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Verhalten nach OP

Lesezeit: 6 Min.

Was müssen Patienten nach einer Operation beachten?

Das Verhalten nach einer Operation hängt vom Eingriff ab. Einige Grundregeln gilt es stets zu beachten, um den Behandlungserfolg nicht zu gefährden und Komplikationen zu verhindern. Doch natürlich müssen Patienten nach ausgedehnten Operationen weitreichende Einschränkungen in Kauf nehmen, während sie sich nach kleinen Eingriffen kaum anders als sonst verhalten müssen. Auch spielt eine Rolle, ob eine Vollnarkose eingesetzt wurde oder lediglich eine örtliche oder regionale Betäubung. Der Zeitraum nach einem operativen Eingriff wird in der Medizin auch als postoperative Phase bezeichnet. Je nach Art der Operation haben die Patienten in dieser Zeit auch mit verschiedenen Nachwirkungen des Eingriffs zu rechnen. Dazu zählen beispielsweise Übelkeit und Erbrechen als mögliche Folgeerscheinung der Narkose sowie Müdigkeit und Schmerzen.

Allgemeine Verhaltensregeln nach einer Operation

Nach jeder Operation gelten Verhaltensregeln, die der Patient gewissenhaft einhalten sollte. Natürlich können sie bei verschiedenen Operationen abweichen, aber grundsätzlich sollte das Verhalten den Genesungsverlauf unterstützen. Der Arzt beziehungsweise das Pflegepersonal wird den Patienten darüber unterrichten, welche Richtlinien und Empfehlungen eingehalten werden sollten.

Ernährung - Wann darf ein Patient wieder essen und trinken?

Wie die Ernährung nach der Operation gestaltet werden soll, hängt wesentlich von der Art der Operation ab. Bezüglich der Aufnahme von fester Nahrung muss vor allem zwischen Eingriffen am Darm, an den Bauchorganen und anderen (extraintestinalen) Eingriffen unterschieden werden. Nach Darmoperationen muss dem Darm in den meisten Fällen Zeit gegeben werden, sich wieder zu regenerieren. Deshalb ist oft eine kurze Zeit des Nahrungsverzichts (Nahrungskarenz) erforderlich, bis mit einem allmählichen Kostaufbau begonnen werden kann. Der Patient wird dann zusätzlich über Infusionen mit Nährstoffen versorgt.

Bei anderen Eingriffen, wie beispielsweise Knieoperationen, ist normalerweise bereits viel früher eine leichte Mahlzeit erlaubt. Dann hängt es davon ab, welche Art der Betäubung gewählt wurde. Hat eine Operation in Vollnarkose stattgefunden, muss der Patient danach etwas länger mit dem Essen warten als bei einer OP in örtlicher Betäubung. Ein Patient darf nach einer Narkose in der Regel für vier Stunden nichts essen. Meist kann er dann abends wieder etwas Schonendes essen. Nach kleineren Eingriffen in örtlicher Betäubung gibt es kaum Beschränkungen bezüglich der Ernährung.

Wann ein Patient wieder etwas trinken darf, hängt ebenfalls von der Art des Eingriffs ab. Nach einer Vollnarkose muss oft auch mit dem Trinken am Operationstag erst einmal gewartet werden. Bei Eingriffen in örtlicher Betäubung können Patienten meist schon eher wieder trinken. Der Flüssigkeitsbedarf ist nach Operationen oft stark erhöht. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass der Körper nach einen operativen Eingriff einem enormen Stress ausgesetzt ist. In den Tagen bis Wochen nach einem größeren Eingriff muss dem Patienten somit eine ausreichende Menge an Flüssigkeit und Elektrolyten zugeführt werden, um alle Organfunktionen aufrecht zu erhalten. Das kann mit der Gabe von Infusionslösungen über einen venösen Zugang erfolgen.

