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Harninkontinenz, Inkontinenz, Blasenschwäche

Lesezeit: 6 Min.

Blasenschwäche ist für betroffene Menschen ein unangenehmes Thema...

Definition Harninkontinenz / Blasenschwäche

Mit dem Begriff Harninkontinenz wird die Unfähigkeit bezeichnet, den Harn solange in der Blase zu belassen, bis eine Toilette erreicht wurde. Der Urin geht unwillkürlich ab. Der Begriff Blasenschwäche bezeichnet eine Harninkontinenz geringen Ausmaßes.

Eine Inkontinenz kann sowohl angeboren als auch erworben sein, wobei die erworbenen Formen weitaus häufiger sind. Die Anzahl der Neuerkrankungen steigt mit der Anzahl der Geburten und mit dem Alter. Deswegen sind ältere Frauen etwa doppelt so häufig betroffen wie ältere Männer.

Ursachen einer Blasenschwäche

Es werden unterschiedliche Formen der Inkontinenz unterschieden, abhängig davon, wo die Ursache liegt und welcher Mechanismus des Wasserlassens nicht funktioniert.

Stressinkontinenz oder Belastungsinkontinenz

Sie ist die häufigste Form der Urininkontinenz. Ist der Patient körperlichem Stress ausgesetzt (in Form von Treppensteigen oder Husten) geht Urin ab.

Die Stressinkontinenz entsteht durch ein Missverhältnis zwischen dem Bauchinnendruck (intraabdomineller Druck) und der Stärke des Blasenschließmuskels. Das sind zwei Kräfte die gegeneinander arbeiten. Sinkt die Kraft des Blasenschließmuskels, kann schon bei leichtem intraabdominellem Druck (z.B. beim Husten oder Niesen) Urin abgehen. Die Kraft des Schließmuskels sinkt generell bei einer Bindegewebsschwäche. Sie sinkt auch, wenn die Organe im kleinen Becken nicht mehr ihre natürliche Lage haben. Das ist häufig die Folge mehrerer Schwangerschaften. Hierbei wird durch die andauernde Last des Ungeborenen im Bauch die Muskulatur des Beckenbodens gedehnt. Die Gebärmutter wandert nach unten (Gebärmuttervorfall) und verdrängt die Blase von ihrer normalen Lage. Auf der anderen Seite kann auch eine ständige Erhöhung des intraabdominellen Druckes bei normaler Kraft des Schließmuskels zu einer Stressinkontinenz führen. Hier liegt die Ursache häufig in einer chronischen Verstopfung (Obstipation), die beim Toilettengang zum vermehrten Pressen führt. Übergewicht (Adipositas) kann auch eine Erhöhung des intraabdominellen Druckes erhöhen.

Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz)

Sie ist die zweithäufigste Form. Hierbei verspürt der Patient plötzlich und unerwartet einen starken Harndrang, durch den meist vor Erreichen der Toilette Urin abgeht. Eine Dranginkontinez entsteht meistens durch eine Überaktivität des Detrusormuskels. Dieser Muskel ist dafür zuständig, dass Wasser gelassen werden kann. Er presst sozusagen die Harnblase aus. Eine Überaktivität kann im Rahmen einer Blasenentzündung (Zystitis) oder durch Steine in der Blase oder in der Harnröhre entstehen. Es gibt aber auch psychisch bedingte Formen. Hierbei empfindet der Betroffene, z.B. bei psychischem Stress in Form von Prüfungen, plötzlich starken Harndrang, obwohl sich nur sehr wenig Urin in der Blase befindet.

Überlaufinkontinenz

Ein ganz anderer Pathomechanismus steckt hinter der Überlaufinkontinenz. Hierbei hat der Patient in erster Linie Probleme beim entspannten Wasserlassen. Der Urin geht nicht ab, weil entweder der Blasenschließmuskel zu stark arbeitet, oder weil die Harnröhre durch eine Erkrankung (z.B. die Vergrößerung der Prostata) verstopft ist. Der Urin staut sich solange in die Harnleiter zurück bis der Druck, der dadurch aufgebaut ist, entweder den Blasenschließmuskel übersteigt oder das verstopfende Hindernis überwindet. Es kommt zum unwillkürlichen Harnträufeln.

Restliche Formen

Seltenere Formen der Inkontinenz entstehen aufgrund einer Störung des Miktionszentrums (Zentrum von Nerven die für das Wasserlassen zuständig sind) im Gehirn oder im Rückenmark wie es im Rahmen eines Querschnittes vorkommen kann. Bei einer Fistelinkontinenz ist eine krankhafte Verbindung zwischen der Blase und einem anderen Organ (Vagina oder Darm) entstanden. Der Urin fließt hierbei unter Umgehung des Blasenschließmuskels durch den Darm oder durch die Vagina. Fisteln sind entweder angeboren, oder sie entstehen im Rahmen der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn.

