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Fersensporn, Kalkaneussporn

Fersensporne sind dornartige, knöcherne Ausziehungen am Fersenbein...

Definition Fersensporn

Fersensporne sind dornartige, knöcherne Ausziehungen am Fersenbein. Es handelt sich um eine schmerzhafte degenerative Erkrankung, die sich durch eine Überbeanspruchung und dadurch entstandenen Mikrotraumatisierung am Ansatz der Plantaraponeurose (breitflächige Sehnenplatte am Fersenbein) entwickelt.
Zunächst zur Anatomie und Funktion des Fersenbeins:

Das Fersenbein (Calcaneus) ist eine knöcherne Struktur und Teil des Fußes. Sie ist an der Formgebung des unteren Sprunggelenkes beteiligt, da an ihr zahlreiche Bänder, Sehnen und Muskeln ansetzen. An ihrem hinteren (dorsalen) Anteil setzt die Achillessehne an. Die Achillessehne ist für die Bewegung sehr wichtig, durch Zug der Sehne kann der Fuß gesenkt und der Zehenspitzenstand eingenommen werden. An der Unterfläche des Fersenbeins haben einige kleine Fußmuskeln und die Plantaraponeurose ihren Ursprung. Die Plantaraponeurose (Plantarfaszie) ist für die Längsgewölbespannung des Fußes verantwortlich.

Zudem steht das Fersenbein nach vorne hin mit den Fußwurzelknochen, nach oben hin mit dem Sprungbein (Talus) in Verbindung.

Die Überbeanspruchung der Achillessehne führt im Verlauf zu einer chronischen Entzündung der Sehnenplatte, oft ist auch der Schleimbeutel am Fersenbein mit betroffen. Der Körper versucht dies durch Einlagerung von Knochenmaterial in den Sehnenansatz zu reparieren. In folge dessen entsteht der Fersensporn. Doch diese Reperaturmaßnahmen sind vergeblich, da durch die Verknöcherungen im Sehnenbereich weitere Reizungen hervorgerufen werden, die wiederum zu einer verstärkten Entzündungsreaktion führen.

Die Patienten kommen meist sehr spät, da der Fersensporn über längere Zeit keine wesentlichen Beschwerden verursacht. Erst bei einem Reizzustand und der Entzündung dieser Region, kommt es zu einer Abschwächung bzw. der kompletten Aufhebung des normalen Abrollvorgangs beim Gehen. Ohne eine Behandlung ist diese Bewegung kaum noch möglich. Wichtig ist hier, dass die Beschwerden durch die entzündeten Sehnenansätze entstehen und nicht durch das Vorhandensein eines Fersensporns verursacht werden.

Nach der Lage am Fuß unterscheidet man zwischen zwei Formen:

1.Untere Fersensporn

Sie ist eine schmerzhafte Verknöcherung im Ansatzbereich der Fußmuskeln, am inneren Fersenbeinkörper (an der Unterseite des Fersenbeins/Fußsohle). Diese Form kommt häufiger vor und wird in der Medizin auch als plantarer Kalkaneussporn bezeichnet. Klinisch zeigt sich dies meist als Abflachung des Fußlängsgewölbes, z.B. Knickfuß.  

2.Obere/hintere Fersensporn

Der obere oder dorsale Fersensporn ist eine schmerzhafte Verknöcherung am Fersenbeinansatz der Achillessehne. Sie wird auch als Haglund-Syndrom bezeichnet und kommt eher selten vor.

10 Prozent der Bevölkerung leiden unter einem Fersensporn. Das Durchschnittsalter der Patienten mit Fersensporn variiert zwischen 40 und 60 Jahren. Sie kann sowohl als Alterserscheinung auftreten oder durch Sport verursacht werden. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Nicht jeder Fersensporn ist therapiebedürftig, bzw. verursacht Beschwerden.

Ursachen eines Fersensporns

Die Ursache für den Fersensporn beruht in einer permanenten, erhöhten Druck- und Zugbelastung der Sehnenansätze unter der Fußsohle, am Fersenbein.

