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Abszess, Abszesse eröffnen, Eiter, Furunkel

Lesezeit: 3 Min.

Operative Eröffnung eines Abszesses / Furunkel / Eiter

Ein Abszess ist eine umschriebene Entzündung, bei der sich Eiter vom umliegenden Gewebe abkapselt. Eiter ist eine Sammlung von Immunzellen und Bakterien. Ein Abszess kann sich auf der Haut bilden, z.B. am Steißbein oder in der Achselhöhle. Es können aber auch innere Organe betroffen sein, z.B. die Leber. Ein Furunkel dagegen ist eine Haarbalgentzündung, die ansonsten mehr oder weniger dem Abszess ähnelt. Das Verschmelzen mehrerer Furunkel nennt man Karbunkel.

Ursachen eines Abszesses

Die Entzündung wird beim Abszess meist durch das Bakterium Staphylococcus aureus, seltener durch andere Bakterien oder Pilze verursacht.

Abszesse entstehen häufig ohne erkennbaren Grund. Oftmals werden die Krankheitserreger über die Blutbahn gestreut und kapseln sich ab. Sie können sich aber auch nach Infektionen von nahen Organen, Operationen, Injektionen oder bei Fremdkörpern entwickeln. Eine geschwächte Abwehrlage begünstigt die Abszessentstehung.

Die Entzündung kann auf Gewebe in der Nähe übertreten. Die Strukturen, z.B. Knochen, Muskulatur oder Nerven, können dadurch unwiederbringlich geschädigt werden. Im schlimmsten Fall kann der Abszess zu einem Übertreten der Infektion auf das Blut, einer so genannten Sepsis, führen, die nicht selten tödlich endet.

Abszesse bilden gelegentlich eine Verbindung aus der Haut heraus in die Außenwelt oder in eine vorbestehende Körperhöhle hinein. Eine solche Fistel (Verbindungskanal) kann dauerhaft vorhanden sein.

Symptome beim Abszess

Durch dicht unterhalb der Haut liegende Abszesse und Furunkel ist der Bereich gerötet, überwärmt, geschwollen und schmerzhaft beziehungsweise berührungsempfindlich. Zusätzlich besteht eine Funktionseinschränkung, beispielsweise von betroffenen Gliedmaßen.

Diagnose

Oberflächliche Abszesse sind meist ohne besondere Untersuchungen erkennbar. Abszesse im Körperinneren werden durch bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Computertomographie (CT) diagnostiziert.

Differenzialdiagnose

Abszesse haben in der Regel sehr charakteristische Anzeichen, besonders wenn sie an der Körperoberfläche liegen.

Therapie eines Abszesses

Konservative Therapie

Antibiotika oder andere Medikamente erreichen durch die Abkapselung und den konzentrierten Eiter oft nicht die erforderliche Konzentration im Abszess. Auch das Einstechen mit einer Kanüle mit Herausziehen des Eiters bringt meist wenig Erfolg. Die Eröffnung der Entzündungskapsel ist die wirkungsvollste Therapie.

Operation

Da eine örtliche Betäubung für den Entzündungsbereich kaum wirksam ist, wird eine Vollnarkose oder eine Regionalanästhesie, also eine Betäubung einer größeren Körperregion, vorgenommen.

Es erfolgt ein größerer Schnitt zur Abszesshöhle hin. Durch die Öffnung kann der Eiter austreten. Nicht mehr intakte Gewebebereiche werden herausgenommen, um das Risiko für eine neue Ausbildung der Entzündung gering zu halten. Der Schnitt wird offen gelassen, weil hierdurch weiterhin Eiter ausfließen kann. Das Einführen eines Drainagesystems kann ebenso wie das gezielte Einlegen von Antibiotikumträgern, z.B. Plättchen, Schwämmen oder Ketten, die Abheilung unterstützen. Oftmals wird ein Antibiotikum auch als Infusion oder zum Schlucken gegeben.

Mögliche Erweiterungen der Operation

Bestehende Verbindungen (Fisteln) zu Organen in der Nähe müssen freipräpariert und aufgeschnitten werden. Gelegentlich muss ein Herd der Entzündung, der sich innerhalb des Körpers befindet, herausoperiert werden.

Komplikationen

Bei der Operation kann es unter anderem zu Blutungen, Nachblutungen und Narbenbildungen kommen. Durch Nervenverletzung kann ein Taubheitsgefühl entstehen, das meist vorübergehend, manchmal auch langfristig bestehen kann. Weitere Strukturen in der Nähe des Abszesses können in Mitleidenschaft gezogen werden. Es tritt selten auf, dass sich Wundheilungsstörungen ausbilden oder eine neuerliche Infektion mit eventuell weiteren Verbindungsgängen entsteht. Allergische Reaktionen können des Weiteren in verschiedener Ausprägung vorkommen.

Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.

Prognose

Ist der Abszess einmal gespalten, so klingen die Beschwerden in der Regel rasch ab. Das komplette Abheilen nimmt jedoch meist mehrere Wochen in Anspruch. In dieser Zeit sind häufige Kontrolluntersuchungen durch den Arzt erforderlich.
Je nachdem, ob umgebendes Gewebe beeinträchtigt wurde, können sich dort Funktionsprobleme ergeben.

Sehr selten kann die Entzündung durch den Eingriff nicht eingedämmt werden. Möglich ist auch ein Wiederauftreten des Abszesses. Eine zweite Operation zur Abszesseröffnung kann unter Umständen notwendig sein. Noch vorhandene Fisteln müssen ebenfalls bald herausgeholt werden.

Hinweise

Vor der Operation

Eine Tetanus-Impfung sollte bei einem Abszess durchgeführt werden, falls kein ausreichender Schutz mehr besteht.

Nach der Operation

Erfolgt die Operation unter ambulanten Bedingungen, so muss sich der Patient abholen lassen und darf innerhalb eines Tages keine Autos oder Maschinen bedienen. Ebenso sollten wichtige Entscheidungen vertagt werden.
Weil in der ersten Zeit noch viel Wundsekret ausfließt, sollte der Verband oft gewechselt werden. Zur Unterstützung der Heilung kann die Wunde ausgeduscht werden.
Eine Erhöhung der Körpertemperatur kann auf schwerwiegende Komplikationen hindeuten. Tritt dies oder andere Beschwerden auf, so sollte rasch der Arzt benachrichtigt werden.

Abszess, Eiter, Furunkel



V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 12.09.2016
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