanplatte mit 15 Schrauben im Oberarm nach 4 Jahren entfernen lassen?

8 Beiträge - 7764 Aufrufe
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Dennis1990  fragt am 13.07.2014
Hallo,

Ich hoffe, dass dieses Thema in das Forum für Allgemeinchirurgie passt. Es ist mittlerweile fast 4 Jahre her, dass ich nach einer mehrfragmentären Oberarmschaftspiralfraktur eine 16-Loch-KF-Rekontruktionsplatte plus 12-Loch-KF winkelstabile Titanplatte eingesetzt bekommen habe. Damals wurde mir von dem behandelnden Chirurg geraten die Platte nicht rausnehmen zu lassen. Allerdings war ich zu dem Zeitpunkt gerade einmal 21 Jahre jung (zum Zeitpunkt des Bruches 20 Jahre). Ich hatte nach der OP auch eine Radialisparese, da der Radialisnerv für die Platte beiseite gelegt werden musste. Demnach liegt der Radialisnerv nun über der Platte. Ich hatte damals schon sehr mit mir zu kämpfen und wusste auch nicht ob ich das Risiko einer erneuten, diesmal dauerhaften, Parese eingehen sollte. Mit einer erneuten über ca. 3-6 Monaten anhaltenden oder zumindest nicht dauerhaften Parese könnte ich Leben. Leider habe ich mir damals nur die Meinung des behandelnden Arztes angehört und keine Zweit-oder Drittmeinung eingeholt. Da der behnadelnde Arzt mir allerdings zuerst einen Nagel einsetzte welcher die einzelnen Fragmente nicht einmal annähernd zusammenhielt und erst nach Aufforderung meines Hausarztes (ehemaliger Chirurg, kennt sich also etwas aus) 4 Wochen später eine weitere OP ansetzte welcher der Entfernung des Nagels und der Plattung des Oberarms galt veranlasste, dachte ich mir damals schon das es nicht das klügste seiner Meinung vertrauen zu schneken, dennoch tat ich es. Nun ist es allerdings so, dass ich nicht ganz beschwerdefrei. Ich kann meinen Arm zwar fast komplett strecken, wobei allerdings bei maximaler Streckung Schmerzen auftreten. Bei ruckartiger Be-und Entlastung, sowie bei schweren Belatungen treten ebenfalls mittlere bis starke Schmerzen auf. Da ich allerdings wieder mit etwas Fitnesstraining beginnen wollte, bin ich mir nicht sicher ob ein Oberarm, der mit 15 Schrauben durchbohrt ist, den enormen Belastungen, beispielsweise beim Bankdrücken, standhalten wird. Außerdem habe ich auf der Arbeit immer wieder Beschwerden, z.B. beim Isolierband abreißen (ruckartige starke bis mittelstarke Be-und Entlastung) oder beim tragen schwerer Geräte (starke Belastung), welche in Form von nicht langanhaltender Schmerzen auftreten. Mit den Beschwerden auf der Arbeit könnte ich leben, jedoch nicht mit einem erneut, durch Instabilität verursachten Bruch, beim Fitnesstraining.

Nun zu meienr Frage: Kann man nach 4 Jahren überhaupt noch eine solche Platte entfernen oder die Platte zu stark verknöchert? Ist das Risiko einfach viel zu groß den Radialisnerv dauerhaft zu schädigen? Falls dies der Fall ist, ist der Knochen mit Platte trotzdem stabil genug um den Belastungen im Fitnessbereich stand zu halten. Ich bin mittlerweile 24 Jahre jung und wäre über eine ehrliche und verständliche Antwort sehr erfreut. Vielen Dank im voraus.

Mit freundlichen Grüßen
 
James3000  sagt am 31.08.2014
Hallo, ich habe genau das gleiche wie du, nur ist mir bei mir der Radials nie verletzt worden zum Glück, ich habe mich entschieden sie drin zu lassen, ich hab ungefähr 5 Ärzte gefragt, keiner war dafür.

Ich mache ja auch Fitness, bei Bankdrücken gibt es Tage wo es mega schmerzhaft ist, ich weiß aber bis 60 Kg geht es noch gerade so, und du brauchst keine Angst haben, das dir der Arm unter dem Training bricht, ich trainier schon 2 Jahre mit der Platte.

