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Weitsichtigkeit, Hyperopie

Abweichungen von der Normalsichtigkeit werden als Ammetropie bezeichnet

Definition Weitsichtigkeit

Allgemein werden alle Abweichungen von der Normalsicht (Emmetropie) als Ammetropie oder Fehlsichtigkeit bezeichnet. Zu den häufigsten Fehlsichtigkeiten gehören die Myopie (Kurzsichtigkeit), Hyperopie (Weitsichtigkeit, auch Hypermetropie genannt) und der Astigmatismus (Stabsichtigkeit).Die Weitsichtigkeit (Hyperopie) ist eine Sehstörung, bei der der Augapfel zu kurz ist. Grund für eine Hyperopie kann aber auch eine zu geringe Brechkraft von Linse und Hornhaut sein, dadurch entsteht das scharfe Bild im Auge hinter der Netzhaut.

Die Achsenlänge beträgt normalerweise etwa 24 mm. Die Lichtstrahlen vereinigen sich bei dieser Länge als Brennpunkt auf der Netzhaut, am Ort des schärfsten Sehens (Fovea centralis). Bei der Hyperopie ist das Auge von der Hornhaut bis zur Netzhaut im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu kurz oder zu gering. Das bedeutet das weitsichtige Auge ist nicht in der Lage, bei Betrachtung eines Gegenstandes aus der Nähe, das Licht stark genug zu bündeln. Auf der Netzhaut entsteht in der Fovea centralis somit kein scharfes Bild.

Dies kann aber durch eine verstärkte Naheinstellung (Akkomodation) jahrelang ausgeglichen werden.

Der Brennpunkt parallel einfallender Lichtstrahlen liegt bei der Hyperopie hinter der Netzhaut. Durch die ständige Akkomodation versucht  das Auge dieses Problem zu kompensieren, dass heißt die Brechkraft wird angepasst um Gegenstände in der Ferne und in der Nähe scharf auf der Netzhaut abzubilden. Doch mit dem Alter lässt die Fähigkeit der Akkomodation der Linse nach, so dass die Weitsichtigkeit sich mit Fortschreiten des Alters bemerkbar macht.

Etwa jeder fünfte Europäer zwischen 20 und 30 Jahren ist weitsichtig.

Ursachen der Weitsichtigkeit

Die Weitsichtigkeit kann besonders durch folgende Ursachen hervorgerufen werden:

Brechungshyperopie

Bei der Brechungshyperopie liegt eine normale Augenlänge, aber eine zu geringe Brechkraft vor. Als Sonderform ist hier besonders die Linsenlosigkeit zu erwähnen, bei der nur die vordere Hornhautfläche zur Gesamtbrechkraft des Auges beitragen kann.

 

Achsenhyperopie

Hier ist zwar die Brechkraft des Auges normal, aber die Augenlänge ist zu gering. Die Achsenhyperopie ist fast immer angeboren. Eine Achsenverkürzung von einem Millimeter bewirkt hier eine Weitsichtigkeit von etwa 3 Dioptrien.

Eine Achsenhyperopie kommt in der Regel häufiger vor als eine Brechungshyperopie.

Symptome einer Weitsichtigkeit

In der Jugend wird eine geringe oder mittlere Weitsichtigkeit meistens durch eine verstärkte Akkomodation kompensiert, dass heit man kann trotzdem noch scharf sehen und daher wird die Hyperopie erst spät erkannt. Die Linse wird mit zunehmendem Alter weniger elastisch, so dass eine Brille notwendig wird.

Ein schwach Weitsichtiger ist in der Lage in der Ferne scharf zu sehen, hat aber dafür Schwierigkeiten bei Gegenständen in der Nähe. Infolge der ständigen Akkomodation kommt es zu typischen Beschwerden wie Augenschmerzen, Kopfschmerzen, Augenbrennen, verschwommenes Sehen, Bindehautentzündungen und schnelle Ermüdbarkeit. Außerdem können Spannungs- oder Druckgefühle im Bereich der Nasenwurzeln oder der Schläfen auftreten. Die Beschwerden treten dadurch auf, weil der Ziliarmuskel bei Weitsichtigen Personen stärker beansprucht wird und kaum Ruhepausen hat. Der Ziliarmuskel dient normalerweise zur Scharfstellung der Linse beim Umschalten von der Nah- auf die Fernsicht. Diese Symptome treten vor allem beim Lesen, Kochen, vor dem Computer oder bei Heimwerkarbeiten auf.
Weitsichtigkeit ist auch oft die Ursache für das Schielen bei Kindern.

Diagnose einer Hyperopie

Die Weitsichtigkeit (Hyperopie) kann durch die Brechkraftbestimmung (Refraktionsbestimmung) des Auges durch den Augenarzt oder den Optiker diagnostiziert werden. Bei Verdacht auf andere Ursachen sollte aber immer ein Augenarzt aufgesucht werden, da der Optiker dies nicht feststellen kann.

