Definition Magen-Darm-Passage
Bei der Magen-Darm-Passage (MDP) handelt es sich um eine Röntgen-Kontrastmitteluntersuchung des Magens. Die Untersuchung ist zur Darstellung bei einigen Magenerkrankungen nützlich.
Ursachen
Durch eine solche Kontrastmitteluntersuchung des Magens können Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm sowie auch die weiteren Abschnitte des Dünndarms (Leerdarm, Krummdarm) untersucht werden.
Erkrankungen, die durch die Magen-Darm-Passage dargestellt werden können, sind vor allem Magengeschwüre und Zwölffingerdarmgeschwüre sowie Tumore des oberen Verdauungstrakts. Auch können entzündliche Erkrankungen (z. B. Morbus Crohn), Lageabweichungen sowie Leckstellen der Magen- oder Darmwand aufgezeigt werden. Neben diesen Erkrankungen können noch weitere Veränderungen festgestellt werden.
Bei einem Magengeschwür (Ulcus ventriculi) besteht ein Mangel an gewebeschonenden Faktoren (Schleim, normale Blutversorgung) oder eine zu hohe Säurebelastung. Ursache ist oftmals das Bakterium Helicobacter pylori. Medikamente, Rauchen, Alkohol, hormonelle Störungen und Stress können das Geschwür auslösen oder verstärken. Ein Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) hat ähnliche Ursachen, hier ist der Zusammenhang mit dem Keim Helicobacter pylori noch enger, und auch die Vererbung spielt eine Rolle.
Magentumore können gutartig oder bösartig sein. Beispielsweise handelt es sich bei Polypen um gutartige Tumore, beim Magenkarzinom um einen bösartigen Tumor, der von den Schleimhautzellen des Magens ausgeht. Oftmals kann keine direkte Ursache für die Entstehung des Karzinoms gefunden werden. Risikofaktoren sind bestimmte Stoffe in der Ernährung (z. B. Nitrit), Rauchen, Alkohol sowie eine Mageninfektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Des Weiteren spielen genetische Faktoren eine Rolle.
Symptome
Bei nicht stark ausgeprägten Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren bestehen oft keinerlei Beschwerden. Beim Magengeschwür besteht oftmals ein Schmerz und Druckgefühl im oberen Bauchbereich, der zu unterschiedlichen Zeiten auftreten kann. Häufiges Erbrechen kann zu einer Gewichtsabnahme führen. Beim Zwölffingerdarmgeschwür sind die Schmerzen meist in nüchternem Zustand am stärksten und bessern sich beim Essen. Bei beiden Formen können Geschwürblutungen mit schwarz gefärbtem Stuhl oder auch Zeichen einer Blutarmut auffällig werden, manchmal wird Blut erbrochen. Eine Perforation (Magen- beziehungsweise Darmdurchbruch) äußert sich in der Regel durch starke Bauchschmerzen (akutes Abdomen) und zunehmende Abwehrspannung des Bauches. Es entsteht eine Bauchfellentzündung (Peritonitis), die häufig zu lebensbedrohlichen Zuständen führt.
Bei einem Magenkarzinom bestehen oftmals zunächst keine Beschwerden. Dann kann es zu Druckgefühl im oberen Bauchbereich, zu Übelkeit, Schluckproblemen, Appetitminderung, Abneigung gegen bestimmte Nahrungsmittel, Völlegefühl oder Sodbrennen kommen. Später kommt es dann zur körperlichen Leistungsverminderung, Gewichtsabnahme und Schmerzen. Durch Blutung aus dem Tumor kann es zu einem Blutverlust mit nachfolgender Blutarmut (Anämie) kommen. Die Geschwulst kann in umliegende Organe einwachsen und den Hohlraum des Magens verlegen. Wie bei allen bösartigen Tumoren können sich auch beim Magenkrebs Tochtergeschwülste (Metastasen) in andere Körperbereiche absiedeln und auch dort schwerwiegende Probleme bereiten.
Weitere Erkrankungen, bei denen eine Magen-Darm-Passage durchgeführt wird, haben andere unspezifische und spezifische Symptome.
Diagnose
Weitere Untersuchungsverfahren können für die jeweilige Erkrankung ebenfalls von hohem Nutzen sein. Wichtig sind bildgebende Verfahren, z. B. herkömmliches Röntgen, Ultraschall, Computertomographie und Magnetresonanztomographie (MRT). Auch eine Magenspiegelung (Gastroskopie) ist oft sinnvoll, gegebenenfalls kann in diesem Rahmen eine Gewebeprobeentnahme (Biopsie) durchgeführt werden.
Differenzialdiagnose
Insbesondere muss bei Geschwüren ein Karzinom ausgeschlossen werden. Verschiedene Tumore müssen voneinander unterschieden werden.
Therapie
Konservative Therapie
Zur Untersuchung mittels Magen-Darm-Passage (MDP) liegt der Patient auf einem Spezialtisch, der bewegt werden kann. Der Patient trinkt dann das breiförmige Kontrastmittel.
