Definition
Bei einigen schwerwiegenden Erkrankungen des Schultergelenks kann es angezeigt sein, ein Kunstgelenk (Schultergelenkprothese) einzusetzen.
Ursachen
Dass ein Schultergelenkersatz eingesetzt werden muss, kann durch verschiedene Erkrankungen bedingt sein. Dazu gehören unter anderem Arthrose (Gelenkverschleiß), Gelenkentzündungen wie Gelenk-Rheuma (Rheumatoide Arthritis, Chronische Polyarthritis), Entzündungen anderer Ursache, z. B. durch Krankheitserreger wie Bakterien, sowie Tumore. Eine Erkrankung, die speziell in diesem Gelenk vorkommt, ist ein Gewebeuntergang des Oberarmkopfes (Humeruskopfnekrose). Ebenfalls können Verletzungen am Gelenk oder Knochenbrüche in der Nähe ein künstliches Schultergelenk erforderlich machen.
Veränderungen in Gelenken, die durch Abnutzungserscheinungen entstehen, werden als Arthrose bezeichnet. Dies kann durch ein hohes Alter und durch starke Belastung des jeweiligen Gelenks bedingt sein, z. B. bei der Arbeit oder im Sport. Manchmal sind auch Stoffwechselerkrankungen oder Erbfaktoren ursächlich.
Entzündliche Gelenkveränderungen können durch Krankheitserreger bedingt sein, z. B. Bakterien, Viren oder Pilze, oder weitaus häufiger durch Autoimmunprozesse. Dies sind Vorgänge, bei denen Gewebe durch die körpereigene Abwehr angegriffen wird. Im Gelenk äußert sich dies als Rheumatoide Arthritis (Chronische Polyarthritis).
Knochentumore können vom Knochen ausgehen (z. B. Osteosarkom = bösartiger Tumor des Knochengewebes) oder von weiteren Gewebeanteilen in der Nähe. Oft sind sie aber auch Absiedlungen von bösartigen Tumoren anderer Körperbereiche im Knochen (Metastasen).
Eine Humeruskopfnekrose (Absterben von Knochengewebe des Oberarmkopfes) kann ohne eine feststellbare Ursache ablaufen, oder aber durch Verletzungen, Stoffwechselprobleme, Blutkrankheiten oder Cortisoneinwirkung bedingt sein.
Gelenkverletzungen verschiedener Art beziehungsweise Knochenbrüche können durch unterschiedliche Unfallmechanismen entstehen. Oft passiert ein Oberarmbruch bei Sturz auf die Hand oder den Ellenbogen beziehungsweise beim Abfangen eines Sturzes mit dem ausgestreckten Arm. Eine starke Vorschädigung der Knochensubstanz, z. B. durch Osteoporose, kann die Gefahr eines Knochenbruchs erhöhen.
Symptome
Bei einer Arthrose (Gelenkverschleiß, im Schultergelenk: Omarthrose) kann es zu einer Bewegungseinschränkung bis hin zur Versteifung des Gelenks kommen. Schmerzen treten häufig auf.
Eine Gelenkentzündung (Arthritis, z. B. Rheumatoide Arthritis) äußert sich ebenfalls als Schmerzen und mangelnde Beweglichkeit bis hin zur Steifigkeit. Zusätzlich können Schäden in der so genannten Rotatorenmanschette (eine Muskelgruppe) bestehen.
Bei Knochentumoren bestehen oft lange keine Symptome. Es kommt zur Verdickung des Knochens mit eventuellen Schmerzen. Es kann zu einer Verminderung der Beweglichkeit kommen. Manchmal kommt es zu Knochenbrüchen, ohne dass eine starke Gewalteinwirkung vorhanden ist (pathologische Frakturen). Bei bösartigen Tumoren kann es zur Zerstörung von örtlichem Gewebe kommen sowie zur Absiedlung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) in anderen Körperbereichen, die auch dort schwerwiegende Probleme bereiten können.
