Definition Hammerzehe
Als Hammerzehe bezeichnet man eine Zehenfehlstellung, bei der eine isolierte maximale Beugung des Zehs (krallenartige Beugung) im Endgelenk vorliegt. Mit anderen Worten der Zeh ist im Mittelglied nach oben gewölbt und im Endglied hammerartig nach unten gebogen. Diese Fehlstellung tritt häufig zusammen mit anderen Fußverformungen wie z.B. Hallux valgus und dem Spreizfuß auf. Meistens tritt die Verformung an der Großzehe der Füße auf.
Man unterscheidet generell zwischen einer flexiblen und fixierten Hammerzehe. Bei der flexiblen Hammerzehe besteht noch die Möglichkeit, den Zeh passiv in seine normale Position zurückzuführen. Im Spätstadium der Erkrankung bzw. im weiteren Verlauf kommt es dann zu einer Versteifung, die weder passiv noch aktiv auszugleichen sind.
Die Hammerzehe ist eine häufig vorkommende Zehenfehlstellung.
Ursachen
Es gibt viele Ursachen für die Ausbildung einer Hammerzehe, hierzu zählen:
- Anlagebedingte Ursachen: Dazu gehören Fußfehlstellungen wie Spreizfuß, Plattfuß und Knickfuß, sowie andere erworbene Ursachen.
- Unfallbedingte Fußerkrankungen, z.B. Sudecksche Dystrophie (Gewebeveränderung)
- neurologische Störungen z.B. spastische Lähmungen oder Hohlfuß
- Das Tragen von engen Schuhen und Schuhen mit zu hohem Absatz führt häufig zu Zehendeformitäten. Enges Schuhwerk führt zur Verkrümmung der Zehen und verstärkt den Zug der Beugemuskulatur.
- Geringes Barfußlaufen und mangelnde Bewegung
- Muskelverletzungen des Unterschenkels oder des Fußes
- entzündliche Erkrankungen des Fußes
Symptome einer Hammerzehe
Die Hammerzehe ist meistens im Bereich der zweiten und dritten Zehe festzustellen.
Eine Hammerzehe führt zu folgenden Beschwerden:
- Zehendendgelenk ist stark gebeugt, die anderen Zehengelenke sind meist noch in Normalstellung.
- Beim Gehen und Laufen kommt es häufig zu Schmerzen.
- Die Zehen können in Extremfällen sogar übereinander gelagert sein.
- Die Zehendeformität nimmt im Verlauf langsam aber stetig zu.
- Es kommt zu einer statischen Fehlbelastung des Fußes und damit verbunden zu Druckstellen, die sich entzünden können.
- Beim Hammerzeh werden die Zehen kürzer und beanspruchen mehr Platz in die Höhe, besonders das Zehenmittelgelenk.
- Eine chronische Druckstelle führt zu einer Verdickung der Haut und damit entwickelt sich ein Hühnerauge (Clavus).
- Verkrüppeltes Aussehen
- Im Einzelfall können die Zehen sogar komplett aus dem Grundgelenk herausrutschen (luxieren).
Diagnose
Die Hammerzehe ist eine Blickdiagnose. Ein erfahrener Orthopäde kann bereits aufgrund der charakteristischen Fehlstellung die korrekte Diagnose stellen. Die Symptome sind sehr eindeutig. Nach einer Befragung zur Krankengeschichte und den Beschwerden (Anamnese), erfolgt dann die körperliche Untersuchung. Die Verformungen sind bereits beim Anblick zu sehen. Erkennbar sind zudem die Stellungen der Gelenkflächen zueinander und eventuell vorhandene verschleißbedingte Gelenkveränderungen. Zusätzlich sollten die Druckstellen begutachtet werden. Obwohl allein durch den Anblick die Diagnose der Hammerzehe einfach zu stellen ist, werden trotzdem Röntgenaufnahmen gemacht, um die Diagnose abzusichern. Außerdem kann man mit Hilfe des Röntgenbildes die Stellung der Gelenkflächen zueinander beurteilen und den Ausmaß der Fehlstellung feststellen.
Röntgenaufnahmen sind zudem auch hilfreich bei der Planung der Operation.
Differentialdiagnose
Die Diagnose der Hammerzehe ist in der Regel sehr eindeutig. Viel wichtiger ist hier die Unterscheidung nach der Ursache. Vor allem sollte man die Erkrankung differentialdiagnostisch von der Kamptodaktylie abgrenzen, sie ist meistens aufgrund der Verwendung von ungeeignetem Schuhwerk mechanisch bedingt. Auch neurologische Ausfälle oder Erkrankungen können zu diesem Symptom führen und sind daher abzugrenzen.
Therapie
Grundsätzlich besteht die Möglichkeit zwischen einer konservativen oder operativen Therapie.
Konservative Therapie
Man sollte zunächst grundsätzlich mit einer konservativen Behandlungsmaßnahme beginnen. Sie bietet sich besonders bei der noch passiv ausgleichbaren Zehenfehlstellung an.
Dazu gehören folgende Maßnahmen:
- Fußgymnastik
- Zehengymnastik
- Polsterung z.B. Filzringe oder Gummipolster, zur Entlastung der Druckstellen
- Versorgung mit Einlagen z.B. Spreizfußeinlagen
- Tragen von offenen und weiten Schuhen z.B. Sandalen oder Schuhe mit weichem Leder
- Bandagen und Zügelverbände
- Nachtschienen
- Pediküre zur Beseitigung der Schwielen und Hühneraugen.