Diese Belastung führt zu Rissen in der Sehne. Gleichzeitig werden Umbauprozesse in den Sehnenfasern aktiviert, die zu einer spornartigen Knochenneubildung herbeiführen. Wie bei einem Knochenbruch kommt es zu Kalkablagerungen in diesem Gebiet. Der Fersensporn macht sich bemerkbar als kleiner Auswuchs an der Ferse und führt selbst zu einer Entzündungsreaktion des umgebenden Gewebes (Weichteilentzündung).

Zu den auslösenden Faktoren für die Entstehung eines Fersenspornes gehören:

Alter:
Mit dem Alter schrumpft das stoßdämpfende Fettpolster unter dem Fuß.

Schlechtes Schuhwerk

Überbelastung, z.B. beruflich lang stehende Personen

Übergewicht (BMI größer 25)

Fußfehlbildungen, z.B. Knickfuß

Rheumatische Erkrankungen

Sport: Wenn man sich vor dem Sport nicht genügend aufwärmt, so sind die Muskeln, Sehnen und Bänder nicht geschmeidig genug. Als Folge können kleine Risse und Entzündungen entstehen.    

Symptome bei einem Fersensporn

Folgende Beschwerden treten bei einem Fersensporn auf: Zunächst entsteht ein starker, stechender Schmerz auf der Unter- bzw. Innenseite der Fersebelastungsabhängige Schmerzen im Bereich der Ferse stechende, brennende Schmerzen beim Auftreten morgendlicher Anlaufschmerz unter der Ferse (bessert sich im weiteren Tagesablauf)Schmerzen klingen beim Ausruhen des Fußes ab Der erste Schritt am Morgen ist besonders schmerzhaft.

Auch ohne Belastung treten dumpfe, unregelmäßige Schmerzen im Fersenbereich auf der Sehnenansatz und die Achillessehne sind stark druckempfindlich  gelegentlich treten Schwellungen im Knöchelbereich aufSchmerzausstrahlung in den Fuß und in den Unterschenkel möglich.

Beide Formen des Fersenspornes führen zu einer deutlichen Einschränkung der Aktivität.

Diagnose Fersensporn

Die Krankengeschichte (Anamnese) und die typischen Beschwerden, die vom Patienten geschildert werden, geben den entscheidenden Hinweis auf die Diagnose des Fersensporn. Der Schmerz wird meist sehr punktuell angegeben. Bei der klinischen Untersuchung kann der beschriebene Schmerz an der Innenseite der Ferse auf Druck hin ausgelöst werden. Im folgenden wird noch eine seitliche Röntgenaufnahme des Fersenbeines (Calcaneus) durchgeführt, welches die Diagnose nur noch bildlich bestätigt.  

Es kann aber auch vorkommen, dass das Röntgenbild zunächst noch unauffällig ist, obwohl die klassischen Beschwerden eines Fersenspornes schon bestehen. MRT und Sonographie werden nur zur Ausschlussdiagnostik anderer Erkrankungen eingesetzt.

Differentialdiagnose

Bei einem Fersensporn sind die Beschwerden sehr eindeutig, daher sind Differentialdiagnosen von geringer Bedeutung. Trotzdem können folgende Erkrankungen in Frage kommen:
 
  • Bursitis: Entzündung eines Schleimbeutels (Bursa).
  • Morbus Bechterew: entzündlich-rheumatische Erkrankung. Sie schreitet langsam voran und betrifft vor allem die Wirbelsäule.
  • Chronische Polyarthritis: entzündliche Systemerkrankung. Hauptmerkmal ist eine Gelenkentzündung.
  • Gicht: Sammelbegriff für Stoffwechselstörungen, z.B. erhöhte Harnsäurespiegel und deren Folgekrankheiten.
  • Morbus Paget: Erkrankung der Knochen. Der Knochenstoffwechsel läuft bei dieser Erkrankung auf Hochtouren.
  • Osteomyelitis: bakterielle Entzündung des Knochengewebes und des Knochenmarks.
  • Ermüdungsfraktur
  • Zyste des Kalkaneus
  • Fluormedikation