Differentialdiagnose

Zahlreiche Formen von angeborenen Missbildungen des Augapfels können mit einer Hyperopie einhergehen. Die Hyperopie allein stellt keine Erkrankung, sondern eine Variante der normalen Augenentwicklung dar.

Therapie der Weitsichtigkeit

Solange ein beschwerdefreies Sehen in Ferne und Nähe möglich ist, braucht man eine Hyperopie nicht zu behandeln bzw. zu korrigieren.

Treten jedoch Beschwerden auf, so kann man mithilfe von Brillengläsern (Sammellinsen), Kontaktlinsen, einer Laserbehandlung oder durch Operationen die Weitsichtigkeit behandeln.

 

Sammellinsen

Die Weitsichtigkeit wird mit einer Sammellinse, die das Licht stärker bündelt, korrigiert. Linse und Auge sorgen gemeinsam dafür, dass die Lichtstrahlen im Punkt des schärfsten Sehens zusammentreffen, dass heißt der Brennpunkt wird wieder auf die Netzhaut verschoben.

Die Sammellinse ist konvex geformt und besitzt ein positives Vorzeichen vor der Dioptrienzahl.
Wenn man Brillenträger von vorne betrachtet, so kann man meistens erkennen, ob er kurz- oder weitsichtig ist. Bei weitsichtigen Personen erscheinen die Augen durch die Brille relativ groß.

 

Kontaktlinsen

Anstatt einer Brille kann man die Weitsichtigkeit auch mit Kontaktlinsen behandeln. Man unterscheidet zwischen harten und weichen Kontaktlinsen. Voraussetzung für das Tragen der Kontaktlinsen ist ein ausreichender Tränenfilm, denn sonst kann die Hornhaut stark geschädigt werden.

Vorteil der Kontaktlinsen ist, dass sie das Gesichtsfeld nicht einschränken. Ein wichtiger Nachteil der Kontaktlinsen ist das maximale Tragelimit. Das bedeutet man darf Kontaktlinsen in der Regel maximal bis zu 8 Stunden pro Tag tragen. Ein längeres Tragen kann zu Augentränen und Juckreiz führen.

Implantierbare Kunstlinsen (intraokulare Kunstlinsen, IOL)

Dieses Verfahren wird bei sehr starker Weitsichtigkeit durchgeführt. Hier wird vor oder hinter der Regenbogenhaut, zusätzlich zur natürlichen Linse, eine Kunstlinse eingesetzt (implantiert).
Zunächst eröffnet der Chirurg das Auge am Rande der Hornhaut über eine Strecke von circa 5 mm. Dann wird die Kunstlinse in die Vorderkammer eingeschoben und mit zwei flexiblen Häkchen an der Regenbogenhaut oder zwischen Hornhautrückfläche und Regenbogenhaut befestigt.
Mit den Kunstlinsen kann man die Weitsichtigkeit von  5 bis 8 Dioptrien chirurgisch behandeln. Vorteil bei diesem Verfahren ist, dass die natürliche Akkomodationsfähigkeit des Auges erhalten bleibt.
Die Operation wird stationär durchgeführt und dauert ungefähr 20 Minuten.

Intrakorneale Ringsegmente (ICR)

Die Weitsichtigkeit kann auch mit einer Implantation eines intrakornealen Rings korrigiert werden. Dieser Ring besteht aus Plexiglas und zwei Ringsegmenten und wird in die mittlere Schicht der Hornhaut eingebettet. Die Brechungskraft der Hornhaut kann durch die Anspannung des Rings verändert werden.
Vorteil dieses Verfahrens ist vor allem, dass das Zentrum der Hornhaut unbehandelt bleibt und die Operation wieder rückgängig gemacht werden kann, wenn die erwünschte Wirkung nicht erzielt wurde. Außerdem kann man bei Unter- und Überkorrekturen mit einem weiteren Eingriff den Ring austauschen.

Laserchirurgische Eingriffe

Laserchirurgische Eingriffe sind noch relativ neue Methoden in der Behandlung der Weitsichtigkeit. Mit diesem Eingriff wird nicht die Ursache der Fehlsichtigkeit, sondern das Symptom behandelt. Das bedeutet das Fortschreiten der Erkrankung wird nicht verhindert.

Die Operation wird nur bei stabiler Weitsichtigkeit durchgeführt. Mit der Operation kann man aber nicht die Lesebrille ersetzen, die ab dem 40. Lebensjahr durch die nachlassende Verformbarkeit der Augenlinse (Alterssichtigkeit) erforderlich werden kann. Deshalb sollte man vor einem Eingriff diese Idee nochmals überdenken und gegebenenfalls eine zweite Expertenmeinung über die Sinnhaftigkeit der Operation einholen.


