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Reisekrankheit

Lesezeit: 7 Min.

Menschen mit Reisekrankheit leiden an Blässe, Schwindel, Kopfschmerz, Übelkeit und Erbrechen...

Definition

In der Medizin versteht man unter der Reisekrankheit auch Bewegungsschwindel oder man spricht von einer Kinetose. Bei der Kinetose handelt es sich um eine Bewegungskrankheit, die durch ungewohnte Fortbewegung und Beschleunigung von Verkehrsmitteln, z.B. Eisenbahnen, Schiffen oder Flugzeugen ausgelöst werden. Die Betroffenen leiden oft unter verschiedenen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerz, Müdigkeit und Schwindel. Die bekannteste Form der Reisekrankheit ist die Seekrankheit.

Das bedeutet aber nicht, dass alle Seeleute seekrank sind oder waren. Es gibt auch Menschen die nie seekrank geworden sind, andere dagegen wurden nach Jahren ohne erkenntliche Ursache krank. Zudem gab es aber auch Seeleute die bei jeder Reise neu erkrankten. Die Reisekrankheit ist jedoch nicht nur auf Schiffreisende beschränkt.

Typischerweise treten die Symptome häufig in Reisebussen, Autos, Zügen und Flugzeugen auf. Interessanterweise sind die Lenker des jeweiligen Verkehrsmittels so gut wie nie von der Reisekrankheit betroffen. Die Beschwerden klingen in der Regel nach ein bis zwei Tagen ab, ohne das eine Behandlung notwendig wird.

Es sind aber auch Fälle bekannt, wo die Reisekrankheit bei den Betroffenen Herz-Kreislauf Beschwerden auslöste und sogar bis zum Tode führte.

Aber auch in Fahr- und Flugzeugsimulatoren können solche Symptome auftreten, diese Form der Kinetose wird dann als Simulatorkrankheit bezeichnet.

Die Reisekrankheit tritt besonders bei ängstlichen Menschen auf, da sie von vorne rein eine bestimmte Erwartungshaltungen einnehmen, z.B. Flugangst oder das Wissen, dass beim Autofahren einem sowieso Übel wird. Auch Patienten die unter einer Migräne leiden sind besonders anfällig.

Doch man kann sich mit der Zeit an die belastende Bewegung gewöhnen, so dass die Symptome einem auch viel milder erscheinen. Bei etwa 45 Prozent aller Reisekranken wurde beobachtet, dass sie auf die Gabe von Placebos (Präparat, welches keinerlei Wirkstoffe enthält, aber der Patient dies nicht weiß) positiv reagierten, so kann man den Rückschluss ziehen, dass psychische Einflüsse wie Flugangst eine große Rolle spielen.

Man konnte feststellen dass in der Regel Säuglinge nicht unter einer Reisekrankheit leiden, da ihr Gleichgewichtsorgan noch nicht vollständig entwickelt ist. Meistens sind die Betroffenen im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren. Ab dem 50.Lebensjahr kommt sie nur noch selten vor.

Doch prinzipiell lässt sich sagen, dass jeder Mensch in jeder Lebensphase von Reisekrankheit betroffen sein kann, wobei nur rund 15 Prozent weitgehend unempfindlich sind und etwa 10 Prozent besonders stark betroffen sind. Frauen neigen eher zu Reisekrankheiten als Männer, besonders zu Beginn der Menstruation oder während der Schwangerschaft. Dadurch wird unter anderem auch deutlich, dass hormonelle Einflüsse eine wesentliche Rolle spielen. Zudem leiden Asiaten häufiger unter der Reisekrankheit als die Europäer.

Ursachen der Reisekrankheit

Die Reisekrankheit entsteht durch einen Konflikt zwischen wahrgenommenen Bewegungen bzw. Beschleunigungen, die über den Gleichgewichtssinn im Innenohr vermittelt werden und über den Eindrücken anderer Sinnesorgane wie z.B. der Augen.