Symptome einer Harninkontinenz

Das Hauptsymptom der Harninkontinez ist das unwillkürliche Abgehen von Urin.
Weitere Symptome resultieren aus der verursachenden Grundkrankheit.

  • Ein Gebärmuttervorfall (Uterusprolaps) kann so stark sein, dass Gebärmutter und Vagina außen sichtbar sind.
  • Eine Obstipation macht sich durch den seltenen Stuhlgang verbunden mit einem Gefühl der unvollständigen Entleerung bemerkbar.
  • Bei Blasenentzündungen oder Steinen entstehen Schmerzen beim Wasserlassen.  Wenn mit dem Urin Blut abgeht, spricht man von einer Hämaturie.
  • Eine Vergrößerung der Prostata zeigt sich im Anfangsstadium durch einen verminderten Harnstrahl verbunden mit nächtlichem Wasserlassen.
  • Bei einer Störung im Bereich des Rückenmarks oder des Gehirns liegen auch Ausfälle der Sensibilität und der Motorik vor.
  • Ein Morbus Crohn ist eine häufige Ursache von lang anhaltendem Durchfall.

Diagnose der Inkontinenz

Die Diagnose einer Harninkontinenz wird bei einem Urologen gestellt. Eine erste Diagnose ist meist schon nach der Schilderung der Beschwerden zu stellen. Manche Ärzte benutzen hierzu einen Fragebogen. Im Rahmen eines Provokationstestes prüft der Arzt, ob bei einer Erhöhung des intraabdominellen Drucks Urin abgeht.

Wichtig ist aber auch die Diagnose der verursachenden Erkrankung, da sich hiernach die weitere Therapie richtet.

Gynäkologische Untersuchung

Bei einer gynäkologischen Untersuchung schaut sich der Arzt das weibliche Genital von außen an. Im Anschluss untersucht er die Vagina von Innen.
Hierbei kann ein Unterusprolaps diagnostiziert werden. Ist die Gebärmutter noch nicht von außen sichtbar, spricht man von einem Abstieg (Descensus) des Uterus.

Urinuntersuchung

Der Urin wird zuerst durch einen Teststreifen untersucht. Im Anschluss erfolgt eine Kultur um die Bakterien, die sich im Urin befinden zum Wachstum anzuregen. Im Rahmen einer Urinuntersuchung kann eine Entzündung der Harnblase und der ableitenden Harnwege festgestellt werden. Hierbei erscheinen zum einen Eiweiße als auch Abwehrzellen (Leukozyten) im Urin.  

Ultraschall

Steine können durch eine Ultraschall oder Röntgenuntersuchung festgestellt werden.

Blasenspiegelung

Um eine genauere Vorstellung von Vorgängen innerhalb der Blase zu haben, kann der Arzt eine Blasenspiegelung durchführen. Hierbei wird durch die Harnröhre ein kleiner Schlauch in die Harnblase eingeführt. Um Schmerzen zu vermeiden, wird die Harnröhre betäubt. An der Spitze des Schlauches befindet sich eine kleine Kamera. Der Arzt kann sich dadurch das Innere der Blase ansehen. Sieht der Arzt einen auffälligen Bezirk, kann er mit einer kleinen Zange ein Stückchen Gewebe entnehmen. Dieses wird im Anschluss von einem Pathologen untersucht.

Darmspiegelung (Koloskopie)

Den Verdacht auf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung stellt der Arzt bereits nach der Anamnese. Klagt der Patient über schleimige, blutige Durchfälle, sichert der Arzt seine Diagnose über eine Darmspiegelung (Koloskopie) ab. Hierfür wird durch den Anus, wie bei der Blasenspiegelung, ein Schlauch eingeführt an dessen Ende sich die Kamera befindet. Auch hier kann mit einer kleinen Zange eine Gewebeprobe entnommen werden.

Differenzialdiagnose

Differenzialdiagnostisch muss nur bei Kindern eine Erkrankung abgegrenzt werden. Bei der Enuresis (Einnässen) sind die Kinder nicht trocken. Hierbei liegt keine Inkontinenz im eigentlichen Sinne vor, da der Abgang von Urin willkürlich erfolgt. Sie haben es nur nicht erlernt, rechtzeitig eine Toilette aufzusuchen.

Therapie einer Blasenschwäche

Stressinkontinenz

Beckenbodentrainig

Die Therapie einer Stressinkontinenz zielt in erster Linie darauf ab, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken und die Kraft des Schließmuskels zu erhöhen. Die Beckenbodenmuskulatur kann durch gezieltes Beckenbodentraining gestärkt werden. Hierbei handelt es sich um Übungen die für Schwangere schon im Rahmen der Schwangerschaftsgymnastik angeboten werden. Sie sind leicht zu erlernen und sollten regelmäßig zu hause durchgeführt werden. Ein Beckenbodentraining sollte schon prophylaktisch, also bevor es zur Harninkontinenz gekommen ist, durchgeführt werden.