Auf eine Fallhand habe ich einfach keinen bock, nur wegen Fintness ? in 10 Jahren machen wir wahrscheinlich gar keins mehr, dann war das umsonst. Und die Wahrscheinlichkeit, ist hoch leider, sonst wär ich der erste gewesen, der das Teil rausmachen lassen hätte.
 
tommy77  sagt am 03.01.2015
Hallo zusammen,
durch ein schweren Autounfall (Überschlag über Brücke) habe ich auch das Vergnügen im rechten Oberarm (Mitte mehr richtung Ellenbogen Schaft) eine Platte eingesetzt bekommen. Beide Schienbein waren auch gebrochen und wurden mit einen Marknagel versorgt. Diese wurden nach 2 Jahren entfernt. Von einer Entfernung der Platte wurde mir abgeraten, weil die Ärzte den Radialisnerv durch das Narbengewebe nicht immer sehen können und der irreparabel beschädigt werden kann. Dies bedeutet dann behindert und Fallhand. Die Metallentfernung Schienbein habe ich an einen anderen Krankenhaus durchführen lassen, einer Uniklinik. Die haben mir auch abgeraten, wegen dem Arm. Allerdings hätten die den Arm anders versorgt, wie die Klinik wo ich hin gebracht wurde. Nach dem Unfall mußte ich 2 Woche warten, bis der Nerv sich wieder beruhigt und ich die Finger und die Hand bewegen kann. Die Platte merke ich nur bei Wetterumschwung und starken Belasten z.b. Heben einer Waschmaschine.
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 04.01.2015
@dennis1990

Hallo Dennis,

schwierige Geschichte, und letztlich bleibt bei der einen wie bei der anderen Lösung ein Restrisiko-der Jurist würde es vielleicht Güterabwägung nennen.

Aus meiner Sicht können Sie deutlich mehr verlieren als gewinnen, wenn Sie nach die Platten entfernen lassen. Nebenbei ist es nicht gesagt, dass Ihre Beschwerden nach der Entfernung weg wären-dann haben Sie zwar zwei Andenken in der Schublage rumliegen, aber vielleicht eine dauerhafte Radialisparese und noch die gleichen Beschwerden...

Vom Technischen her bekommt man eigentlich alles wieder raus, wenn man wirklich will (notfalls durch überbohren oder ausfräsen), aber manchmal nur mit einem großen Flurschaden, der in keinem Verhältnis zu Nutzen steht. Ich würd mich damit nicht operieren lassen, und hätte auch große Sorge Sie zu operieren, wenn ich es machen müsste.

Grüsse aus Hessisch Lichtenau,
Tobias Radebold
 
Humerus1  sagt am 15.09.2018
Hallo Dennis, mir geht es genauso wie Dir. Hatte auch proximale Humerusschaftfraktur inkl. Ausgeprägte Fallhand. Diese hat sich zum Glück nach 9 Monaten zu 90% erholt. Für mich stellt sich jetzt auch die Frage der Plattenentfernung. Will sie eigentlich raushaben aber auch kein Lust auf nochmalige Fallhand. Hast du deine Platte dann rausmachen lassen? Wenn ja, ohne erneuter Nervenschädigung und bist du nun beschwerdefrei? Wenn nein, wie geht es mit der Platte zwecks Arthrose etc...? LG Chris
 
Dennis1990  sagt am 15.09.2018
Hallo Chris,

das hört sich ja richtig mies an. Ich hatte zum Glück nicht ganz so lange Leiden mit der Fallhand. Das tut mir sehr leid für dich.

Ich habe auf den Rat des operierenden Arztes gehört und sie drin gelassen. Er sagte, dass der Radialisnerv, der jetzt über der Platte liegt, bei erneuter Operation evtl. nicht wieder so gut ausheilt wie beim ersten mal. Ausserdem bestehe, durch die teilweise Verknöcherung der Platte und des Nerves, die Gefahr ihn nicht nur zu überreizen sondern auch noch zu verletzen. Eine solche Verletzung, die ungenauen Ausgangsprognosen und die Ratschläge in diesem Beitrag haben mich zu dieser Entscheidung gebracht. An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmal bei allen bedanken die mir hier mit Rat und Tat zur Seite standen.

