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Knorpel-/Knochentransplantation Sprunggelenk - Operation

Lesezeit: 3 Min.

Funktionsweise und Ablauf der Knorpeltransplantation am Sprunggelenk

Die Knorpelverpflanzung ins Sprunggelenk kann im Wesentlichen über zwei verschiedene Verfahren erfolgreich sein. Dies sind die Knorpelzelltransplantation (autologe Chondrozyten-Transplantation, ACT) und die Knorpel-Knochen-Transplantation (osteochondral autograft transfer system, OATS). Da körpereigenes Material verpflanzt wird, kommt es nicht zu einer Abstoßungsreaktion gegen das Gewebe. Es fügt sich gut in das behandelte Gelenk ein und beteiligt sich am Aufbau intakten Knorpels.

Die ACT oder Knorpelzell-Eigentransplantation geschieht in zwei Operationen mit einem Abstand von vier bis acht Wochen. Beide Eingriffe können mittels einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) über kleine Zugänge vorgenommen werden. In dem ersten Eingriff wird Knorpelgewebe entnommen, z. B. aus einer Stelle des Kniegelenks. Die Zellen (Chondrozyten) werden in einem Labor angezüchtet und vermehrt. In der Folgeoperation verpflanzt der Arzt die Knorpelzellen an die Stellen, die im Sprunggelenk geschädigt sind. Die Knorpelzellen werden als Zellhaufen in Form von kleinen Kügelchen (Sphäroiden) in das Gelenk eingebracht. In der Folge setzen sich die Zellen an der Gelenkfläche ab und bilden eine neue Schicht. Für den Patienten ist zu beachten, dass er erst ab sechs Wochen nach der Einpflanzung der Zellen wieder mit einer Belastung des Gelenks beginnen darf.

Die Methode OATS oder Knorpel-Knochen-Transplantation umfasst die Entnahme und Verpflanzung von Gewebestücken aus Knorpel und Knochen. Die zylinderförmigen Knorpel-Knochen-Transplantate werden meist aus einem wenig belasteten Bereich des Kniegelenks entnommen. Im Sprunggelenk werden diese in die geschädigten Bezirke des Gelenkknorpels und Knochens gesetzt. Mit dem OATS-Verfahren kann erreicht werden, dass Knorpel und Knochen sich gleich an der richtigen Stelle befinden, der Knorpel also an der Gelenkfläche zu liegen kommt. Meist ist vor einer Knorpel-Knochen-Transplantation eine Durchtrennung des Knochens (Osteotomie) notwendig, die ohnehin im selben Eingriff zur Korrektur einer Fehlstellung durchgeführt wird. Hier kann nach der eigentlichen Transplantation der Einsatz von Schrauben zur Knochenverbindung erforderlich sein. Für die Transplantate selbst ist keine spezielle Fixierung nötig, denn sie sind um einen kleinen Betrag größer als die Löcher, in die sie eingesetzt werden. Sie werden in die Lücken hineingepresst und sitzen daher fest. Nach der Knorpel-Knochen-Transplantation ist eine Entlastung des Sprunggelenks für drei bis sechs Wochen notwendig. Das Gelenk kann aber schon kurz nach dem Eingriff mittels Physiotherapie beübt werden.

Die Nachbehandlung beinhaltet bei beiden Varianten der Knorpelverpflanzung neben der Schonung eine Hochlagerung und Kühlung. Mittel, die vor Thrombose schützen, werden per Spritze verabreicht. Auch Schmerzmittel können gegeben werden. Die Fäden können etwa zehn Tage nach dem Eingriff vom Arzt gezogen werden.

Gibt es Risiken bei der Durchführung einer Knorpel- oder Knorpel-Knochen-Transplantation?

Bei der Knorpelzell- oder Knorpel-Knochen-Transplantation kann es zu Komplikationen kommen. Möglich sind beispielsweise Blutungen und Einblutungen, Infektionen und Wundheilungsprobleme oder kleine Narben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Gelenk trotz oder wegen des Eingriffs weiter geschädigt wird. Folgebehandlungen können notwendig werden.

Erfolgsaussichten der Operation

Beide hier erläuterten Methoden der Knorpeltransplantation weisen sehr gute Erfolge auf und können in vielen Fällen die Schmerzen beseitigen. Auch die Beweglichkeit wird oftmals besser. Folgeschäden wie eine fortschreitende Arthrose können unter Umständen verhindert werden. Der verpflanzte Knorpel wächst normalerweise gut an. Bei der Knorpelzellübertragung bildet sich schon nach einigen Wochen neues intaktes Gewebe. Nicht immer ist es aber gewährleistet, dass das Ergebnis gut ist.

Die Prognose steht und fällt mit der Belastung, die auf das Gelenk einwirken kann. Fehlstellungen oder ungünstige Verletzungsfolgen können zu einer weiterhin hohen Beanspruchung und dementsprechend raschen neuen Schäden am Knorpel führen. Deshalb müssen Fehlstellungen und Verletzungen ebenso sorgfältig therapiert werden.

Gibt es Alternativen für die Knorpeltransplantation?

Die Verpflanzung von Knorpelstücken (größer und ohne Knochen) ist mittlerweile veraltet und wurde von der Knorpelzelltransplantation und der Knorpel-Knochen-Transplantation abgelöst. Bei Knorpelschäden im Sprunggelenk kann eine Operationsmethode namens Mikrofrakturierung angewendet werden. Bei dieser werden kleine Löcher in den Knochen geschlagen, um über eine Stimulierung des Knochenmarks eine Neubildung von Knorpel hervorzurufen. Ähnlich funktioniert eine Knochenanbohrung. Bei kleinen Defekten unter einem Zentimeter Durchmesser kann eine örtliche Abtragung reichen, hier kann sich neuer Knorpel bilden. Inzwischen können auch Sprunggelenksprothesen (künstliche Sprunggelenke) recht erfolgreich eingesetzt werden. Im äußersten Fall kann eine Gelenkversteifung (Arthrodese) vorgenommen werden.

V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 13.09.2017
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Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Operation

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fragt Rentnerin   vor ~ 1 Jahr  216

Wer hat Erfahrungen gemacht, betreffend Knochenanbohrungen bei Knochenmarködemen?

?
fragt Caro0205   vor > 3 Jahre  61

Wann beginnt man nach dem Transfer mit der Physiotherapie???
Vielen Dank

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