Rauchen und Alkohol

Auf Rauchen sollte nach Operationen generell einige Wochen lang verzichtet werden. Der Grund ist, dass Rauchen die Wundheilung und das Immunsystem empfindlich stört. Wer nach einer Operation raucht, erhöht das Risiko, dass derartige Komplikationen entstehen.
Alkohol sollte mindestens einige Tage nach der Operation nicht getrunken werden, da er sich negativ auf die Blutgerinnung auswirkt. Ebenfalls sollte gerade nach einer Operation auf den Konsum von Cannabis ("Kiffen") und anderen Drogen verzichtet werden. Das gilt in ganz besonderem Maße für den Zeitraum, in dem das Narkosemittel noch nicht wieder abgebaut ist. Menschen, die Probleme mit ihrem Suchtverhalten bezüglich Alkohol, Rauchen oder Drogen haben, sollten sich ihrem Arzt anvertrauen.

Körperliche Schonung - wann ist wieder Sport möglich?

Wie lange ein Patient auf Joggen, Training & Co. verzichten muss, hängt von der Schwere der Operation ab. In vielen Fällen gelten zwei bis sechs Wochen Sportverbot, dies kann aber auch kürzer oder länger sein. Das Schonen gilt für den speziellen Körperteil, der operiert wurde. So muss z. B. auch nach einer Augen- oder Augenlidoperation oft auf Lesen verzichtet werden. Bei Mund- und Gesichtsoperationen muss der Patient mit dem Essen und Sprechen sehr vorsichtig sein. Der operierte Körperteil sollte in den ersten Tagen in der Regel hochgelagert werden, um Schwellungen gering zu halten. Das gilt insbesondere für Kopf, Arme und Beine. Eine vorsichtige Kühlung hat ebenfalls einen abschwellenden Effekt.

Wann darf eine Dusche oder ein Bad genommen werden?

Nach einer Operation muss der Patient erst einmal warten, bis er wieder duschen darf. Bei kleineren bis mittelgroßen Operationen ist Duschen meist wieder nach ein bis zwei Tagen erlaubt, ausgedehnte Operationswunden gebieten einen längeren Verzicht auf eine Dusche (vier Tage bis mehrere Wochen, je nach Wundheilung). Eine vorherige Rücksprache mit dem Arzt ist ratsam. Baden ist nach Operationen erst nach der Entfernung der Fäden erlaubt. Für Schwimmen gilt Ähnliches, hier ist aber auch der allgemeine Heilungsverlauf zu beachten. Waschen ist natürlich schneller möglich, unter Schonung des Operationsbereiches. Auf die Sauna sollte nach einer OP, je nach Eingriff und Verlauf, mehrere Wochen bis einige Monate verzichtet werden.

Wie sieht es mit Medikamenten aus?

Die Frage nach Medikamenten nach der Operation muss mit dem Arzt abgesprochen werden. Viele Patienten nehmen dauerhaft Medikamente ein. Der Arzt legt fest, welche dieser Arzneimittel problemlos eingenommen werden können, und teilt dies dem Patienten mit. Bei einigen Medikamenten kann es nach der Operation Beschränkungen geben. Das kann auch für Medikamente aus der Homöopathie oder Alternativmedizin gelten. Insbesondere Medikamente, die einen negativen Einfluss auf die Blutgerinnung haben (etwa ASS = Acetylsalicylsäure), sind in der Anfangsphase nach der OP verboten. Die Gefahr von Blutungen ist zu groß. Der Arzt ersetzt sie gegebenenfalls durch ungefährlichere Mittel (im Regelfall Heparin). Meist können ASS und andere Mittel wieder genommen werden, wenn die Wunde weitestgehend zusammengeheilt ist und keine baldige Folgeoperation mehr zu erwarten ist.

Schmerzmedikamente sind in vielen Fällen wichtig nach einer Operation. Da jede Art von Schmerzen den Heilungsverlauf nach einer Operation nur verzögert, ist das Ziel der Schmerztherapie durch Schmerzfreiheit oder zumindest Schmerzreduktion optimale Bedingungen für die Genesung des Patienten zu schaffen. Schmerzmittel können normalerweise problemlos über einige Tage eingenommen werden, ohne dass der Patient eine Sucht befürchten muss. Hier eignen sich beispielsweise Ibuprofen oder Paracetamol. Manchmal ordnet der Arzt auch Opiate an, wenn die Schmerzen sehr stark sind.

