Anzeige

Kurzsichtigkeit, Myopie

Bei kurzsichtigen Patienten beobachtet man häufig ein Blinzeln

Definition Kurzsichtigkeit

Der Begriff „Myops“ kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet „Blinzelgesicht“. Bei kurzsichtigen Patienten beobachtete man häufig ein Blinzeln, daher leitet sich auch der Begriff Myopie ab.

Bei der Myopie handelt es sich um eine Sehstörung, die durch unscharfes Sehen in der Ferne charakterisiert ist. Die Ursache für eine Myopie ist oft ein zu langer Augapfel, der meist vererbt wurde oder aufgrund einer Frühgeburt entsteht. Dabei wird das Bild vor der Netzhaut abgebildet. Experten sprechen hier von einer Achsenmyopie.

Demgegenüber steht die Brechungsmyopie, die durch eine zu hohe Brechkraft von Hornhaut oder Linse gekennzeichnet ist, aber viel seltener in der Bevölkerung vorkommt.

Bei der Kurzsichtigkeit ist das Auge von der Hornhaut bis zur Netzhaut (Augenachsenlänge), im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu lang. Daher liegt der Brennpunkt parallel einfallender Lichtstrahlen vor der Netzhaut. Es werden nur die Strahlen von nahegelegenen Objekten auf der Netzhaut vereinigt.
Bei Normalsichtigen Menschen liegt der Fernpunkt des Auges im Unendlichen, dagegen liegt sie bei kurzsichtigen Personen nahe am Auge. So haben wir zum Beispiel bei einer Myopie von –2 Dioptrien ein Abstand des Fernpunktes von 50 cm und bei einer Myopie von –10 Dioptrien ein Abstand von 10 cm.
Gegenstände in der Ferne werden bei einem Kurzsichtigen nur noch unscharf auf der Netzhaut abgebildet und es entstehen sogennante Zerstreuungskreise. Die Zerstreuungsphänomene können durch starkes Zusammenkneifen der Lider und durch das Blinzeln verringert werden, dadurch wird auch die Bildschärfe verbessert.

Nach Schätzungen des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA), seien über 30 Prozent der Deutschen Bevölkerung so kurzsichtig, dass sie eine Korrektur für die Fernsicht benötigten.

Ursachen einer Myopie

Die Fernsicht des Auges kann durch Veränderungen an Hornhaut und Linse, sowie Längenänderungen des Augapfels behindert werden. Es besteht also ein Missverhältnis zwischen der Länge des Augapfels und der Brechkraft seiner Optik, die sich aber korrigieren lässt.

Man unterscheidet prinzipiell zwischen 2 verschiedenen Formen der Myopie, deren Ursachen auch unterschiedlich sind. Es gibt einmal die Brechungsmyopie und zum anderen die Achsenmyopie.

Achsenmyopie

Bei der Achsenmyopie besteht eine normale Brechkraft, aber eine lange Augenachse. Sie wird meistens rezessiv vererbt und ist oft angeboren. Bei Frühgeburten kommt sie häufiger als bei Normalgeburten vor. Die Achsenmyopie entwickelt sich relativ langsam. Mit der Zeit kommt es zu einer übermäßigen und allmählichen Verlängerung des Auges.


Die Achsenmyopien werden weiterhin unterteilt in:

Schulmyopie (Myopia simplex)

Kurz vor der Pubertät beginnt sich der Augapfel zu strecken und die Kurzsichtigkeit wird kontinuierlich verstärkt, bis das Körperwachstum beendet ist (mit etwa 20 Jahren). Die Brechkraft weicht hier etwa um die sechs Dioptrien ab.

Gutartige progressive Myopie

Die Brechkraft stabilisiert sich hier erst mit 30 Jahren und kann bis zu zwölf Dioptrien höhere Werte aufweisen.

Bösartige progressive Myopie

Der Augapfel kann sich auch noch im fortgeschrittenen Alter ausdehnen. Weil der Glaskörper nicht mehr weiter wachsen kann, zerrt er zunehmend an der Netzhaut. Das Risiko einer Netzhautablösung ist hier sehr groß.

Brechungsmyopie

Hier liegt zwar eine normale Augenlänge vor, aber eine zu starke Brechkraft. Die Brechungsmyopie wird hervorgerufen durch eine vermehrte Hornhautkrümmung oder durch eine Erhöhung der Brechzahl der Linse, bei einer Linsenkerntrübung (Katarakt).
 