Bei einer Oberarmkopfnekrose ergeben sich Schmerzen, die nach und nach zunehmen. Es zeigt sich ebenfalls eine zunehmende Minderbeweglichkeit.
Bei Verletzungen kommt es zu Schmerzen, die Beweglichkeit ist oft auch eingeschränkt, oder es zeigt sich eine übermäßige Beweglichkeit. Schwellungen können entstehen.
Diagnose
Nach einer Befragung des Patienten (Anamnese) erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Mit verschiedenen Handgriffen und Untersuchungstechniken kann ein erfahrener Arzt manchmal bereits zu einer Verdachtsdiagnose kommen. In bildgebenden Verfahren, z. B. Röntgen, Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), können Veränderungen erkannt werden. Wichtig ist in bestimmten Fällen (z. B. beim Verdacht auf Rheumatoide Arthritis) eine Blutuntersuchung. In einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) können krankhafte Veränderungen über ein optisches Gerät gesehen und beurteilt werden.
Differenzialdiagnose
Verschiedene Erkrankungen von Gelenken und angrenzenden Strukturen weisen oft ähnliche Symptome auf und müssen daher voneinander abgegrenzt werden. Es muss eine Unterscheidung nach der Ursache erfolgen.
Therapie
Konservative Therapie
Je nach der Erkrankung können weitere Behandlungsmethoden zum Einsatz kommen. Nichtoperative Behandlungen, die bei solchen Schultererkrankungen vorgenommen werden, sind unter anderem eine Ruhiglagerung, Krankengymnastik sowie die Gabe diverser Medikamente. Arzneimittel können auch als Begleittherapie zu einer Operation verabreicht werden. Bei Tumoren kann unter Umständen eine Bestrahlung oder Chemotherapie ausreichend sein.
Operation
Ist eine nichtoperative Therapie bei schweren Erkrankungen im Schulterbereich nicht erfolgreich, so kann der Einsatz eines künstlichen Schultergelenks erfolgen (Prothese, Endoprothese). In manchen Fällen kann auch eine Operation mit Erhalt des Schultergelenks durchgeführt werden.
Die Operation erfolgt in aller Regel in Vollnarkose.
Vorne oder oben seitlich an der Schulter wird ein Schnitt vorgenommen, um einen Zugang zum Gelenk zu schaffen. Je nach den Gegebenheiten können verschiedene Arten von Prothesen eingesetzt werden.
Oftmals genügt ein Oberflächenersatz des Oberarmkopfes. Eine solche Oberflächenersatz-Prothese besteht lediglich aus einer Metallkappe, die nach entsprechender Vorbereitung auf dem Oberarmkopf befestigt wird.
In anderen Fällen wird ein Ersatz des Oberarmkopfes notwendig. Dazu wird ein Anteil des Knochens herausgenommen und durch eine Oberarmkopfprothese ersetzt, die meist einen Stiel zur Verankerung besitzt.
Manchmal muss darüber hinaus auch die Schultergelenkpfanne bearbeitet und mit einem Pfannenersatz versehen werden.
Ist das Ausmaß der Schädigung besonders groß, so kann es erforderlich sein, eine Spezialendoprothese einzusetzen. Neben einer so genannten inversen Endoprothese kann auch eine individuell angepasste Prothese eingearbeitet werden.
Die beschriebenen Prothesen können auf unterschiedliche Art und Weise eingearbeitet werden.
Häufig vorgenommen wird die Einzementierung der Materialien mit speziellem Kunststoff (so genannter Knochenzement). Dieser verhärtet sich nach der Verarbeitung rasch, so dass das betroffene Schultergelenk bald wieder belastet werden kann.
Möglich ist auch eine zementfreie Verankerung, wenn die Prothese passgenau in den Knochen eingefügt wird. Hier dauert die Einheilung jedoch mehrere Wochen, da Knochengewebe um die Prothese, die eine raue Oberfläche besitzt, herum wachsen muss.