Es gibt eine Vielzahl von konservativen Maßnahmen, die bei einer Hammerzehe hilfreich sein sollen. Doch auch konsequent durchgeführte Handlungen führen nicht zu einer dauerhaften Korrektur, diese ist nur durch einen operativen Eingriff möglich. Selbst im Frühstadium eingeleitete Maßnahmen, können eine Verschlechterung der Erkrankung nicht aufhalten. Im weiteren Verlauf ist eine Operation meistens erforderlich, da eine konservative Therapie allein häufig nicht befriedigende Ergebnisse liefert. Es ist wichtig die Ursache der Zehenfehlstellung zu beheben, da sonst die Deformität und die Schwielenbildung langsam aber stetig fortschreiten.
Operative Therapie
Ziel der operativen Therapie ist die dauerhafte Korrektur der Zehenfehlstellung, sowie die Aufhebung der Versteifung. Dies erreicht man durch eine Entlastung der passiven Sehnenspannung, indem man die Knochenstrecke verkürzt.
Es gibt verschiedene Operationstechniken. Im folgenden sind die am meisten durchgeführten Techniken aufgelistet:
Operation nach Hohmann/Resektionsarthroplastik
Die am häufigsten durchgeführte Operationstechnik ist die Operation nach Hohmann.
Bei diesem Eingriff wird über einen kleinen Schnitt das Köpfchen des Grundgliedes entfernt und die verkürzte Beugesehne durch manuelle Korrektur aufgedehnt. Üblicherweise handelt es sich um eine Resektion (Entfernung) des nach oben vorspringenden Köpfchens des Grundzehknochens, dies ist die Stelle an der das Hühnerauge sitzt. Selten kann es auch vorkommen, dass die fußrückenseitige Kapsel des Zehengrundgelenkes mit gelöst werden muss. Für diesen Eingriff reicht meistens eine örtliche Betäubung vollkommen aus. Nach der Operation wird der Geradstand der Zehe mit einem so genannten Pflasterzügelverband oder einem Draht, für etwa 2 Wochen stabilisiert. Zudem ist es sinnvoll den Fuß mit Einlagen zu unterstützen. Eine lang anhaltende Entlastung oder Schonung des Fußes ist meistens nicht erforderlich. Nach 2 Wochen kann der Fuß wieder voll belastet werden.
Operation nach Weil (gelenkerhaltende Verschiebeosteotomie)
Bei diesem Eingriff erreicht man eine Stellungskorrektur, durch eine verkürzende Verschiebeosteotomie der Mittelfußknochen. Diese Operationstechnik wird besonders bei Vorliegen von Verrenkungen im Bereich der Zehengrundgelenke durchgeführt.
Parallel dazu macht man eine Strecksehnenverlängerung und eine Kapsellösung. Die Gelenke werden zusätzlich mit Minischrauben stabilisiert, die in der Regel nicht mehr entfernt werden müssen.
Beugesehnenumlenkung
Durch eine gelenkerhaltende Sehnenumlenkungsoperation kann man eine gute Stellungskorrektur erreichen. Bei dem Eingriff wird die Zugrichtung der Sehnen so verändert, dass die Stellung wieder korrigiert wird. Zur Stabilisierung sind hier keine Hilfsmittel notwendig.
Man sollte immer individuell entscheiden, welche Operationstechnik für den Patienten am besten geeignet ist. Dies hängt von vielen Faktoren ab wie z.B. Alter des Patienten und Art der Beschwerden.
Zudem sollte man drauf achten, dass die Zehe genügend gekürzt wird, damit die Fehlstellung nicht erneut (Rezidiv) auftritt.
Prognose
Generell ist die Prognose der Hammerzehe gut. Man erreicht in den meisten Fällen durch den operativen Eingriff eine Beschwerdefreiheit, sowie eine ausreichende Beweglichkeit der Zehen. Insgesamt gesehen ist der operative Eingriff relativ komplikationsarm und bietet gute kosmetische Ergebnisse. Trotzdem besteht immer das Risiko, dass es erneut zu einer Fehlstellung kommen kann. Vor allem dann, wenn die Ursachen der Erkrankung wie z.B. falsches Schuhwerk weiterhin nicht behoben werden.
Hinweise für Patienten
Besonders vor und nach der Operation sollten folgende Punkte beachtet werden:
- Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen wie z.B. Marcumar oder Aspirin sollten vor der Operation abgesetzt werden.
- Nach ambulanten Eingriffen sollte man für 24 Stunden kein Auto mehr fahren und keine Maschinen bedienen. Am besten abholen lassen!
- Das Bein sollte für kurze Zeit besonders geschont werden z.B. durch Hochlagerung des Beines oder Einlagen, dies unterstützt den Heilungsverlauf zusätzlich.
- Der Fuß sollte während der Heilungsphase nicht unnötig belastet werden.
- Krankengymnastik ist sehr hilfreich.
- Sportliche Aktivitäten und Tätigkeiten mit Belastungseinwirkung sollten erst nach Absprache mit dem Arzt ausgeübt werden.
- Geeignetes Schuhwerk tragen.
- Hilfsmittel wie z.B. spezielle Schienen oder Gehstützen können hilfreich sein.
- Auch nach der Genesung sollte der Patient drauf achten, bequeme Schuhe zu tragen. Enge oder ungünstig geformte Schuhe erhöhen das Risiko für ein Rezidiv.
- Barfußlaufen vermindert die Gefahr der Entwicklung einer Deformität.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchführen lassen.
Letzte Aktualisierung am 22.12.2009.