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Nahttechnik

Lesezeit: 3 Min.

Welche Nadeln werden heute für die Naht verwendet?

Heute werden in der Chirurgie nur noch Nadel-Faden-Kombinationen zum einmaligen Gebrauch verwendet. Hierbei bilden Nadel und Faden eine Einheit, der Faden ist unauswechselbar mit der Nadel verbunden. Je nach Operation und Wunde muss der Arzt neben dem passenden Fadenmaterial auch noch eine brauchbare Nadel auswählen. Es gibt für jede Situation geeignete Nadel-Faden-Kombinationen: große oder kleine, gerade, leicht oder stark gebogene, im Querschnitt runde oder dreieckige Nadeln mit scharfen Kanten und vieles mehr.


Welche Nahttechniken bzw. -formen gibt es?


Zu den wichtigsten Nahttechniken für den Verschluss von Haut und Unterhautgewebe gehören:


Subkutannaht

Subkutannähte dienen zur Adaptation (Zusammenfügen) des Unterhautfettgewebes. Sie werden in der Regel mit resorbierbaren (selbstauflösenden) Nahtmaterialien durchgeführt. Die Naht erfolgt unter Mitnahme des tiefsten Punktes der Wunde, um nach Knüpfen eine Hohlraumbildung zu vermeiden. Intakte Bindegewebsschichten (Faszien) sollten jedoch nicht durchstochen werden. Die Naht sollte lediglich locker verknüpft werden. Der Arzt sollte die Naht nicht zu lose und nicht zu fest anziehen, so dass im Unterhautfettgewebe keine Hohlräume entstehen und andererseits keine Durchblutungsstörungen auftreten.

Subkutannaht mit Einzelknopfnähten

Die Einzelknopfnaht ist ein Wundverschluss an einer Einzelstelle, der geschieht, indem ein Faden kreisförmig durch das Gewebe geführt wird. Der Faden wird mehrfach verknotet. Lange Wunden werden mit mehreren Einzelknopfnähten verschlossen. Um Hautaustrittskanäle zu vermeiden, wurde die vollständig versenkte Intrakutannaht entwickelt.

Subkutannaht mit fortlaufender Naht

Allerdings kann das Vernähen langer Wunden auch mit einem fortlaufenden Faden geschehen. Der Weg des Fadens durch das Gewebe ist identisch wie bei der Subkutannaht mit Einzelknopfnähten. Natürlich sind hierbei auch verschiedene Fadenführungen möglich, beispielsweise überwendlig oder nur in einer Ebene hin und her. Un zu verhindern, dass viele Stichkanäle in die Haut austreten, wurde die vollständig versenkte Intrakutannaht (Naht in der Haut) entwickelt. Im Vergleich zur Einzelknopfnahttechnik ist die fortlaufende Subkutannaht die schnellere Methode.

Hautnähte bzw. weitere spezielle Nahtformen

Nach einem operativen Eingriff hat das kosmetische Ergebnis für den Patienten einen wichtigen Stellenwert. Dabei kann die Technik für den Hautverschluss das kosmetische Ergebnis maßgeblich beeinflussen. Der Arzt führt den Einstich der Nadel möglichst senkrecht zur Hand durch, um den Widerstand zu minimieren und so die Nadeleigenschaften optimal zu nutzen.

Es gibt spezielle Nahtformen, die sogar bei Spannung des Gewebes ausgeführt werden können, z. B. die Donati-Naht (vertikale Rückstichnaht, der einzelne Faden wird von einer Seite der Wunde zur anderen und zurück gezogen). Eine weitere Möglichkeit ist die Allgöwer-Naht, bei der der Faden abwechselnd auf jeweils einer Seite gar nicht mehr aus der Haut herausragt. Falls es sich nicht ohnehin um eine OP mit Anästhesie handelt, ist in den meisten Fällen eine Betäubung erforderlich.


Was ist ein Nadelhalter?

Heutzutage wird die Nadel nicht mehr von Hand geführt, wie es früher üblich war, sondern mit einer speziellen Metallklemme, dem so genannten Nadelhalter. Prinzipiell gibt es unterschiedliche Arten mit vielen Modifikationen. Die Nadeln werden mit dem Halter als Instrument durch das Gewebe gestochen und damit auch wieder herausgezogen.

Der Nadelhalter bietet folgende Vorteile:

  • Für den Operateur selbst ist die Gefahr für versehentliche Stichverletzungen und somit das Infektionsrisiko geringer.
  • Durch den Nadelhalter können auch wesentlich kleinere Nadeln gefasst werden.
  • Der Operateur kann in tiefere Wundhöhlen eindringen.
  • Die Handhabung des Nadelhalters ist mit Operationshandschuhen viel leichter als das Führen der Nadel von Hand.
  • In vielen Situationen kann auch der Knoten des Fadens mit dem Nadelhalter gemacht werden. Es gibt aber auch Situationen, bei der der von Hand vorgelegte und mit dem Finger in die Tiefe geführte Knoten unersetzlich ist.

Vorteile der neuen Nahttechniken

  • Durch neuere Nahttechniken sind später die üblichen leiterartigen Quernarben nicht zu sehen.
  • Aufgrund des resorbierbaren (wiederauflösbaren) Nahtmaterials entfällt in vielen Fällen das Entfernen von Fäden oder wird zumindest stark reduziert. Überstehendes Nahtmaterial wird lediglich flach auf der Haut mit einer feinen, sauberen Art Nagelschere abschneiden. Im Gesicht kann die Entfernung der Fäden bereits nach 5-6 Tagen erfolgen, sonst nach 10-14 Tagen.

Nachteile der neuen Nahttechniken

  • Vorübergehend knotige Verdickungen in der Narbe können auftreten. Diese Verdickungen verschwinden in praktisch jedem Fall wieder.
  • Anteile des Nahtmaterials können aus der Tiefe zur Oberfläche der Haut vordringen. Dies ist durch Tasten und eventuell durch eine leichte Entzündungsreaktion zu erkennen.
  • Die Auflösung des Knotens kann im schlimmsten Fall bis zu 4 Monaten dauern.


V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 14.11.2011
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