Zu den Brechungsmyopien gehören:

Kernstar (Cataracta nuclearis)

Die Brechkraft der Linse wird im frühen Stadium der altersbedingten Linsentrübung verstärkt.

Hornhautkegel (Keratokonus)

Hier liegt eine kegelartige Verformung der Hornhaut (Cornea) vor. Diese Verformung ist wahrscheinlich erblich bedingt.

Sphärophakie

Seltene Erkrankungen wie das Marfan-Syndrom können zu einer kugelförmigen Wölbung der Linse führen, welches als Sphärophakie bezeichnet wird.

Symptome einer Kurzsichtigkeit

Kurzsichtige Menschen sehen in Armreichweite ausgesprochen gut und scharf, dagegen ist das Sehen in der Ferne schwieriger und eher verschwommen.

Wird eine bestimmte Distanz vom Objekt überschritten, so landen die Bilder kurz vor der Netzhaut und nicht mehr auf der lichtempfindlichen Schicht. Das Bild selbst ist nun auf der Netzhaut unscharf. Im Nahbereich ist das Auge noch in der Lage das Bild scharf zu stellen, aber ab einer bestimmten Grenze lässt sich dies nicht mehr ausreichend korrigieren.

Das erste Symptom bei einer beginnenden Myopie ist vor allem das schlechte Sehen in der Ferne bei Nacht, z.B. Nachts bei Autofahren.

Bei einer Achsenmyopie liegt ein übermäßiger Wachstum des Auges in seiner Länge vor, doch der Glaskörper kann leider nicht mitwachsen. So kann es passieren das sich der Glaskörper verflüssigt und von der Netzhaut ablöst. Diese störenden aber harmlosen Glaskörperveränderungen werden vom Betroffenen meistens als „fliegende Mücken“ wahrgenommen.

Bei einer stark ausgeprägten Myopie kann es zu Verdünnungen und Veränderungen an der Netzhaut und im Bereich der Makula kommen. Solche Patienten haben eine deutlich herabgesetze Sehschärfe, die sich kaum korrigieren lässt.

Diagnose Kurzsichtigkeit

Anhand der Brechkraftbestimmung des Auges beim Augenarzt und den typischen Beschwerden beim Sehen in der Ferne, kann die Diagnose der Myopie durch den Augenarzt einfach gestellt werden.

Differentialdiagnose

Sehstörungen treten immer auf wenn folgende Strukturen beeinträchtigt sind: 

  1. Brechende Medien - Abbildungsstörung auf der Netzhaut
  2. Netzhaut
  3. Sehbahn und Sehrinde

Dabei können ein oder mehrere Strukturen gleichzeitig betroffen sein. Das Unscharfe Sehen wird durch Brechungsfehler am Auge, Transparenzstörungen (Dursichtigkeit), Störungen der brechenden Medien, wie z.B. Hornhauterkrankungen, Erkrankungen der Augenlinse,

Glaskörpererkrankugen und Netzhauterkrankungen verursacht. Gesichtsfeldstörungen können dagegen Hinweis auf Grünen Star, Netzhauterkrankungen oder Schädigungen von Sehbahn und Sehrinde sein.

 

Therapie der Kurzsichtigkeit

Die Kurzsichtigkeit (Myopie) kann mit passenden Sehhilfen therapiert werden. Man unterscheidet zwischen zwei Arten von Sehhilfen, die das scharfe Bild wieder auf den gelben Fleck (=Ort des schärfsten Sehens) der Netzhaut verlegen. Diese Sehhilfen sind Brillengläser und Kontaktlinsen. Mit einem Sehschärfetest kann der Arzt ermitteln welche Korrektur für den Patienten erforderlich ist.
Der Sehschärfetest wird mit einem computergestützen System durchgeführt und sieht wie ein Mikroskop aus, der bei einem Blick in das Gerät die Abweichung der Brechkraft beider Augen ermittelt und gleichzeitig die erforderliche Korrektur der Hornhautwölbung (Zylinder) bestimmt.