Ich war zum Zeitpunkt der Operation erst 20 Jahre ALT und hatte wenig Lust den Rest meines Lebens mit einer unbrauchbaren Hand herumzulaufen. Ich werde die Platte mein Leben lang tragen und muss dir leider sagen, dass sie für mich schon eine Einschränkung ist. Allerdings eine verkraftbare Einschränkung im Gegensatz zur Fallhand. Kraftsport ist nicht wirklich möglich, bzw. nur beschränkt. Der letzte Umzug war für mich allerdings kein Problem. Sie schmerzt ab und zu mal ein wenig (Wetterfühligkeit), aber das ist auch noch im Rahmen. Bei abrupter Entlastung z.B. beim Klebeband abreißen, schmerzt es schon kurz sehr stark. Bei Belastung schmerzt es erst, wenn man sie zu stark belastet. Bezüglich der Arthrose ist mir nichts bekannt. Ich habe nur eine minimale Streckhemmung die etwas beim Bogensport stört, da der Arm bei diesem ganz gestreckt werden sollte, damit das halten bei vollem Auszug einfacher ist. Ansonsten kann ich eigentlich alles machen.

Da ich kein Arzt bin möchte ich dir keinen Rat geben in Hinsicht auf deine Entscheidung. Ich habe das Risiko, mit den Informationen die ich bekommen habe, abgeschätzt und für mich entschieden, dass das Verbleiben vom Fitnessstudio, anstrengendere Haltung beim Bogen schießen und ganz selten ein wenig Schmerzen, die bessere Wahl für mich sind.

Ich hoffe du triffst die richtige Entscheidung für dich und kannst relativ beschwerdefrei in Zukunft leben. Gute Besserung und alles gute für die Zukunft.

LG Dennis
 
Di17  sagt am 22.02.2019
Hallo zusammen. Ich habe eure beiträge alle gelesen und freue mich dass es hier leute gibt die des gleichern sind. Meine op ist jetzt fast 2 jahre her und habe exakt die gleichen beschwerden wie du dennis. Mir hat man auch abgeraten von der entfernung der platte. Ein wenig wissen habe ich schon, würde das auch nicht machen lassen da die risiken zu hoch sind. Wie gehts dir dennis und den anderen heute? Würde mich freuen wenn ihr antworten würdet!
 
PiaMe  sagt am 21.06.2019
Hallo!
Die Beiträge hier sind bis auf den letzten schon etwas älter, dennoch möchte ich als Betroffene etwas schreiben. In der Hoffnung, dass sich jemand meldet.
Ich habe seit einem Unfall im Mai 2018 im linken Oberarm 2 Titanplatten und im Ellbogen wurde eine Zuggurtung gemacht, zudem befindet sich im Ellbogen ein großer Nagel, im Oberarm eine zusätzliche Schraube. Nach dem Unfall wurde zunächst in einer Not-OP ein externer Fixateur angebracht, kurz darauf in einer weiteren OP das oben beschriebene Material eingesetzt. 6 Monate lang hatte ich leider der falschen Physiotherapeutin vertraut, erst durch intensive Physiotherapie im Krankenhaus könnte ich meinen Arm und die Hand wieder etwas bewegen. Inzwischen sind seit dem Unfall 13 Monate vergangen und ich kann Arm und Hand wieder recht gut benutzen und auch das Gefühl in den Fingern ist wieder da. Die Titanplatten verursachen jedoch oftmals große Schmerzen, ich spüre das Material der Zuggurtung ganz deutlich und sehr unangenehm. Der Oberarm und Ellbogen sind dich das viele Material ziemlich deformiert und zeichnen sich zudem ganz deutlich durch die Haut ab. Jedenfalls wurde mir zur Materialentfernung geraten und ich möchte diese Fremdkörper wieder aus meinem Körper heraus haben, trotz der Risiken. Erst heute hatte ich wieder Termin im Krankenhaus und ein ausführliches Gespräch mit dem Chirurgen. Die OP ist schon kommenden Montag. Ich bin recht optimistisch, dass diese 3. OP auch gut verlaufen wird. Vielleicht hat sich in Bezug auf Metallentfernung in den letzten Jahren Entscheidendes geändert? Jedenfalls wurde mir zur Metallentfernung geraten.
Ich würde mich freuen, wenn sich hier Betroffene melden, die sich wie ich für die Metallentfernung entschieden haben.

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