Therapie eines Fersensporns

Der obere und untere Fersensporn werden gleichermaßen therapiert. In der Therapie gibt es keinen Unterschied.
Der Fersensporn sollte in erster Linie konservativ therapiert werden. Verursacht er keine Beschwerden, so muss er selbstverständlich nicht therapiert werden. Ziel ist hier in erster Linie die Beseitigung der umgebenden Weichteilentzündung. Die wichtigste Maßnahme ist vor allem die Reduzierung der Druck- und Zugbelastung am Fersensporn.

Allgemeine Maßnahmen

  • Einlagen: dadurch kann man versuchen die Fußfehlstellungen zu korrigieren und den schmerzenden Punkt an der Ferse zu entlasten. Die Einlagen verhindern zudem, dass die Ferse beim Gehen direkt mit dem Boden in Kontakt kommt.
  • Einsetzen von Geleinlagen über dem Fersenspornbereich
  • Polsterung des Sporns und Abstützung des Fußlängsgewölbes
  • krankengymnastische Übungen: dadurch kann man die Sehnen an der Wade und der Fußsohle dehnen.
  • Fersenpolster
  • Gewichtsreduktion
  • körperliche Belastung minimieren

Physikalische Therapiemaßnahmen

  • Kälte- und Wärmeanwendungen: Sie wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend und abschwellend. Man sollte dabei die Fußsohle, Knöchel und Ferse sanft mit kreisenden Bewegungen etwa zehn Minuten lang reiben.
  • Ultraschallbehandlung
  • Stoßwellentherapie: Auf den Fersensporn werden sehr energiereiche mechanische Wellen gerichtet. Mit der Stoßwelle wird der Fersensporn zertrümmert und durch eine Einsprossung von Blutgefäßen, die Entzündung abtransportiert. Die Behandlung dauert etwa 6 Wochen. Die Kosten werden von der Krankenkasse nicht übernommen.
  • Strahlentherapie: Auf die Fersenspornregion werden ionisierende Strahlen gerichtet.

Medikamentöse Therapie

Neben den allgemeinen Maßnahmen wird auch eine medikamentöse Therapie eingeleitet. Zum Einsatz kommen NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika), z.B. Voltaren oder Ibuprofen, sie wirken entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend und das Kortison in Tablettenform oder als Salbenverband. Diese Medikamentengruppe ist aufgrund der niedrigen Wirkstoffkonzentration leider nicht immer ausreichend. Deshalb wird oft keine effektive entzündungshemmende Wirkung erzielt.

In der nächsten Stufe der Therapie werden lokale Infiltrationen von Betäubungsmitteln und Kortison eingesetzt. Diese enthalten eine länger anhaltende schmerz- und entzündungshemmende Wirkung. Die Infiltration ist für den Patienten jedoch unangenehm.


Operative Therapie

Bei den meisten Patienten erreicht man bereits durch die konservative Therapie eine deutliche Beschwerdelinderung bis komplette Beschwerdefreiheit. Aufgrund der kontinuierlichen Belastung z.B. im Beruf, ist der Therapieerfolg leider nicht immer anhaltend. In diesen Fällen kommt der operative Eingriff zum Zuge, sie ist das letzte Mittel der Wahl.

Bei der operativen Therapie wird zur Zugentlastung die Plantaraponeurose (ansetzende Sehnenplatte) knochennah am Fersenbein abgelöst und entzündete Schleimbeutel entfernt. Der Fersensporn selbst sollte nicht entfernt werden, dies wird generell nicht empfohlen. Nur sehr große Fersensporne werden als Ausnahme entfernt. Nach dem Eingriff erfolgt eine Weichbettung der Ferse. Die Liegezeit beträgt etwa 2-4 Tage. Die Patienten erhalten dann zur Entlastung der Sehne Spezialschuhe, die über einen Zeitraum von ca. 6 Wochen getragen werden sollten.   

