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Verletzung, Verletzungen am Auge | Lid | Augenhöhle

Augenverletzungen müssen manchmal operativ behandelt werden

Definition Verletzungen am Auge

Verletzungen des Auges müssen in einigen Fällen operativ behandelt werden, um das Ausmaß der Schädigung möglichst gering zu halten.

Ursachen

Einige Mechanismen können zu einer unter Umständen operationsbedürftigen Augenverletzung führen. Stumpfe Verletzungen entstehen bei Gewalteinwirkung beispielsweise durch Faustschläge, auf das Auge treffende Bälle oder bei verschiedenen Unfällen. Schnitt- oder stichartige Verletzungen kommen bei unter anderem Einwirkung von Messern und Scheren (vor allem bei Kindern), Glasscherben und Brillenglasstückchen sowie umherfliegenden Materialien vor. Fremdkörper können sich noch im oder am Auge befinden, sie finden sich häufig z. B. nach dem Schweißen, Schleifen oder Flexen sowie nach Meißelarbeiten. Besteht eine Wunde durch die Hornhaut oder Lederhaut hindurch in das Innere des Auges, so liegt eine perforierende („hindurchdringende“) Verletzung vor.

Symptome

Oft sind mehrere Augenabschnitte betroffen, es kann aber auch eine isolierte Verletzung einer Struktur des Auges vorliegen. Die Symptomatik variiert stark je nach Schwere und Art der Einwirkung. Manche Fremdkörper werden zunächst gar nicht oder erst nach Tagen durch ein Reibegefühl des Auges bemerkt. Verletzungen, z. B. Lid- oder Hornhautverletzungen, können äußerlich sichtbar sein, Schmerzen verursachen, bluten  und in schweren Fällen die Sehkraft herabsetzen beziehungsweise zur (teils vorübergehenden) Erblindung führen. Durch Gewalteinwirkung kann es zu einer für das Auge schädlichen Augendruckerhöhung kommen.

Bei Beteiligung des Tränenkanals kann es auch langfristig zu vermindertem Tränenabfluss mit „überlaufendem“ Auge kommen. Bei mangelndem Lidschluss kann das Auge durch Austrockung und Infektion geschädigt werden. Durch einen Fremdkörper können ebenfalls Infektionen verursacht werden. Im Extremfall kann der Augapfel vom Sehnerv abgetrennt sein (Avulsio bulbi) und damit das Augenlicht unwiederbringlich verloren sein. Auch kann bei schwerer Gewalteinwirkung die knöcherne Augenhöhle gebrochen sein (Orbitafraktur).

Diagnose

Eine gründliche Anamnese (Befragung des Patienten) ist sehr wichtig, insbesondere um den Unfallhergang und somit mögliche Verletzungsarten zu klären. Lider, Vorderabschnitt des Auges und falls möglich der Augenhintergrund müssen so gut es geht betrachtet werden. Bisweilen muss für eine brauchbare Untersuchung bereits ein örtliches Betäubungsmittel gegeben werden. Die Augenbewegung muss oft ebenfalls beurteilt werden. Der Augendruck wird bestimmt, wenn dies bei der jeweiligen Verletzung möglich ist. Je nach Unfallhergang können bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall und Computertomographie (CT) erforderlich sein, um einen Fremdkörper im Auge auszuschließen.

Differenzialdiagnose

Dass eine Verletzung am Auge vorliegt, ist meist einfach zu erkennen. Es muss allerdings der Schweregrad und die Beteiligung der verschiedenen Strukturen bestimmt werden.

Therapie

Konservative Therapie

In vielen Fällen ist die Verletzung so harmlos, dass eine Behandlung mit Augentropfen oder Salbe ausreichend ist. Bei einer Augapfelprellung können sich cortisonhaltige Tropfen und Arzneimittel empfehlen, bei einer Augendruckerhöhung drucksenkende Wirkstoffe. Praktisch immer werden auch zusätzlich zu einer eventuellen operativen Therapie Tropfen, Salbe, Medikamente oder Infusionen (z. B. antibiotische Wirkstoffe) verordnet. Augensalbe sollte nicht unbedacht in ein noch nicht untersuchtes verletztes Auge gegeben werden, da die Beurteilung dadurch erschwert wird.

Operation

Abhängig von der Schwere der Verletzung kann der Eingriff in Tropfanästhesie (Gabe von örtlich betäubenden Augentropfen), örtlicher Betäubung durch Injektion unter die Bindehaut oder neben oder hinter den Augapfel (Para- oder Retrobulbäranästhesie) oder in Vollnarkose erfolgen.

Lidverletzungen werden so vernäht, dass eine gute Funktion der Lider gewährleistet ist. Bisweilen müssen hierzu Gewebeanteile verlagert werden (durch Verschiebeplastik oder freie Gewebetransplantation). Bei einer Verletzung der Bindehaut kann auf ähnliche Weise operiert werden.

