Definition Phlebographie
Eine Phlebographie ist eine Röntgen-Kontrastmitteluntersuchung von Venen. Somit ist die Phlebographie eine Art der Angiographie (Gefäßdarstellung). Die Phlebographie dient hauptsächlich zur Feststellung einer tiefen Beinvenentrombose, aber auch zur Untersuchung weiterer Venenveränderungen.
Ursachen
Mit der Phlebographie können einige Erkrankungen nachgewiesen werden, die die Venen betreffen. Haupteinsatzgebiet dieser Kontrastmitteluntersuchung sind vermutete Venenthrombosen (venöse Gefäßverschlüsse) besonders im Bein, aber auch an anderen Körperteilen und Organen. Ebenso eignet sich die Phlebographie zur Untersuchung von Krampfadern (Varizen) sowie bei damit im Zusammenhang stehendem „Absacken“ des Blutes in den oberflächlichen Beinvenen beziehungsweise Abtransportstörungen (chronisch-venöse Insuffizienz). Des Weiteren können Fehlbildungen und Gefäßwandveränderungen bei verschiedenen Erkrankungen festgestellt werden.
Die Phlebographie wird sowohl zum Nachweis solcher Erkrankungen angewendet als auch zur Untersuchung vor operativen Eingriffen, wenn die Erkrankung bereits durch andere Untersuchungen festgestellt worden ist.
Eine Venenthrombose ist eine Verlegung durch ein Blutgerinnsel. Das Risiko für Thrombosen ist erhöht, wenn der Patient über einen längeren Zeitraum unbeweglich bleibt, z. B. bei langem Sitzen oder auch bei Operationen. Bestimmte Faktoren der Gesundheit des Patienten, beispielsweise fortgeschrittenes Alter, Herzkrankheiten, Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“), bereits abgelaufene Thrombosen, Rauchen, Übergewicht oder Einnehmen der Anti-Baby-Pille, können das Risiko verstärken.
So genannte Krampfadern oder Varizen sind erweiterte Venen am Bein, die sich meist knapp unterhalb der Oberfläche befinden. Meist steckt eine vererbte Schwäche des Bindegewebes dahinter. In den Venen befinden sich Klappen, die einen Rückfluss des Blutes in Richtung Herz ermöglichen. Bei einem Schlussdefekt der Klappen kommt es zum Blutaufstau. Auch als Folge von Thrombosen entwickeln sich häufig Krampfadern. Weitere Ursachen sind seltener. Umstände wie Übergewicht oder Schwangerschaft erhöhen das Risiko für Krampfadern.
Symptome
Durch eine Thrombose kommt es zu Durchblutungsproblemen durch Aufstauung, die häufig die Beine betrifft. Teilweise wird zuerst gar nichts verspürt. Es tritt bald eine schmerzhafte, bläuliche Schwellung auf. Besonders auf Druck werden die Schmerzen verstärkt. Durch eine Beinvenenthrombose fällt das Gehen und das Stehen erheblich schwerer. Im Verlauf können zum Teil hartnäckige Geschwüre entstehen.
Wenn sich von einer Thrombose ein Blutklümpchen (Thrombus) ablöst, wird dieses durch den Blutkreislauf weiter transportiert und kann in anderen Blutgefäßen zu Gefäßverschlüssen (Embolien) führen. Dies kann z. B. bei einer Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterienaufzweigung) schwerwiegende Folgen haben.
Bei Krampfadern (Varizen) besteht neben den ästhetischen Problemen oft ein Schweregefühl der Beine, Schwellungen und Juckreiz. Es werden vier verschiedene Schweregrade von Varizen unterschieden. Verfärbungen, Wadenkrämpfe und Blutgefäßentzündungen können sich ergeben. Bei länger bestehenden Krampfadern kann ein „offenes Bein“ (Ulcus cruris) im Unterschenkelbereich entstehen, das Schmerzen bereitet.
Diagnose
Die Patientenbefragung (Anamnese), Betrachtung und klinische Untersuchung gibt oft schon Hinweise auf die Venenerkrankung. Neben der Phlebographie eignen sich meist weitere bildgebende Verfahren zur Diagnose, insbesondere Ultraschall beziehungsweise Doppler-Ultraschall.
Differenzialdiagnose
Die genannten Erkrankungen müssen voneinander unterschieden werden. Krampfadern sind in der Regel eindeutig zu erkennen. Tumore als Ursache für die Krankheit müssen ausgeschlossen werden.
Therapie
Konservative Therapie
Zur Behandlung der jeweiligen Erkrankung können verschiedene Maßnahmen getroffen werden. Bei Thrombose kann eine Auflösung des Blutklumpens (Thrombolyse) durch spezielle Wirkstoffe oder die Gabe von blutverdünnenden Medikamenten sinnvoll sein. Ebenso kann oft der Blutpfropf operativ herausgeholt werden, manchmal kann auch ein Bypass (künstlicher Blutweg als Umgehung der Verschlussstelle) eingesetzt werden. Bei Krampfadern kann zunächst eine Behandlung mit Kompressionsstrümpfen oder Beinwickeln durchgeführt werden. Körperliche Bewegung ist dabei wichtig. Gehen und Liegen wirkt sich positiver aus als Stehen und Sitzen. Die Krampfadern können auch verödet oder operativ entfernt werden. Weitere Venenerkrankungen können andere Maßnahmen erfordern.
Operation
Eine Phlebographie kann an Gliedmaßen, aber auch z. B. an inneren Organen durchgeführt werden.