Je nach Aufgabenstellung können zwei verschiedene Kontrastmittel verwendet werden. Sind Magen oder Darm undicht oder besteht der Verdacht darauf, so muss ein wässriges Kontrastmittel eingesetzt werden. Ebenso wird ein wässriges Mittel bei einem Darmverschluss (Ileus) genommen. Lösungen, die Barium enthalten, eignen sich dagegen für die meisten anderen Erkrankungen, z. B. Geschwüre ohne Durchbruchsverdacht, Tumore, Entzündungen, Ausstülpungen (Divertikel) oder Fremdkörper.
Um z. B. bei Entzündungen die Schleimhaut besser darstellen zu können, wird eine Art Brausepulver gegeben, das zur Gasentwicklung in Magen und Darm führt. Das eigentliche Kontrastmittel bildet dann eine schmale Schicht auf der Schleimhaut, so dass dessen Oberfläche sehr gut beurteilt werden kann (Doppelkontrasttechnik).
Der Arzt kann auf dem Röntgenbild in Echtzeit sehen, wie sich das Kontrastmittel in Magen und Darm verteilt und langsam weitergeleitet wird. Beurteilt werden kann die Speiseröhrenpassage, Magenfüllung, Magenbewegung sowie der Transport in den Zwölffingerdarm. Es werden mehrere Röntgenbilder festgehalten, manchmal werden nach längerer Zeit noch Spätaufnahmen gemacht.
Manchmal wird es notwendig, Magen und Darm mit Medikamenten aufzudehnen und die Vorwärtsbewegung (Peristaltik) zu unterbinden. Dies geschieht oftmals mit Buscopan®. Ersatzweise, z. B. bei Vorliegen einer Ausscheidungsstörung der Harnblase, einer Augeninnendruckerhöhung (Glaukom) oder einer Herzkrankheit, kann auch Glucagon gegeben werden.
Operation | Mögliche Erweiterungen der Operation
Bei einem Magengeschwür oder Zwölffingerdarmgeschwür ist besonders langfristig eine Ausmerzung der eventuell vorhandenen Helicobacter-pylori-Bakterien (Eradikation) und das Weglassen weiterer auslösender Faktoren, z.B. der die Magenwand schädigenden Medikamente, wichtig. Eine eventuelle Blutung muss operativ oder mit Magenspiegelung gestillt werden, der Blut-, Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ausgeglichen werden.
Bei Magenkrebs wird meist operiert, ist dies nicht möglich, so erfolgt eine Chemotherapie oder Bestrahlung.
Weitere Erkrankungen bedürfen wiederum anderen Therapieverfahren.
Komplikationen
Reizsymptome sowie insbesondere bei Gabe von Brausepulver ein Völlegefühl können auftreten. Das gegebene Kontrastmittel kann manchmal Erkrankungen verstärken. Beispielsweise kann es zu einer Verschlechterung der Symptomatik bei einem Darmverschluss kommen. Durch bariumhaltiges Kontrastmittel kann es bei Magen- oder Darmwandundichtigkeit zu einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen. Falls in sehr seltenen Fällen Kontrastmittel in die Lunge kommt, so kann dies zu Lungenentzündungen oder Lungenüberwässerung (Lungenödem) führen. Bei Gabe von Medikamenten wie Buscopan® oder Glucagon kann es zur Trockenheit im Mund oder zur Verschnellerung des Herzschlags kommen. Durch die Röntgenuntersuchung ergibt sich eine sehr geringe Strahlenbelastung. Allergische Reaktionen, insbesondere auf das eingespritzte Kontrastmittel, sind möglich. Nur sehr selten sind diese so schwerwiegend, dass es zu lebensbedrohlichen Komplikationen oder Schäden an wichtigen Organen kommen kann.
Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.
Prognose
Für viele Aufgabenstellungen erweist sich eine Kontrastmittelaufnahme nach der Magen-Darm-Passage als eine wichtige Untersuchung, und in vielen Fällen können Erkrankungen eindeutig festgestellt und hinreichend beurteilt werden. Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass bei der Untersuchung kein brauchbares Ergebnis herauskommt.
Hinweise
Vor der Operation
Vorherige Untersuchungsbefunde, insbesondere Röntgenbilder, CT-Bilder, MRT-Bilder oder Ultraschallbefunde, sollten vom Patienten mitgebracht werden.
Einige Stunden vor der Untersuchung, besser schon einen Tag vorher sollte der Patient nichts mehr essen. Stark blähende Speisen sollten auch vorher gemieden werden. Getrunken werden sollte dagegen bis vier Stunden vorher, zwei Stunden vorher darf noch Wasser oder Tee getrunken werden. Das Rauchen sollte am Untersuchungstag ebenfalls unterlassen werden.
Nach der Operation
Falls die Untersuchung unter ambulanten Bedingungen und mit Schmerzmitteleinwirkung erfolgt, so muss der Patient beachten, dass er für 24 Stunden kein Auto, keine anderen Verkehrsmittel und keine Maschinen selbst bedienen darf. Daher sollte er sich abholen lassen. Bedeutsame Entscheidungen sollten ebenfalls vertagt werden.
Der Patient sollte viel Flüssigkeit sowie ballaststoffreiche Kost aufnehmen, um eine schnellere Ausscheidung des Kontrastmittels zu bewirken. Unter Umständen muss ein Abführmedikament gegeben werden.
Bei Auffälligkeiten, die auf Komplikationen hinweisen könnten, sollte schnell der Arzt gerufen werden.
Letzte Aktualisierung am 22.12.2009.