Neben den objektiven Messergebnissen ist auch die subjektive Feinabstimmung sehr wichtig. Für die subjektive Feinabstimmung blickt der Patient durch austauschbare Linsensysteme (Phoropter) auf eine fünf Meter entfernte Sehtafel und bestimmt, bei welcher Korrekturstärke er scharfe Bilder sieht.
Kurzsichtige Menschen besitzen ein negatives Vorzeichen vor der Korrekturstärke. Die künstliche Linse hat die Funktion die Brechkraft des Auges, wieder auf das Normalmaß von rund 63 Dioptrien zu senken.

Dazu stehen folgende Sehhilfen zur Verfügung:

Brillengläser mit Streuungslinsen

Durch konkave Brillengläser wird das Licht vor dem Auge gestreut und damit der Brechungsfehler ausgeglichen.

Einseitig konkave Kontaktlinsen

Die Kontaktlinse liegt im Gegensatz zum Brillenglas direkt auf der Hornhaut auf und flacht die Hornhaut ab. Wenn sie richtig angepasst ist, verlagert sie den Brennpunkt wieder in die Netzhaut. Zur Auswahl stehen weiche und harte Kontaktlinsen, wobei die harten oft angewandt werden.

Vorteil der Kontaktlinsen ist die exaktere optische Abbildung mit nur geringer Bildverkleinerung und ohne eine Gesichtsfeldeinschränkung durch die Brille.

Der wichtigste Nachteil der Kontaktlinsen ist die Beeinträchtigung des Hornhautstoffwechsels, die durch das ständige Tragen der Kontaktlinsen verursacht werden können. So können irreversible Schäden an der Hornhaut entstehen, daher sind Tragepausen (z.B. Nachts) und regelmäßige Hornhautkontrollen beim Augenarzt unerlässlich. Zudem müssen die Kontaktlinsen gut gereinigt werden, da verunreinigte Linsen eine Infektionsquelle darstellen.


Weitere Therapieformen sind:

Orthokeratologie

Bei diesem Verfahren werden Nachts spezielle formstabile und hoch sauerstoffdurchlässige Linsen getragen, die die Hornhautform vorübergehend abflachen und tagsüber so die Kurzsichtigkeit ausgleichen. Besonders Personen, die tagsüber einer hohen Staubentwicklung ausgesetzt sind (z.B. Bauarbeiter), können diese Methode als Alternative zur üblichen Kontaktlinsen-Korrektion verwenden.
Dieses Verfahren kann allerdings nur bei Kurzsichtigen bis circa 4,5 Dioptrien eingesetzt werden und muss streng durch den Augenarzt kontrolliert werden.

Operative Verfahren

Die Kurzsichtigkeit wird heute zunhemend mit dem Laser (Laseroperationen, Lasik) oder anderen Operationstechniken behandelt und als kosmetischer Eingriff betrachtet. Eine medizinische Indikation zu einem operativen Eingriff besteht eher selten. Jeder Eingriff, so auch am Auge, kann zu schwersten Kompliaktionen führen, z.B. Verlust der Sehschärfe oder sogar des Auges.
 

Folgende Eingriffe werden durchgeführt:

LASIK (Laser in-situ Keratomileusis)

Bei Lasik handelt es sich um eine refräkteren chirurgischen Eingriff, die den Brechungsfehler korrigiert. Der Chirurg flacht die Hornhaut mit einem Laser ab. Zunächst berechnet der Chirurg die notwendige Korrektur und schält dann mit einem computergesteuerten Hobel die obere Hälfte der 0,5 mm dicken Hornhaut vorsichtig ab. Diese Lamelle wird dann zur Seite geklappt und das Innere der Hornhaut mit einem Excimer-Laser, entsprechend der Fehlsichtigkeit um maximal 20 Prozent abgeschliffen. Anschließend wird die Lamelle wieder aufgelegt, sie saugt sich fest und heilt innerhalb weniger Tage ab. 

Laut Angaben der BVA kann dieses Verfahren für Sehfehlerkorrekturen bis minus sechs Dioptrien als sicher und zuverlässig eingestuft werden. Da aber die Operation nicht immer so präzise durchgeführt werden kann, besteht auch keine Garantie für eine Unabhängigkeit von der Brille nach der OP. Manchmal ist ein zweiter Eingriff erforderlich, um das gewünschte Ergebniss zu erreichen.

Im schlimmsten Fall können Narben entstehen, die eine Hornhauttransplantation erforderlich machen können. Außerdem kann es passieren, dass nach einer LASIK Kontaktlinsen nur schwer angepasst werden können. Dieses Verfahren eignet sich auch nicht bei instabilen bzw. sich stetig verschlechternden Brechungsfehlern (z.B. maligne Myopie).