Die gängigsten Methoden bei dem Augenlaser-Verfahren sind:

Lasik (laserassistierte In-situ-Keratomileusis)

Mit der Lasik -Methode wird die Brechungskraft des Auges bis etwa 3 dpt (Dioptrien) dauerhaft korrigiert.
Zunächst wird eine Lidsperre eingesetzt, um ein unbeabsichtigtes Schließen des Auges zu verhindern. Das Auge wird dann mit einem Saugring festgehalten. Mit einem automatisch gesteuerten Hobel wird die Hornhaut dünn abgetragen und nach oben geklappt. Das Innere der Hornhaut wird dann mit einem Laser abgeschliffen und anschließend die Hornhautscheibe wieder zugeklappt. Innerhalb von 1-2 Minuten saugt sich die Hornhaut selbst fest und muss nicht angenäht werden.

Lasek (Laser-Epithelial-Keratomileusis-Verfahren)

Das Lasek gehört zu den am häufigsten angewandten Methoden zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten. Bei diesem Verfahren verdampft der Excimer-Laser das Gewebe an der Oberfläche der Hornhaut und nicht im Inneren.

Nach einer Lokalanästhesie wird das Deckhäutchen der Hornhaut mit einem Spezialspatel beiseite geschoben. Die vorher berechnete Gewebemenge wird dann mit dem Excimer-Laser vorsichtig von der Hornhaut abgetragen. Der Vorgang dauert nur wenige Minuten.

Das behandelte Auge wird mit einem Verband geschlossen und der Patient erhält zum Schutz für drei bis vier Tage eine Kontaktlinse.

Das Lasek kann bei Kurzsichtigkeit bis –10 dpt (Dioptrien) und Stabsichtigkeit bis –3 dpt angewandt werden.

Der Eingriff dauert relativ kurz, erfolgt ambulant und ist in der Regel schmerzfrei. Für eine Augenkorrektur mit Lasek muss man mit Kosten zwischen 1000 und 2000 Euro pro Auge rechnen.

 

Femto-Lasik (Intralasik)

Bei diesem Laser-Verfahren kommt neben dem Excimer-Laser der Femtosekundenlaser zum Einsatz, der das Deckhäutchen von der Hornhaut des Auges trennt. Der Excimer-Laser korrigiert dann die Fehlsichtigkeit im Anschluss.

Mit Femto-Lasik kann die Myopie (Kurzsichtigkeit) bis –10 dpt, Hyperopie (Weitsichtigkeit) bis 4 dpt und Astigmatismus (Stabsichtigkeit) bis –3 dpt behandelt werden.
Die Kosten für eine Augenkorrektur mit Intralasik betragen zwischen 1500 Euro und 3000 Euro pro Auge.

Prognose

Eine Weitsichtigkeit (Hyperopie) ist in der Regel gut behandelbar, da sie selten fortschreitet. Außerdem ist sie nicht altersbedingt und kann mit Sehhilfen einfach therapiert werden.

Besonders bei Kleinkindern sollte man eine rechtzeitige Korrektur der Weitsichtigkeit anstreben, da es sonst durch die erforderliche Akkomodation zum Einwärtsschielen kommen kann.

Hinweise für Patienten

Man kann eine Weitsichtigkeit (Hyperopie), egal ob altersbedingt oder erworben, nicht vorbeugen.

Weitsichtige Menschen haben aber ein erhöhtes Risiko einen Glaukom (Grüner Star) zu entwickeln. Deshalb ist es wichtig, dass Sie regelmäßige Kontrollen bem Augenarzt durchführen lassen sollten. Hier wird besonders der Augeninnendruck, der durch das Kammerwasser entsteht, kontrolliert.

Auch sollte man eine Operation nicht immer bevorzugen, da wichtige Risiken und Komplikationen (z.B. Doppelbilder, Narbenbildung, Infektionen der Hornhaut) auftreten können. Denn trotz hoher Genauigkeit übernimmt der behandelnde Arzt keine Gewähr, dass Brille oder Kontaktlinse nach dem Eingriff vollständig überflüssig werden.Das Sehvermögen wird durch die Operation zwar deutlich besser, aber die Sehschärfe mit Sehhilfe kann nach dem Eingriff schlechter werden. Eine völlige Unabhängigkeit von der Fernbrille wird zwar nicht garantiert, aber die Brille ist in jedem Fall wesentlich schwächer als vorher.

Grundsätzlich kann man sagen, je geringer die Fehlsichtigkeit vor der Operation ist, desto höher ist die Chance nach der Operation keine Brille mehr zu benötigen.

Weiterführende Informationen zu Kontaktlinsen erhalten Sie beim Kontaktlinsenguide.

Letzte Aktualisierung am 09.12.2009.

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