Hormone

Ist das Bindegewebe des Urogenitaltraktes erschlafft, können östrogenhaltige Vaginalzäpfchen Linderung verschaffen.

Kollagen

Die Harnröhre kann auch mit einem Medikament, das als Wirkstoff Kollagen enthält umspritzt werden. Kollagen erhöht die Spannkraft des Bindegewebes.

Pessare

Ist die Ursache für die Harninkontinenz ein Descensus des Uterus, kann durch das tragen spezieller Pessare (ringförmige Gebilde, die in die Vagina eingelegt werden und die Gebärmutter darüber fixieren) eine Besserung der Kontinenz erreicht werden.

Tabletten

Es gibt auch Medikamente, die die Kraft des Schließmuskels erhöht. Diese Medikamente haben aber nur zusammen mit einer konsequenten Beckenbodengymnastik Aussicht auf Erfolg.

Operation

Sind die anatomischen Veränderungen zum Beispiel durch einen Uterusprolaps stark verändert, muss operiert werden. Das Ziel der Operation ist das Wiederherstellen der normalen anatomischen Verhältnisse. Hierzu wird der Uterus in seiner normalen Lage fixiert. Das Ausgedehnte Gewebe der Vagina, das an Stabilität verloren hat, wird gerafft. Es kann auch ein Kunststoff eingebracht werden, der die Stabilität verstärkt. Das Verfahren nennt sich vaginale Plastik.

Dranginkontinenz

Bei einer Dranginkontinenz ist das Ziel der Therapie, den Muskeltonus der überaktiven Muskulatur zu senken.


Verhaltensänderung

Der Patient sollte in regelmäßigen Abständen die Toilette aufsuchen, damit der Blasenmuskel keinen überhöhten Reizen ausgesetzt ist.

Beckenbodentraining

Auch bei der Dranginkontinenz werden hierdurch Beschwerden gelindert.

Spritzen

Der Tonus des Detrusermuskels, der die Blase ausquetscht, kann durch die Injektion bestimmter Medikamente gesenkt werden. Die meisten der Medikamente befinden sich noch im Stadium der Zulassung. Am häufigsten wird ein Medikament mit dem Wirkstoff Botulismustoxin verwendet.

Nervenlähmung

Liegt die Inkontinenz an falsch übermittelten nervlichen Signalen, können diese Nerven durch ein Lokalanästhetikum gelähmt werden. Infolge dieser Art der Behandlung kann aber eine Überlaufinkontinenz entstehen.

Restliche Formen

kausale (die Ursache beseitigende) Therapie

Ist die Inkontinenz aufgrund eines neurologischen Problems entstanden (z.B. Querschnitt) sollte dieses behandelt werden. Das gleiche gilt für einen Morbus Crohn, wobei Fisteln immer operativ saniert werden müssen. Bei der Operation werden diese krankhaften Verbindungen herausgeschnitten. Das bedeutet, dass die Verbindungen erst einmal größer werden. Sie heilen aber meist im Anschluss zu.

Prognose

In 80% der Fälle kann mittels konservativen Maßnahmen (ohne Operation) eine Besserung erzielt werden. In schwereren Fällen hilft meist nur eine Operation. Durch die Kombination beider Methoden kann fast jedem Patienten eine Zeit lang geholfen werden.

Hinweise für Patienten

Einer Inkontninenz kann vorgebeugt werden, in dem sämtliche Zustände und Krankheiten vermieden werden, die eine Inkontinenz begünstigen.

  • Eine ausgewogene Ernährung verhindert Übergewicht
  • Durch sportliche Aktivitäten wird die Beckenbodenmuskulatur gestärkt und einer Verstopfung vorgebeugt
  • Blasenentzündungen sollten vermieden werden. Hierbei sind warme Bekleidung und eine Trinkmenge von 2l pro Tag wichtig. Ist es trotzdem zu einer Blasenentzündung gekommen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
  • Bei einer beginnenden Inkontinenz sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. In den Frühstadien ist die Erkrankung wesentlich einfacher zu behandeln.
  • Bei jeglichen Veränderungen im Urogenitaltrakt sollte Zeit nah ein Arzt aufgesucht werden um Folgeerkrankungen zu verhindern.


Letzte Aktualisierung am 10.05.2010.
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Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Harninkontinenz

 
Nachtröpfeln ?   3 Antworten   Letzte Antwort
sagt Gerdi73   vor > 3 Jahre  2734

Ich muss täglich im Büro und Anzug arbeiten, da kann ich mir meine langjährige Blaseninkontinenz eigentlich nicht leisten. Benutze aber seit Jahren ... mehr

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fragt FrankW   vor > 8 Jahre  2388

Seit 10 jahre benutze ich windeln. Habe schon länger den Wunsch unkontrolliert einzunässen. Habe Brennessel Kapseln, Harntee Nieren und Blasentee ... mehr

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fragt Goldi   vor > 8 Jahre  901

Vor- und Nachteile der Therapie mit Botulismustoxin

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