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Wie lässt sich eine Schulterluxation wieder einrenken?

Lesezeit: 3 Min.

Eine Schulterluxation wird meist manuell vom Facharzt eingerenkt

Eine Schulterluxation (Ausrenkung) entsteht in den meisten Fällen durch einen Aufprall bzw. starke Krafteinwirkung auf das Schultergelenk. Das kann durch heftige Stürze oder Unfälle, aber auch bei schulterbelastenden Sportarten passieren. Das Risiko einer erneuten Luxation steigt an, wenn die Schulter erst einmal ausgerenkt war.

Dabei springt der Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne und verliert seinen Halt, die Schulter verliert ihre Funktionstüchtigkeit und der Arm hängt sprichwörtlich aus den Angeln. Der Betroffene leidet daraufhin für gewöhnlich unter starken Schmerzen und der Arm kann nicht mehr bewegt werden. Eine Schulterluxation ist immer ein Grund, direkt in die Notaufnahme zu fahren, damit das nötige Fachpersonal die Schulter wieder einrenken kann. Je länger die Schulter ausgekugelt ist, desto größer ist die Gefahr dauerhafter Beschwerden. Der Oberarmkopf muss umgehend wieder an seinen ursprünglichen Platz in der Gelenkpfanne zurückgebracht werden. Das kann auf verschiedenen Wegen passieren.

Das Einrenken der Schulter erfolgt durch Fachpersonal

Bei einer ausgekugelten Schulter müssen die Gelenke sofort wieder in die ursprüngliche Position gebracht werden. Dies muss nicht immer durch eine Operation erfolgen, sondern im Gegenteil: Wenn möglich, wird das Gelenk erst wieder in die korrekte Lage gebracht, bevor die Schulter operiert wird, sollte dies notwendig sein.

Es gibt verschiedene Methoden, eine luxierte Schulter wieder einzurenken. Das geschieht nicht durch das Einsetzen roher Kraft, sondern vorsichtig und schonend. Das verhindert, dass Blutgefäße oder Nerven verletzt werden. Das eigentliche Einrenken der Schulter geschieht meist unter örtlicher Betäubung, um den Oberarmkopf problemlos wieder in die Gelenkpfanne zu manövrieren. Es gibt unterschiedliche Methoden, um dies zu bewerkstelligen. Dabei wird am Oberarm gezogen, während der Arm nach außen gedreht wird. Daraufhin rutscht der Oberarmkopf zurück in die Gelenkpfanne. Dieses Vorgehen erfordert fachkundiges Personal und kann nicht von jedem durchgeführt werden. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen vier Varianten, die ausgekugelte Schulter wieder einzurenken:

  • Bei dem Manöver nach Arlt wird der Ellenbogen um 90 Grad angewinkelt. Der Arm hängt in sitzender Position über einer Stuhllehne, während der Arzt einen Längszug ausübt.
  • Bei der Methode nach Kocher legt sich der Patient auf den Rücken, der Oberkörper ist aber leicht aufgerichtet. Auch hier ist der Ellenbogen zu 90° gewinkelt, während der Arzt die Einrenkung in drei Schritten durchführt.
  • Die Methode nach Manes wird oftmals bei Patienten über 60 Jahren eingesetzt. Dabei zieht der Arzt am Arm des Betroffenen, während gleichzeitig der Oberarmkopf in die ursprüngliche Position gebracht wird. Der Ellenbogen ist ebenfalls um 90 Grad angewinkelt.
  • Auch die Methode nach Hippokrates wird oftmals eingesetzt, wenn der Patient das 60. Lebensjahr bereits erreicht hat. Dabei liegt der Betroffene auf dem Rücken, während der Arzt am gestreckten Arm zieht und die Ferse als Drehpunkt des Hebels verwendet.

Nach der Korrektur der Luxation wird der Patient mit Schmerzmitteln versorgt und der Arm für circa 14 Tage ruhig gestellt. Meist hat das Einrenken zur Folge, dass der Schmerz sofort und deutlich nachlässt. In der folgenden Zeit muss sich die Schulter wieder festigen, was unter Schonung durch einen speziellen Verband und Kräftigung der Schultermuskeln durch Physiotherapie geschieht.

In seltenen Fällen ist es nicht möglich, das Gelenk durch die oben genannten Methoden einzurenken. Hier kann auf einen operativen Eingriff nicht verzichtet werden.

Das Einrenken der Schulter mittels einer Operation

In schweren Fällen wird die Schulterluxation mittels einer Operation behoben. Das ist meistens dann der Fall, wenn umliegende Strukturen bei dem Unfall oder Aufprall verletzt wurden. Meist sind durch die enorme Krafteinwirkung einer Schulterluxation auch Sehnen, Bänder, Kapseln und Knochen betroffen. Der Arzt wird entscheiden, wann eine Operation am sinnvollsten ist.

Wenn das Gelenk zum wiederholten Male durch deutliche Instabilität heraus gesprungen ist oder größere Knochenanteile abgesprengt werden, ist eine Operation notwendig. Auch bei zusätzlichen Verletzungen von Sehnen und Bändern wird ein operativer Eingriff vorgezogen. Meist erfolgt dieser arthroskopisch (über eine Gelenkspiegelung) und unter Vollnarkose. Bewährt hat es sich dabei, die Knorpellippen wieder am unteren Rand zu fixieren und das Kapsel-Band-Gewebe zu raffen. Sind Knochenstücke abgeschlagen, werden diese mit Schrauben an dem ursprünglichen Platz fixiert, wobei hier häufig auch auf eine offene Operation zurückgegriffen wird. Durch wiederholte Verrenkungen kann es zudem zu einem Defekt am unteren Pfannenrand kommen. Es kann passieren, dass hier wieder neue Knochen angelagert werden müssen.

Besonders bei Patienten unter 25 Jahren besteht ein erhöhtes Risiko für eine weitere Schulterluxation. Mit jeder Verrenkung werden die Strukturen der Gelenkpfanne geschädigt, was die Schulter immer instabiler werden lässt. Je öfter sich die Schulter auskugelt, umso schwerer wird es, sie operativ zu stabilisieren. Eine Schulterluxation steigert zudem das Risiko für Gelenkarthrose.



D. Klimpel Denise Klimpel
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 22.01.2016
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