Auch Antibiotika sollen nicht ohne Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Werden sie zu oft gegeben, so besteht die Gefahr, dass sich eine Resistenz bildet (Unwirksamkeit des Erregers gegenüber dem Antibiotikum). Nur in bestimmten Fällen mit hohem Infektionsrisiko wie z. B. bei Darmoperationen können Antibiotika prophylaktisch bei oder nach der OP gegeben werden.

Salben sollten nicht eigenständig eingesetzt werden, sondern immer nur nach Rücksprache mit dem Arzt oder dessen Anordnung. Die falsche Salbe kann mitunter die Wundheilung eher stören. Bei glatten, unkomplizierten Wunden ist keine Salbe vonnöten. Bei Wundheilungsproblemen oder klaffenden Rändern kann eine medizinisch sinnvolle Salbe den Befund verbessern. Es kann sich beispielsweise eine Salbe mit dem Wirkmittel Dexpanthenol eignen.

Verbandwechsel, Fäden ziehen

Verbände werden meist vom Arzt gewechselt, denn dieser kann gleich die Wundheilung beurteilen und fachgerecht einen neuen Verband anlegen. Je nach Größe und Lokalisation der Wunde muss der Verband alle zwei Tage oder sogar täglich gewechselt werden, um die Wundverhältnisse regelmäßig zu kontrollieren. Nähte an der Operationswunde können nach einer bestimmten Zeit entfernt werden. In der Regel können die Fäden nach 7 bis 12 Tagen gezogen werden, bei besonders leichten oder umfangreichen Operationen kann die Zeit aber auch abweichen. Die Schmerzen sind beim Ziehen der Fäden meist gering. Klammern, die anstatt einer Naht verwendet wurden, können meist etwa nach 10 bis 14 Tagen entfernt werden. Dies geht recht einfach und schmerzarm mit einem speziellen Gerät, das die Klammern aufbiegt.

Pigmentstörungen vermeiden - nicht zu früh sonnen

Bei der Operationswunde beziehungsweise -narbe besteht für einige Zeit ein erhöhtes Risiko, dass Störungen der Pigmente auftreten. Häufig zeigt sich eine blassere Narbe als die Umgebung, die Narbe kann aber auch verdunkelt sein. Um auffällige Befunde an der Haut zu vermeiden, sollte sich der operierte Patient für drei bis sechs Monate nicht an der betreffenden Stelle sonnen. Im Solarium können die gleichen Auswirkungen entstehen. Auch hier sollte gewartet werden.

Stillen nach der OP

Eine Mutter darf ihr Kind nach einer Operation meist normal stillen. Weder die Reste der Narkosemittel noch die meisten anderen Medikamente haben großartige Auswirkungen auf die Muttermilch. Falls das Stillen doch unterlassen werden sollte, teilt der Arzt dies mit.

Fliegen / Flugreisen nach einer Operation

Auch beim Fliegen sind für frisch operierte Personen Besonderheiten zu beachten. Flugreisen dürfen nicht zu früh nach einem Eingriff mitgemacht werden. Nach einigen Operationen ist das Gesundheitsrisiko für Fluggäste besonders groß. Dazu gehören bestimmte Augenoperationen, Eingriffe an den Nasennebenhöhlen oder am Mittelohr, am Darm, anderen inneren Organen, Blutgefäßen, an den Atemwegen oder am Gehirn. Patienten müssen teils Wochen bis Monate warten, bis sie fliegen dürfen. Ein Gips oder enger Verband kann durch die Druckänderung zu straff werden und Schäden hervorrufen. Im Zweifelsfall sollten sich Patienten beim Arzt oder der Fluggesellschaft genau erkundigen. Zu beachten ist außerdem, dass auf einem Flug das Thromboserisiko erhöht ist, denn der Passagier bewegt sich kaum. Dies kann durch Bewegungseinschränkungen nach Operationen noch erschwert werden.

V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 30.01.2017
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