Youtube
Folgen Sie uns auf  

Operationen an den Tränenwegen - Der Eingriff

Lesezeit: 3 Min.

Wie wird eine Operation an den Tränenwegen durchgeführt?

Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt, mit einer örtlichen Betäubung wäre meist keine wirkungsvolle Schmerzausschaltung möglich. Die Tränenwegs-OP hat allgemein zum Ziel, den Abflussweg des Tränenwassers wieder durchgängig zu machen und auch einen dauerhaften Abfluss zu ermöglichen. Dazu gibt es mehrere Methoden, die abhängig vom Befund beziehungsweise den Untersuchungsergebnissen eingesetzt werden.

Bei Kindern reicht es meist aus, den Tränenweg unter Narkose zu spülen und einen dünnen Schlauch in die Tränenwege zu legen (Tränenwegs-Intubation). Dieser Schlauch ist flexibel und hält den Tränenkanal von innen offen.

Bei vielen Patienten kann eine endoskopische Tränenwegsoperation geschehen. Dazu wird bei der OP ein kleines optisches Instrument in den Tränenkanal eingeschoben, so dass über dieses so genannte Endoskop ein Einblick in die Tränenwege möglich ist. Im Wesentlichen gibt es zwei Möglichkeiten des weiteren Vorgehens bei der endoskopischen Operation. Entweder kann der Tränenweg aufgebohrt werden (Mikrodrillplastik, MDP) oder mit einem Laser eröffnet werden (Laserdakryoplastik, LDP). Bei manchen Befunden können aber auch weitere Methoden erforderlich sein. Am Ende der endoskopischen Operation wird gleichermaßen ein Silikonschlauch eingeführt, um die Tränenwege offen zu halten.

Eine akute Tränensackentzündung (Dakryozystitis) benötigt erst einmal eine Therapie mit Antibiotika, in einigen Fällen wird der Tränensack gleich von außen aufgeschnitten, um den Eiter abgehen zu lassen. Eine abgeklungene oder chronische Tränensackentzündung wird mit der Methode der so genannten Toti-Operation behandelt. Der Tränensack wird von außen eröffnet, dann wird eine Öffnung in dem Knochen zwischen Tränensack und Nasenhöhle angelegt. Die Schleimhaut aus der Nasenhöhle wird mit der Schleimhaut aus dem Tränensack vernäht. Auch bei der Toti-Operation wird ein Tränenwegsschlauch eingelegt.

Eine endonasale Operation ist eine weitere Methode der Tränenwegschirurgie. Ein Teil der knöchernen Begrenzung zwischen der Nasenhöhle und dem Tränensack wird dabei ebenfalls entfernt. Der Tränensack ist dann zur Nasenhöhle hin offen. Ebenfalls wird ein Schlauch eingelegt. Manchmal erfolgen weitere Maßnahmen innerhalb der Nase wie z. B. eine Entfernung eines Teils der Nasenmuschel oder eine Begradigung der Nasenscheidewand bei einer Verkrümmung.

Verletzungen der Tränenwege müssen notfallmäßig versorgt werden. Tränenwegsverletzungen haben unbehandelt oft zur Folge, dass die Anteile der Tränenkanäle nicht in der richtigen Position zueinander verwachsen. Der Tränenkanal ist dann nicht mehr durchgängig. Das kann verhindert werden, indem ein Silikonschlauch in Ringform eingeführt wird (Ringintubation) und das Gewebe möglichst genau wieder richtig zusammengenäht wird.

In Einzelfällen werden weitere spezielle Methoden angewendet. Unter anderem kann eine Aufdehnung eines Tränenwegs mittels eines Ballons geschehen (Ballondilatation). Sollten die Tränenwege so nicht mehr zu erhalten sein und nicht offen gehalten werden können, dann können Plastikröhrchen wie z. B. Metaireaux-Tube oder Jones-Tube eingesetzt werden.

Bisweilen entscheidet sich erst während der Operation, welches Vorgehen gewählt wird oder ob das ursprünglich geplante Vorgehen noch geändert wird.

Der kleine Silikonschlauch, der am Ende fast jeder Tränenwegsoperation eingeführt wird, wird über einen längeren Zeitraum belassen (meist drei oder sechs Monate). Er dient dazu, zu verhindern, dass der Tränenweg wieder in sich zusammenfällt oder verklebt. Die Tränenwege werden von innen offen gehalten. Nach diesen Monaten zieht der Augenarzt beziehungsweise der Operateur den Schlauch wieder heraus. Sollte sich der Schlauch vorher lockern, sollte sich der Patient beim Augenarzt vorstellen. Dies ist aber im Allgemeinen nichts Dramatisches. Dennoch sollte der Patient vorsichtig sein am Augen-Nasen-Winkel. Er sollte die Nase nicht schnäuzen, denn der Druck könnte ebenfalls dazu führen, dass der Schlauch herausbefördert wird. Stattdessen sollte die Nase abgetupft werden, der Patient kann das Sekret auch „hochziehen".

Einige Patienten bekommen eine Nasentamponade, also ein flüssigkeitsaufnehmender Stopfen aus Tupfer- oder Kompressenmaterial. Nasenbluten wird damit aufgehalten. Nach einigen Tagen kann der Arzt die Tamponade entfernen.

Nach einer Operation an den Tränenwegen sollten sich Patienten auch nicht zu großer Wärme (z. B. heiße Bäder, Sonne) aussetzen. Sie sollten den Arzt um Erlaubnis fragen, bevor eine Flugreise angetreten wird.

V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 08.02.2016
War dieser Artikel hilfreich?

Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Eingriff

?
trockenes Auge   Offene Frage
fragt petros   vor ~ 1 Jahr  121

mein Augenarzt hat mir in meinen Tränenkanal Stöpsel eingesetzt, um die Tränenflüssigkeit zu erhöhen.
jetzt möchte ich dauerhaft durch eine ... mehr

?
fragt Auge2016   vor ~ 1 Jahr  198

Während einer Rhinoplastik vor 1 Woche wurde der Tränenweg perforiert. Bei der Spülung des Trennenkanals trat das eingeflossene Wasser aus der ... mehr

Alle Beiträge anzeigen: Augenheilkunde » Eingriff

Stellen Sie Ihre Frage

Haben Sie bereits ein Benutzerkonto? Anmelden (Login)
Bitte wählen Sie ein passendes Forum aus.
Bitte geben Sie einen Titel für Ihre Frage oder Anmerkung ein.


Ja, ich möchte Antworten per E-Mail erhalten

Ich stimme den Nutzungsbedingungen und den Datenschutzbestimmungen zu.

Arztsuche