Femto-Lasik (Intralasik)

Die Femto-Lasik wird insbesondere bei Menschen mit dünner Hornhaut angewandt. Bei diesem Verfahren kommt neben dem Excimer-Laser auch der Femtosekundenlaser zum Einsatz. Mit diesem Laser erfolgt die Trennung des Deckhäutchens von der Hornhaut des Auges, die in der Regel schmerzfrei ist.
Das Femto-Lasik Verfahren kann eine Myopie bis –10 Dioptrien, eine Hyperopie (Weitsichtigkeit) bis +4 Dioptrien und Astigmatismus (Stabsichtigkeit) bis –3 Dioptrien erfolgreich behandeln.

Veränderung der Hornhautbrechkraft

Dies kann erreicht werden durch radiäre Einschnitte, durch Gewebeabtragungen mit dem Laser oder mit einem Kunststoffring, der in die Hornhaut eingesetzt wird.

Veränderung der Linsenbrechkraft

Eine Veränderung der Linsenbrechkraft kann erreicht werden durch das Einsetzen einer künstlichen Linse vor die natürliche Linse (mit entsprechender Korrektur) oder durch die Entfernung der Linse, wie bei der Katarakt-Operation.

Prognose

In der Regel besteht eine gute Prognose für die Kurzsichtigkeit.
Ab dem 30. Lebensjahr schreitet die Erkrankung sogar nicht mehr, oder sehr langsam fort. Besteht aber eine sehr starke Kurzsichtigkeit, so kann es auch in späteren Lebensjahren zu einem schnellen und kontinuierlichem Fortschreiten kommen. Sind neben der starken Kurzsichtigkeit auch Veränderungen an der Makula zu beobachten, dann vermindert sich die Sehschärfe sogar fortschreitend.
Generell besitzen Kurzsichtige Menschen auch ein höheres Risiko für eine Netzhautablösung, die aber, wenn sie frühzeitig entdeckt und operiert wird, eine gute Prognose aufweist.  

Hinweise für Patienten

Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt sind immer zu empfehlen, um frühzeitig bestehende Erkrankungen zu erkennen und zu behandeln.

Kurzsichtige Menschen haben ein höheres Risiko einer Netzhautablösung und das Tragen von Kontaktlinsen kann zu Hornhautschäden führen. Daher sollten die ersten Symptome einer Myopie bekannt sein, diese sind das unscharfe Sehen in der Ferne, vor allem Nachts.
Bestehen bei Ihnen Gesichtsfeldeinschränkungen, z.B. im Sinne einer aufsteigenden Mauer oder eines Vorhangs, so sollte dies als äußerstes Alarmzeichem gewertet werden. Denn je früher die Erkrankung erkannt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit dass in diesen Stadien noch eine Behandlung mit dem Laser ausreichend ist.

Deshalb achten Sie immer auf erste Anzeichen wie z.B. Blitzen oder „Rußregen“ im Auge.
Zum Schluß ist hier noch zu erwähnen, dass der Laser nicht immer Mittel der Wahl ist. Möchten Sie sich die Augen lasern lassen, so sollten sie diesen Schritt reichlich überdenken. Die Komplikationen sind zum Teil sehr schwerwiegend und bisher korrigieren Brille und Kontaktlinse die Kurzsichtigkeit immer noch am exaktesten.

Letzte Aktualisierung am 09.12.2009.

Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Kurzsichtigkeit, Myopie

Letzter Eintrag
Aufrufe
Antworten
schecha
318
0
5 Monate
bella1
413
0
7 Monate

Alle Beiträge anzeigen: Augenheilkunde » Kurzsichtigkeit, Myopie

Stellen Sie Ihre Frage

 Thema abonnieren (Sie erhalten Antworten per E-Mail)

 

   

 Ich stimme den Nutzungsbedingungen und Datenschutzbestimmungen zu.

 

Spam-Schutz: Bitte geben Sie folgende Zahl ein: 4 

 



Empfehlungen: Kurzsichtigkeit

Erkrankungen am Auge

Forum Kurzsichtigkeit, Myopie
Von A-Z
Arztsuche
Ärzte für Kurzsichtigkeit, Myopie
Medikamente
Kostenlos vergleichen
Anzeige