Sie kann durch geradlinige Beschleunigungen, Radial-, Winkel- und Coriolis-Beschleunigungen ausgelöst werden. Diese Formen der Beschleunigung können auftreten z.B. bei Turbulenzen im Flugzeug oder Wellengang auf Schiffen. Wenn man die Ursachen der Bewegungen mit den Augen nicht fortlaufend beobachten kann, so kann das Gehirn die Informationen aus dem Innenohr nicht mehr zuordnen.

Es kommt zu einer Fehlermeldung im Gehirn und somit werden die typischen Symptome ausgelöst.

Auch natürliche Gifte wirken ähnlich auf das Gleichgewichtszentrum. So kommt es oft bei vielen Patienten zum Erbrechen als Reaktion auf Gleichgewichtsirritationen. Dieser Mechanismus ist für den Körper sehr wirksam, da sie die aufgenommenen Gifte auf diese Weise vom Körper eliminiert und gleichzeitig die weitere Giftzufuhr unterbindet.


Häufige Ursachen, die zu einer Reisekrankheit führen:

  • Geschlossene Kabinen eines schwankenden Schiffs, die Passagiere nehmen zwar die Bewegung wahr, können sie aber nicht visuell bestätigen, z.B. fehlt der Blick auf den Horizont.
  • In Flugzeugen kommt es zu den typischen Symptomen einer Reisekrankheit aufgrund von Luft-Turbulenzen. Daher bieten fast alle Fluggesellschaften Spuckbeutel an jedem Sitz an.
  • Züge mit Neigetechnik, z.B. der Pendolino.
  • Fahr- und Flugsimulatoren. Hier können die durch die Augen wahrgenommenen, schnellen Bewegungen nicht mehr durch die Eindrücke des Gleichgewichtssinns bestätigt werden.
  • Übermäßiger Alkoholkonsum oder Essen, Nahrungsmittelunverträglichkeit
  • Psychische Erregung
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Infektionskrankheiten
  • Sonnenstich
  • Migräne
  • Schwangerschaft
  • Medikamente, die das Brechzentrum aktivieren Erkrankungen des Verdauungstraktes.

Symptome einer Reisekrankheit

Je nachdem welcher Schweregrad vorliegt, können auch unterschiedliche Symptome auftreten.

Bei der leichten Form der Reisekrankheit sind folgende Beschwerden zu beobachten:
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit, Antriebsarmut
  • Appetitlosigkeit
  • Leichter Schwindel
  • Kaltschweißig

Mittlere Form der Reisekrankheit:
  • Übelkeit und meistens Erbrechen
  • Starke Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Stark vorhandener Schwindel
  • Schweißausbrüche
  • Herzklopfen
  • Beschleunigte Atmung

Schwere Form der Reisekrankheit:
  • Patienten fühlen sich sehr schwach und krank
  • Starkes Erbrechen mit Magensaft und Gallenflüssigkeit
  • Appetitlosigkeit bis hin zum Ekelgefühl
  • Koordinationsstörungen
  • Ohnmacht (Kollaps)


Eine solche harmlose Erkrankung kann unter Umständen auch sehr gefährlich werden, wenn die Betroffenen bereits Vorerkrankungen, besonders des Herz-Kreislaufsystems, haben. In diesem Fall kann die Kinetose für den Patienten auch tödlich enden.

Daneben gibt es auch die Reisekrankheit bei Astronauten, welches auch als Space motion sickness bezeichnet wird. Hier treten ganz andere Symptome auf. Die Kinetose entwickelt sich langsam, schleichend über mehrere Stunden und kann bis zu einigen Tagen anhalten. Auch sind hier viel schwächere Beschwerden vorhanden, so dass hier die Leistungsfähigkeit kaum eingeschränkt wird.

Es gibt auch noch die so genannten Pseudokinetosen, die ausschließlich über Sehreize ausgelöst werden, z.B. im Kino oder bei Computerspielen.

Diagnose

Die Diagnose der Reisekrankheit ist nach einem ärztlichen Gespräch in der Regel einfach zu stellen. Hier bedarf es keiner aufwendigen Untersuchung.

Sie sollten aber in der Regel immer einen Arzt aufsuchen wenn das Erbrechen nicht mehr nachlässt und sie den Verdacht auf eine Vergiftung haben. Sind Säuglinge, Kleinkinder oder Schwangere betroffen sollte auch der Arzt eingeschaltet werden.