Zur Röntgen-Kontrastmitteldarstellung von Venen an Arm oder Bein wird zunächst eine stamme Manschette angelegt. Daraufhin wird über eine Hohlnadel das Mittel in eine Vene (z. B. am Fußrücken oder Handrücken) injiziert.
Für die Phlebographie innerer Organe wird ein Führungsdraht über eine Kanüle in einer Vene zu dem jeweils zu untersuchenden Blutgefäß vorgeschoben. Daraufhin wird die Hohlnadel entfernt und über den Draht ein Katheter (dünner Schlauch) eingeschoben, so dass dessen Ende in der Nähe des zu untersuchenden Gefäßes liegt.
Über die Hohlnadel oder den Katheter wird dann das Kontrastmittel gespritzt. Dabei kann es zu Wärmeempfindungen kommen. Die gefüllten Blutgefäße beziehungsweise auch die durchbluteten Organe können nun auf dem Röntgenbild dargestellt werden, welches auch auf einem Bildschirm erscheint. Die Röntgenaufnahmen der Bein- und Beckenvenen werden im Sitzen oder Stehen angefertigt, die Aufnahmen der Arm- und Schultervenen im Liegen. Bei einer Organ-Phlebographie wird das jeweilige Organ auf dem Röntgenbild dargestellt.
Im Anschluss an die Untersuchung wird eine wässrige Salzlösung (NaCl-Lösung) eingespritzt, um die Venen durchzuspülen. Die Einstichstelle wird nach Ziehen der Hohlnadel oder des Katheters mit einem Druckverband versorgt.
Mögliche Erweiterungen der Operation
Nur sehr selten müssen weitere Maßnahmen erfolgen, die vorher nicht geplant waren, beispielsweise beim Auftreten von Komplikationen.
Komplikationen
Bei der Phlebographie kann es zu Schäden an der Einstichstelle und dem jeweiligen Blutgefäß kommen. Wanddurchstoßungen können zu Blutungen sowie manchmal zu Gefäßdeformierungen oder unnatürlichen Arterien-Venen-Verbindungen (Fisteln) führen. An der Einstichstelle kann es zu Nervenschädigungen, Infektionen und Narbenbildung kommen. Durch den Katheter können sich Blutverklumpungen (Thromben) bilden, die manchmal weitergeschwemmt werden und zu Gefäßverschlüssen führen können. Der Katheter kann selbst beschädigt werden, z. B. kann die Spitze abbrechen und Probleme in der Blutbahn bereiten. Durch die Röntgenuntersuchung ergibt sich eine sehr geringe Strahlenbelastung. Allergische Reaktionen, insbesondere auf das eingespritzte Kontrastmittel, sind möglich. Nur sehr selten sind diese so schwerwiegend, dass es zu lebensbedrohlichen Komplikationen oder Schäden an wichtigen Organen kommen kann.
Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.
Prognose
Die Phlebographie wird in der Regel dann durchgeführt, wenn durch andere Untersuchungen (z. B. Doppler-Ultraschall) nicht genügend Informationen gewonnen werden können, um eine Behandlung vorzunehmen. Meist kann die jeweilige Veränderung gut dargestellt werden. Die weitere Prognose richtet sich nach der Erkrankung und deren Ausprägung.
Hinweise
Vor der Operation
Vorherige Untersuchungsbefunde, insbesondere Röntgenbilder, CT-Bilder, MRT-Bilder oder Ultraschallbefunde, sollten vom Patienten mitgebracht werden, wenn diese den zu untersuchenden Körperbereich betreffen.
Der Patient muss dem Arzt mitteilen, ob eine Allergie bekannt ist. So kann z. B. bereits im Vorfeld entschieden werden, ob besser ein jodfreies Kontrastmittel (z. B. Mittel, die stattdessen Gadolinium enthalten) gegeben werden sollte.
Metformin, ein Medikament zur Behandlung von Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“), muss oftmals vor dem Eingriff abgesetzt werden, da es zu Problemen im Zusammenhang mit dem Kontrastmittel kommen kann. Eventuell müssen auch weitere Medikamente weggelassen werden.
Ein geschwollener Arm oder ein geschwollenes Bein sollte bis zum Zeitpunkt der Phlebographie hochgelagert werden.
Einige Stunden vor der Untersuchung sollte der Patient nüchtern bleiben und auch nicht mehr rauchen. Bis zwei Stunden vorher sollte der Patient allerdings reichlich Flüssigkeit zu sich nehmen.
Nach der Operation
Falls die Untersuchung beziehungsweise Behandlung unter ambulanten Bedingungen und mit Schmerzmitteleinwirkung erfolgt, so muss der Patient beachten, dass er für 24 Stunden kein Auto, keine anderen Verkehrsmittel und keine Maschinen selbst bedienen darf. Daher sollte er sich abholen lassen. Bedeutsame Entscheidungen sollten ebenfalls vertagt werden.
Nach einer Phlebographie-Untersuchung am Bein sollte der Patient eine halbe Stunde umhergehen oder zumindest Beinbewegungen ausführen, damit keine (erneute) Thrombose entsteht. Kompressionsstrümpfe sollten getragen werden. Der Patient sollte viel Flüssigkeit zu sich nehmen, damit das Kontrastmittel rasch ausgeschieden werden kann.
Bei Auffälligkeiten, die auf Komplikationen hinweisen könnten, sollte baldmöglichst der Arzt kontaktiert werden.
Letzte Aktualisierung am 22.12.2009.