Bisweilen kommen auch beide Varianten an einem Schultergelenk zum Einsatz, wenn an einem Ende eine Einzementierung, am anderen Ende jedoch eine zementfreie Verankerung vorgenommen wird.
In das Operationsgebiet werden häufig Drainagen eingeführt, um Wundflüssigkeit aufzufangen. Die Schläuche können nach wenigen Tagen wieder entfernt werden.
Am Ende des Eingriffs wird ein Verband angelegt. Es kann selten auch ein Gips, eine Schiene oder anderes zusätzlich stabilisierendes Verbandmaterial notwendig sein.
Mögliche Erweiterungen der Operation
Falls die Gelenkkapsel oder Sehnen stark geschädigt sind, müssen zu dessen Behandlung gegebenenfalls gezielte Maßnahmen erfolgen.
Komplikationen und unerwartete Befunde können es notwendig machen, dass eine Abänderung oder Erweiterung der Operationsmethode erfolgen muss, z. B. dass eine andere Prothesenart als geplant eingesetzt wird.
Komplikationen
Schwellungen und Schmerzen treten häufig auf, verschwinden in der Regel aber bald. Durch die Operation können Strukturen in der Nähe geschädigt werden. Es kann zu Blutungen, Nachblutungen und Blutergüssen kommen. Infektionen, Wundheilungsstörungen und Narbenbildungen können auftreten. Durch Verletzung von Nerven kann es unter anderem zu Sensibilitätsstörungen oder Lähmungserscheinungen kommen. Ein Knochenbruch kann während der OP vorkommen. Manchmal kommt es zu Verschleiß, zur verminderten Beweglichkeit oder zur Steifigkeit von weiteren Gelenken. Knochen und Muskeln können durch die Bewegungseinschränkung schwächer werden. Auch ist es nicht ausgeschlossen, dass es zum so genannten Sudeck-Syndrom kommt, bei dem der Knochen stark abgebaut wird und sich eine schmerzhafte Entzündung ergibt. Um das Gelenk herum können sich Verkalkungen bilden, was zu einer Minderbeweglichkeit führen kann. Eine Ausrenkung des Kunstgelenks kann auftreten. Es ist nicht auszuschließen, dass das eingearbeitete Fremdmaterial bricht, sich lockert oder der künstliche Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne herausspringt. Allergische Reaktionen jeden Schweregrades sind möglich.
Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.
Prognose
In der Regel ist ein guter Ersatz des geschädigten Gelenks durch eine Schultergelenksprothese möglich, so dass die Schmerzen deutlich vermindert werden oder ganz verschwinden. Bewegungen sind meist wieder in einem guten Ausmaß möglich, die Beweglichkeit eines gesunden Schultergelenks wird oftmals jedoch nicht erreicht. Vorschädigungen von Gelenk, Knochen, Muskeln und Sehnen können das Ergebnis verschlechtern. Nach einigen Jahren muss die Prothese eventuell gewechselt werden.
Hinweise
Vor der Operation
In vielen Fällen müssen Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, beispielsweise Marcumar® oder Aspirin®, vor einer Operation abgesetzt werden. Dies geschieht immer in Absprache mit dem Arzt.
Nach der Operation
Bei stärkeren Schmerzen nach der Operation kann durch den Arzt ein Schmerzmedikament gegeben werden.
Nach dem Eingriff muss die Schulter einige Zeit lang besonders geschont werden. Eine Hochlagerung unterstützt den Heilungsverlauf. Die anderen Gelenke sollen viel bewegt werden. Krankengymnastik ist sinnvoll.
Sport und andere Aktionen mit Belastungseinwirkung auf die Schulter dürfen erst dann ausgeübt werden, wenn der Arzt keine besondere Gefährdung mehr darin sieht.
Bei Besonderheiten, die auf Komplikationen hindeuten könnten, sollte der Arzt kontaktiert werden, um eine eventuell notwendige Behandlung durchführen zu können.
Letzte Aktualisierung am 22.12.2009.