Der Arzt versucht dann in erster Linie die Ursache des Erbrechens festzustellen und leitet eine Therapie nach der zugrundeliegenden Ursache ein.

Differentialdiagnose

Es gibt zahlreiche Erkrankungen die ähnliche Symptome auslösen können.

Um den Rahmen nicht zu sprengen, sind im folgenden einige wichtige Krankheiten aufgelistet:

  • Akustikusneurinom: gutartiger Tumor, der am Hörnerv wächst
  • Akute Otitis media (Mittelohrentzündung)
  • Anämie (Blutarmut)
  • Depressionen
  • Herzkreislauf-Erkrankungen, z.B. niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • Hirndurchblutungsstörungen
  • Hypoglykämie (Unterzuckerung)
  • Meningeom - Tumor, der von den Hirnhäuten (Meningen) ausgeht
  • Migräne
  • Morbus Menière - Erkrankung, die das Innenohr betrifft, besonders mit den Symptomen Schwindel, Ohrensausen und Hörminderung
  • Schädel-Hirn-Traumata - Verletzungen des Kopfes
  • Schwerhörigkeit
  • Sehstörungen

Therapie der Reisekrankheit

Die Kinetose kann zum einen medikamentös oder durch nicht-medikamentöse Maßnahmen behandelt werden.


Nicht-medikamentöse Therapie

Es gibt eine Reihe von Verhaltensregeln, die schon bei den ersten Anzeichen einer Reisekrankheit durchgeführt werden sollten:

  • Auto: Treten während der Fahrt leichte Beschwerden auf, so sollte man versuchen möglichst weit vorne zu sitzen. Nach Möglichkeit sollte man selber fahren oder auf dem Beifahrersitz seinen Platz einnehmen. Der Blick sollte dabei auf die Straße gerichtet werden oder an einen festen Punkt am Horizont. Zudem sollte man regelmäßig Pausen einlegen, sich bewegen und Frischluft einatmen.
  • Bus: Im Bus sollte man möglichst weit vorne sitzen und den Blick auf die Straße richten.
  • Bahn: Im Zug sollte man möglichst in Fahrtrichtung sitzen und zwischendurch im Gang auf- und ablaufen. Auch hier sollte der Blick an einen festen Punkt am Horizont fixiert werden.
  • Flugzeug: Man sollte versuchen seinen Sitzplatz im vorderen Teil des Flugzeugs zu kriegen und möglichst am Mittelgang sitzen. Zudem sollte man häufiger im Gang auf- und ablaufen.
  • Schiff: Im Schiff sollte man sich möglichst im Mittelteil aufhalten, dass heißt man sollte möglichst dicht über dem Wasserspiegel sein, also tiefe Kabinen bevorzugen (ruhigerer Wellengang) oder sich auf dem Deck aufhalten. Man sollte sich mit dem Schiff bewegen und sich nicht gegen die Bewegung richten. Treten akute Beschwerden auf, so sollte der Betroffene flach auf den Rücken gelagert werden. Man sollte den Kopf ruhig halten, entweder die Augen schließen oder einen Punkt am Horizont fixieren.

Sind die oben aufgelisteten Verhaltensregeln nicht hilfreich, kann man weitere Maßnahmen durchführen, dazu zählen:

  • Akupunktur oder so genannte Akupressurbändchen für Hand- und Fußgelenk
  • Spezielle Brillen, die mit einem flüssigkeitsgelagerten Balken ausgestattet sind. Diese dienen als künstlicher Horizont.
  • Patient auf den Rücken legen und die Augen schließen lassen, denn im Schlaf ist der Gleichgewichtssinn ausgeschaltet.
  • Gegen laute Geräusche Ohrstöpsel verwenden
  • Der Kopf sollte aufrecht gehalten werden, keine gebückte Haltung
  • Kurz vor Reiseantritt auf Genusmittel wie Alkohol und Kaffee verzichten
  • Entspannungsübungen wie Autogenes Training oder Muskelentspannung sind sehr hilfreich.

