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Inwiefern kann ein Wadenbeinbruch unbemerkt geschehen?

Lesezeit: 2 Min.

Ein unbemerkter Bruch ist tatsächlich möglich

In der Regel läuft ein Knochenbruch, der durch ein Trauma (Verletzungs-Ereignis) hervorgerufen wurde, nicht unbemerkt ab. Aber natürlich gibt es auch hier die berühmten Ausnahmen. Häufig wird von Sportlern berichtet, die auch mit einem gebrochenen Wadenbein weiterspielen oder weiterlaufen, ohne dass sie die eigentliche Verletzung bemerken. Das hat einerseits damit zu tun, dass das Wadenbein nicht das Körpergewicht trägt, diese Aufgabe wird vom parallel verlaufenden Schienbein übernommen. Zudem sind viele Sportler während eines Wettkampfes so mit Endorphinen bzw. Adrenalin angefüllt, dass sie den Schmerz erst gar nicht richtig spüren. Geht der Körper dann in die Ruhephase, wird der Schmerz umso heftiger. Häufig wird dem Betroffenen erst nach dem „Runterkommen“ bewusst, dass sein Bein ernsthaft verletzt ist. Er kann dann kaum noch auftreten, jedenfalls nicht ohne heftigen Schmerz. Hier sollte er umgehend in ein Krankenhaus gebracht werden, damit eine Untersuchung mittels eines bildgebenden Verfahrens (z. B. Röntgen) stattfinden kann, um abzuklären, ob es sich um einen Wadenbeinbruch handelt.

Die andere Möglichkeit, dass ein Wadenbeinbruch (erst) unbemerkt bleibt, ist der Ermüdungsbruch, der auch Stressbruch oder Stressfraktur genannt wird. Hier treten die Symptome langsam und schleichend auf, anders als bei einer Fraktur, die durch ein Trauma entstanden ist. Beim "normalen" Knochenbruch stellen sich die Symptome in den meisten Fällen unmittelbar nach dem Ereignis ein. Anders sieht es beim Ermüdungsbruch aus. Er wird durch Mikrotraumata verursacht, die im Wadenbeinknochen Mikrofrakturen entstehen lassen. Diese Mikrotraumata entstehen unter anderem durch dauerhafte Überbelastung des Beins, aber auch Fußfehlstellungen (u. a. Hohlfuß) oder hormonelle Probleme (Osteoporose ausgelöst durch die Wechseljahre) können an der Ursache beteiligt sein. Anfangs klingen die Schmerzen nach einer Ruhepause wieder ab, da der Körper neue Knochensubstanz gebildet hat und die Mikrofrakturen repariert hat. Bei zu starker und wiederholter Belastung ist auch dieser Selbstheilungsmechanismus erschöpft. Dann kann ein Ermüdungsbruch des Wadenbeins auftreten. Das Tückische an dieser Art von Bruch ist, dass er zumindest im Anfangsstadium nicht immer sofort erkennbar ist. Hier können ein CT (Computertomographie), ein MRT (Magnetresonanztomographie) oder eine Szintigraphie mehr Aufschluss bringen. Ein Ermüdungsbruch entsteht oft am Fibulaköpfchen, also im Bereich des Knies. Er kommt auch im unteren Bereich des Wadenbeins vor, nämlich am Außenknöchel.

Die Therapie der beiden Arten von Wadenbeinbrüchen ist so unterschiedlich wie ihre Entstehung. Ein Wadenbeinbruch, der durch ein einzelnes Trauma entstanden ist, muss in den meisten Fällen operativ versorgt werden und wird mit Hilfe von Platten oder Marknägeln fixiert. Danach wird das Bein ruhig gestellt. Das kann durchaus mehrere Wochen dauern. Auch bei einem Ermüdungsbruch werden Bein oder Fuß ruhig gestellt. Meist geschieht dies mittels einer Schiene. Zudem erhält der Patient absolutes Trainingsverbot, damit der Bruch sich nicht noch weiter ausdehnen kann. In der Regel dauert es 6 bis 8 Wochen, bis der Ermüdungsbruch wieder verheilt ist.

Bei beiden Arten von Wadenbeinbrüchen kann es hilfreich sein, eine Physiotherapie vorzunehmen, damit die Beweglichkeit des Fußes bzw. des Beins gewährleistet bleibt. Außerdem sollte die Muskulatur sanft wieder aufgebaut werden. Der Patient kann durch die richtige Ernährung etwas dazu beitragen, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Er sollte seinem Körper genügend Calcium und Vitamin D zuführen. Vitamin D wird durch Sonneneinstrahlung gebildet, deswegen sind Aufenthalte an der frischen Luft empfehlenswert, allerdings nicht, um das Bein zu belasten und sich sportlich zu betätigen.

Falls der Verdacht auf einen Ermüdungsbruch des Wadenbeins besteht oder die Fraktur zunächst unbemerkt durch ein Trauma verursacht wurde, jetzt aber Beschwerden bereitet, sollte der Betroffene umgehend einen Arzt aufsuchen, damit dieser die entsprechende Therapie einleiten kann. Sonst können unabsehbare Spätfolgen entstehen.



M. Weitz Miriam Weitz
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 20.02.2016
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