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Offene chirurgische Operation

Wie sieht eine offene Operation aus?

Bei einer offenen Operation legt sich der Chirurg den Zugang zum krankhaft veränderten Organ komplett frei. Um zum Operationsgebiet zu gelangen und dort den Eingriff ausführen zu können, muss die entsprechende Körperhöhle (Brustkorb, Bauchhöhle, Becken) weit eröffnet werden. Nach Vollendung des Eingriffs wird die Körperhöhle wieder verschlossen. Aufgrund seiner langen Tradition ist dieses herkömmliche, offene Vorgehen in der Chirurgie praktisch unanfechtbar. Auch wenn inzwischen recht viele Eingriffe mit sehr kleinen Zugängen (minimal-invasive Chirurgie) erfolgen können, so ist die offene Operation für bestimmte Krankheiten, Verletzungen oder Notfälle unentbehrlich.


Wann ist eine offene Operation notwendig?

Die offene Operation ist die ursprüngliche Methode, einen Eingriff in der Chirurgie vorzunehmen. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden die meisten Eingriffe offen durchgeführt. Heutzutage kann insbesondere bei vielen kleineren Anlässen (Paradebeispiel: Gallenblasenentfernung) eine minimal-invasive Operation erfolgen, also über sehr kleine Zugänge mit Hilfe einer Optik. Doch für größere oder risikobehaftete Operationen kann der offene Zugang unumgänglich sein. Eines von vielen möglichen Beispielen ist ein größerer Eingriff am Darm.
 
Eine offene Operation ermöglicht zudem eine zweifelsfreie Diagnose. Sind alle herkömmlichen (nicht invasiven) Diagnoseverfahren ausgeschöpft und die Diagnose immer noch unklar, so muss der Mediziner meist noch auf dieses belastende Verfahren zurückgreifen. Der Befund kann, anders als bei allen vorhergehenden Untersuchungen, direkt eingesehen werden. Die Behandlung erfolgt meist während desselben Eingriffs. 


Vorteile der offenen Operation

Ein wesentlicher Vorteil der offenen Operation, im Gegensatz zu den minimal-invasiven (laparoskopischen beziehungsweise endoskopischen) Verfahren, ist das große Operationsfeld. Der Operateur gewinnt eine bessere und direkte Einsicht, und die Organe oder Strukturen lassen sich gut im Gesamten überblicken. Ein sicheres und fachgerechtes Operieren sowie die notwendige Darstellung der Organe werden durch den Einsatz von Metallhaken ermöglicht, welche von Assistenten oder mechanischen Haltevorrichtungen gehalten werden.
Des Weiteren fällt es auch bei Komplikationen, wie z.B. starken Blutungen, dem Operateur viel leichter, diese in den Griff zu bekommen, da er schnell und leicht Zugriff auf das blutende Gefäß hat.


Nachteile der offenen Operation

Eine offene Operation geht leider meist mit ausgedehnten Narben einher, die kosmetisch auffallen können und manchmal auch für Beschwerden sorgen. Die offene Chirurgie weist gewisse, spezifische Nachteile auf, die den unmittelbaren Verlauf nach der OP wesentlich beeinflussen und die Genesung des Patienten von den Operationsfolgen hinauszögern.

Zu den wichtigsten Nachteilen der offenen chirurgischen Operation gehören:

  • Postoperative Schmerzen
    Schmerzen nach der Operation sind hauptsächlich auf die Durchtrennung der Haut- und Bindegewebsstrukturen (z. B. Bauchdecke) zurückzuführen. Aufgrund der starken postoperativen Schmerzen kann die Aktivität, Beweglichkeit und Atmung des Patienten beeinträchtigt werden. Dies kann wiederum zu den bekannten möglichen Komplikationen in der Chirurgie wie Infektionen, Gefäßverschlüssen (Venenthrombose, Embolie) oder Lungenentzündung beitragen.

  • Flüssigkeitsverlust
    Durch die Freilegung der Körperhöhlen kommt es zu einer Abkühlung des Patienten und zu vermehrtem Flüssigkeitsverlust durch Verdunstung.

  • Verletzungen innerer Organe
    Während der Operation ist meist ein großer Kraftaufwand notwendig, um die Wunden offen zu halten, so dass es dadurch zu Verletzungen innerer Organe wie zum Beispiel Milz und Leber kommen kann.

  • Darmlähmung
    Offene Baucheingriffe gehen oft mit chirurgischen Maßnahmen am Darm einher. Daraus resultiert eine vorübergehende Darmlähmung und in Einzelfällen sogar ein regelrechter Darmverschluss.

  • Verwachsungen
    Während des Eingriffs kann es zu Verletzungen der feinen Darmhäute kommen, welches leicht zu Verwachsungen führen kann. Manche Patienten neigen besonders stark zur Ausbildung solcher Verwachsungen, die auf Dauer Nachoperationen erforderlich machen können.

  • Weitere Gefahren
    Aufgrund des großen Schnitts können noch weitere Gefahren entstehen, z.B. Entzündungen (Infektionen), Platzbauch (Nahtdehiszenz) sowie Narbenbruch.

Treten nach einer offen chirurgischen Operation Komplikationen auf, dann muss der Chirurg häufig ein zweites Mal operieren.



V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

verfasst am 29.07.2010, aktualisiert am 03.04.2013.
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