Medikamentöse Therapie

Die Einnahme von Medikamenten ist nicht empfehlenswert, da gefährliche Nebenwirkungen auftreten können. Zum einen existieren Medikamente zur Behandlung der Symptome, zum anderen gibt es Medikamente die vorbeugend, vor Reiseantritt, eingenommen werden können. Dazu gehören vor allem Antihistaminika (z.B. Dimenhydrinat) die rezeptfrei in allen Apotheken in Deutschland erhältlich sind. Antihistaminika sind erhältlich in Kaugummi-, Tabletten- oder Zäpfchenform.

Besonders zu empfehlen sind hier die so genannten Reise-Kaugummis, da hier die typischen Begleiterscheinungen wie Müdigkeit und Konzentrationsschwäche seltener auftreten und der Wirkungseintritt schneller erfolgt. Daneben gibt es schon seit längerem transdermale Pflaster mit Scopolamin, die den Brechreiz unterdrücken.

Diese Pflaster sind aber aufgrund der Nebenwirkungen verschreibungspflichtig. Auch kann man Medikamente verschreiben, welche die Magenentleerung in den Darm beschleunigen, z.B. das Metoclopramid.

Die beste Wirkung kann erzielt werden, wenn man die Einnahme der Medikamente am Abend vor Reiseantritt durchführt.

Es wird auch oft erzählt, dass Ingwerwurzeln sehr hilfreich sein sollen, da sie eine antiemetische (beruhigend auf den Brechreiz) Wirkung aufweisen. Die Wirkung ist aber bislang durch Studien nicht bestätigt worden.

Prognose

In der Regel verschwinden die Symptome der Reisekrankheit bei über 90 Prozent der Betroffenen Menschen nach zwei bis drei Tagen von selbst. Doch man muss hier besonders bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorsichtig sein. Die Reisekrankheit kann hier wesentlich schwerer verlaufen und in seltenen Fällen sogar bis zum Tode führen

Hinweise für Patienten

In der Regel wissen die Betroffenen meistens selbst am besten Bescheid, wie sie sich Hilfe leisten können. Viele Menschen haben hier ihre eigenen Geheimmittel. Es gibt zahlreiche Tipps die hilfreich sein können. Viele wurden bereits oben erwähnt. Man kann aber kurz und schmerzlos sagen, das man sich generell Abhilfe schafft, indem man „hinschaut", die Straße oder Fahrtrichtung verfolgt, oder auf den Horizont blickt. Die Bewegungen, die vom Körper wahrgenommen werden, sollten auch durch die Augen bestätigt werden.


Weitere hilfreiche Tipps sind Folgende:

  • Am Abend vor der Fahrt, sollten Sie leicht verdauliche, warme Mahlzeiten zu sich nehmen. Am besten fettarme Nahrung, mit wenig Ballaststoffen.
  • Vor Reiseantritt sollten sie ausgeschlafen haben.
  • Während der Reise den Magen mit kleinen Mahlzeiten beschäftigen. Am besten sind hier geeignet Zwieback, getrockneter Weißbrot, Salzbrezeln oder fettarme Kekse.
  • Penetrante Gerüche sollten vermieden werden, z.B. üble Benzin- oder Toilettengerüche. Sie verstärken die Übelkeit.
  • Während der Fahrt sollten Sie nicht lesen, dies verstärkt wiederum die Übelkeit.
  • Kaugummi kauen oder Gummibärchen sind oft hilfreich.
  • Entspannungsübungen und Atemübungen während der Reise sind oft sehr hilfreich.
  • Haben Sie bereits erbrochen, dann sollten Sie die verlorene Flüssigkeit durch Trinken ersetzen. Eine beruhigende Wirkung auf den Magen haben insbesondere schwarzer Tee, Kamilletee und Salbeitee.
  • Auch das Vitamin B6 wird bei Reisekrankheit und Schwangerschaftserbrechen eingesetzt.
Letzte Aktualisierung am 08.03.2009.
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Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Reisekrankheit

 
sagt TabeaDayna   vor > 3 Jahre  762

Hey Mell88,

Vorab, ich kann dir nicht helfen.
Ich möchte nur sagen das es mir ganz genau so geht, ich bin 19 Jahre als und kann auch auf kurzen ... mehr

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