Die Erfolgsrate beträgt etwa 80-90 Prozent, doch die Nachbehandlungsphase erstreckt sich über mehrere Monate.

Die wichtigste Komplikation dieser Operation sind Ermüdungsbrüche des Fersenbeins (Calcaneus), die durch das abrupte Fehlen der Spannung auf das Fersenbein hervorgerufen werden. Durch den Eingriff fehlt die Spannung der Plantaraponeurose als Gegengewicht für die Körperbelastung.

Weitere Komplikationen sind:

  • Infektionen
  • Wundheilungsstörungen
  • Thrombosen/Embolien
  • Nervenverletzungen

Reizbestrahlung bzw. Entzündungsbestrahlung

Hier erfolgt primär eine Schmerzbehandlung durch Röntgenbestrahlung höherer Energie (Elektronen- oder Photonenstrahlung). Die Therapie wird in 4-6 Sitzungen durchgeführt und jede Sitzung dauert etwa 20-40 Sekunden. Die Behandlung ist völlig schmerzfrei und zu 80 % erfolgreich. Die Kosten für die Reizbestrahlung werden von gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Aufgrund des erhöhten Krebsrisikos durch die Bestrahlung, wird jedoch diese Behandlung von den Ärzten nur noch eingeschränkt empfohlen.
  

Akupunktur

Eine Akupunktur kann zwar zu einer Besserung der Fersenspornschmerzen führen, die Behandlung selbst wird aber von vielen Patienten als sehr schmerzhaft beschrieben.

Prognose

Die Prognose für eine erfolgreiche Behandlung des Fersensporns ist generell gut. In mehr als 90 Prozent der Fälle tritt eine Beschwerdelinderung bis komplette Beschwerdefreiheit ein, ohne dass eine Operation notwendig ist. Doch bei etwa 5 Prozent der Patienten ist nach jahrelangem Verlauf eine Operation unumgänglich.  
Eine späte bzw. nicht rechtzeitig eingeleitete Therapie kann als Folge zu starken Schmerzen führen. Der Erfolg der Therapie ist unter anderem abhängig von der körperlichen Schonung während des Behandlungszeitraums. Da dies kaum möglich ist, z.B. aufgrund der Berufsbelastung, kommt es nicht selten vor, dass die Patienten mehrmonatige bis mehrjährige Leidensphasen durchleben.

Ein Fersensporn neigt auch gern zum Rezidiv, dass heißt sie kann immer wieder auftreten und erneut Beschwerden verursachen. Dabei ist es unrelevant ob bereits eine erfolgreiche konservative oder operative Therapie durchgeführt wurde, die Rezidivbeschwerden können jederzeit auftreten

Hinweise für Patienten

Durch verschiedene Maßnahmen kann man unter Umständen einen Fersensporn versuchen zu vermeiden:
 
  • Nehmen Sie sich vor dem Sport ausreichend Zeit um sich Aufzuwärmen und zu Dehnen.
  • Schmerzen in der Ferse sind immer ein Zeichen für eine Überbeanspruchung. In diesen Fällen sollten Sie am besten das Bein hochlagern, ausruhen und mit Eis kühlen.
  • Wichtig ist das Tragen von gut sitzenden, bequemen Schuhen, besonders während der Freizeit und Arbeit.
  • Achten Sie besonders auf eine gute Fersenstütze und ein dämpfendes Kissen unter der Ferse.
  • Versuchen Sie ihre körperliche Belastung zu minimieren.
  • Leiden Sie bereits an einer Fußfehlstellung, so lassen Sie sich von ihrem Arzt über mögliche Therapiemaßnahmen beraten.
  • Übergewicht ist ein Risikofaktor für einen Fersensporn, daher sollten übergewichtige Menschen ihr Gewicht reduzieren.


Letzte Aktualisierung am 22.12.2009.

Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Fersensporn

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