Fremdkörper, die lediglich auf der Augenoberfläche, also der Hornhaut oder der Bindehaut sitzen, können unter Vergrößerung mit einem feinen Instrument herausgeholt werden. Reste auf der Hornhaut (häufig verbleibt ein Rostrest bei metallischen Fremdkörpern) können in aller Regel problemlos mit einem feinen Bohrer oberflächlich herausgefräst werden.  

Bei Fremdkörpern innerhalb des Auges wird zunächst die Hornhaut oder die Lederhaut vernäht. Daraufhin kann der Fremdkörper mit einem kleinen Instrument aus dem Auge herausgeholt werden. Die Entfernung des Glaskörpers (Vitrektomie), der gallertartigen Masse im Augeninneren, kann manchmal angezeigt sein.

Bei Durchtrennung oder Berstung des Augapfels (Hornhaut, Lederhaut) oder der das Auge bewegenden Muskeln werden diese Strukturen mit dünnen Fäden wieder zusammengenäht. Bisweilen ist hier ebenfalls ein Glaskörpereingriff notwendig.

Bei Linsenverlagerung und -eintrübung (traumatische Katarakt) muss die Linse herausgeholt werden. Sie kann bisweilen im selben, meist aber in einem weiteren Eingriff durch eine Kunstlinse ersetzt werden, um die Brechkraft des Auges wieder zu normalisieren.

Bei Netzhautverletzungen müssen oft spezielle Eingriffe, z. B. auch hier über eine Glaskörperoperation, erfolgen, um die Sehkraft möglichst gut zu erhalten.

Bestehen weitere Verletzungen um das Auge herum, beispielsweise Knochenbrüche der Augenhöhle (Orbita), so müssen diese meist zusammen mit weiteren Ärzten aus anderen medizinischen Fachgebieten, z. B. der HNO (Hals-Nasen-Ohrenheilkunde), operativ behandelt werden.

Mögliche Erweiterungen der Operation

Zeigen sich während der Operation Schädigungen, die in diesem Ausmaß oder der Art nicht erwartet wurden, so kann es erforderlich sein, den Eingriff zu erweitern. Auch Komplikationen können eine Abänderung der Maßnahmen erforderlich machen.

Komplikationen

Der Eingriff wird durchgeführt, um Sehkraft und weitere Funktionen besser zu erhalten, als dies mit einer nichtoperativen Therapie möglich wäre. Dennoch kann auch durch die Operation selbst eine Verschlechterung verursacht werden. Durch die Maßnahmen können sich weitere Verletzungen an den Strukturen ergeben. Es kann zu Blutungen und Nachblutungen kommen. Infektione, Wundheilungsstörungen und Narbenbildung können sich ergeben. Sehr selten kommt es über die Beeinträchtigung durch die vorangegangene Gewalteinwirkung hinaus zu einem Sehkraftverlust bis hin zur Erblindung des Auges. Allergische Reaktionen können nicht ausgeschlossen werden. Bei Spezialeingriffen kann es weitere Risiken geben.

Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.

Prognose

Die Prognose der Augenverletzung ist in hohem Maße abhängig von der Schwere der Schädigungen und von frühzeitigen Behandlungsmaßnahmen. In vielen Fällen kann die Sehkraft vollständig oder zumindest teilweise erhalten werden. Meist ist nur bei sehr schwerwiegenden Verletzungen mit einer Blindheit oder hochgradigen Seheinschränkung trotz Operation zu rechnen. Nach der operativen Erstversorgung können manchmal weitere Eingriffe notwendig sein, um einen dem Ausmaß der Schäden entsprechenden optimalen Zustand zu erreichen.

Hinweise

Vor der Operation

Ist die Operation planbar, so müssen oftmals Arzneimittel, die die Blutgerinnung negativ beeinflussen, in Absprache mit dem Arzt abgesetzt werden. Dies kann unter anderem Aspirin® und Marcumar® betreffen.

Nach der Operation

Erfolgt die Operation ambulant, so muss sich der Patient abholen lassen, da er für 24 Stunden kein Auto mehr fahren darf, außerdem dürfen keine Maschinen bedient werden und keine bedeutsamen Entscheidungen getroffen werden.

In den Tagen nach der Operation sollte keine zu starke körperliche Tätigkeit ausgeübt werden. Der Verband sollte nur vom medizinischen Fachpersonal gewechselt werden. Eventuelle Fäden am Lid können in der Regel nach einigen Tagen vom Arzt gezogen werden.

Augentropfen, Augensalbe und weitere Medikamente sollten nach Anordnung regelmäßig angewendet beziehungsweise eingenommen werden.

Sollten sich Auffälligkeiten ergeben, die auf Komplikationen hindeuten könnten, so sollte rasch der Arzt verständigt werden.

Verletzung, Verletzung am Auge | Augenverletzungen

Letzte Aktualisierung am 09.12.2009.

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