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Gerstenkorn (Hordeolum)

Lesezeit: 5 Min.

Betroffene können selbst viel gegen ein Gerstenkorn tun

Bei einem Gerstenkorn, welches in der Fachsprache als Hordeolum bezeichnet wird, handelt es sich um eine Augenlid-Entzündung. Ursache ist eine bakterielle Infektion, welche die charakteristische Schwellung und Rötung im Lidbereich verursacht. Dabei kann ein Gerstenkorn in vielen Bereichen des Lids wie zum Beispiel an der Lidkante auftreten. Auch im Bereich der Lidinnenseite oder Wimpern sind Gerstenkörner möglich.

Entzündet sind dann die Schweiß- oder Talgdrüsen im jeweiligen Bereich. Sind mehrere Drüsen gleichzeitig von der Entzündung betroffen, dann wird dies als Hordeolosis bezeichnet. Die Betroffenen haben dann gleich mit mehreren Gerstenkörnern zu kämpfen.

Ursachen für ein Gerstenkorn

Wie bereits angesprochen, führen bakterielle Ursachen zu einem Gerstenkorn. Besonders häufig ist ein Bakterium namens Staphylococcus aureus für dieses Krankheitsbild verantwortlich. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass dieser Erreger besonders weit verbreitet und bei den verschiedensten Körperarealen anzutreffen ist. Hier ist das Bakterium unter anderem zu finden:

  • Haaransatz
  • Achselhöhlen
  • Nasenvorhof

Wesentlich seltener können auch andere Bakterienarten wie Streptokokken ein Gerstenkorn hervorrufen. Abhängig davon, welche Drüsen die Bakterien befallen, ist von einem inneren oder äußeren Gerstenkorn die Rede. Die sogenannten Zeis- und Moll-Drüsen sind zum Beispiel an der Lidaußenseite in der Nähe der Wimpern anzutreffen. Sind sie entzündet, dann entsteht ein äußeres Gerstenkorn. Die Meibom-Drüsen sind auf der Lidinnenseite zu finden, sodass sich bei einer Entzündung dieser Drüsen ein inneres Gerstenkorn bildet.

Im Übrigen können bestimmte andere Krankheiten die Entstehung eines Gerstenkorns begünstigen. Stress kann zu der Bildung eines Gerstenkorns beitragen. Oft ist ein Gerstenkorn auch in Zusammenhang mit den nachfolgenden Krankheitsbildern zu beobachten:

Patienten, deren Immunsystem ohnehin geschwächt ist, sind anfälliger für ein Gerstenkorn. Eine mangelnde Hygiene ist gerade bei Kindern häufig der Grund für die Bildung eines Gerstenkorns. Die Auswirkungen von hohen Belastungen psychischer Natur sind durchaus nicht zu unterschätzen.

Für Kontaktlinsenträger besteht ein höheres Risiko. Immerhin können beim Einsetzen der Kontaktlinsen Bakterien unmittelbar in das Auge geraten. Somit wird eine Infektion leichter ausgelöst. Ein hygienischer Umgang mit den eigenen Kontaktlinsen ist ein Muss, um dieses Risiko zu reduzieren.

Dies gilt auch bei der Verwendung von dekorativer Kosmetik im Bereich der Augen. Beim Wimperntuschen kann das verursachende Bakterium zum Beispiel gut an den Rand des Lids geraten. Spätestens im Abstand von drei bis sechs Monaten sollte Wimperntusche daher ausgetauscht werden.

Symptome

Das Gerstenkorn zeigt sich als eine

  • gerötete
  • verdickte
  • schmerzende

Stelle am Augenlid.

Die Entzündung geht mit einer Eiterbildung im Lidbereich einher, welche die Patienten neben der Rötung und Verdickung der jeweiligen Talgdrüse als schmerzhaft empfinden. Meist hält dieses unangenehme Gefühl gut eine Woche an und es ist eine zentrale Eiterstelle zu erkennen. Nach Ablauf dieser Zeit platzt der Gerstenkorn-Pickel auf, sodass sich der Eiter entleeren kann. Dies sorgt bei den Betroffenen für eine Schmerzlinderung.

Ein inneres Gerstenkorn geht häufig mit weiteren Beschwerden einher. Es ist für die Betroffenen noch unangenehmer als ein äußeres Gerstenkorn. Da das innere Gerstenkorn das Auge durch die Reibung viel stärker reizt, kann eine Bindehautentzündung zum Beispiel als unangenehme Begleitsymptomatik auftreten.

Wie wird ein Gerstenkorn diagnostiziert?

Ein äußeres Gerstenkorn, welches am Lidrand anzutreffen ist, lässt sich durch den Blick eines fachkundigen Arztes leicht diagnostizieren. Selbst wenn der Arzt einmal genau hingeschaut hat, weiß er, dass es sich um ein Gerstenkorn handelt. Bei einem inneren Gerstenkorn, dem sogenannten Hordeolum internum, muss das Lid erst nach außen geklappt werden. Nur dann kann der Augenarzt einen Blick auf die Innenseite des Lids und auf die Bindehaut werfen.

Differenzialdiagnose

Mitunter wird das Gerstenkorn mit einem Hagelkorn verwechselt. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen diesen beiden Krankheitsbildern. Ein Hagelkorn (Chalazion) geht mit keinem Druckschmerz einher, während dies bei einem Gerstenkorn der Fall ist. Selten können Bakterien jedoch auch an einem Hagelkorn eine Entzündung verursachen, die sich durch ähnliche Symptome wie ein Gerstenkorn bemerkbar macht. Um die vorliegende Erkrankung korrekt behandeln zu können, muss der zuständige Arzt darüber hinaus ausschließen, dass es sich um gar kein Gerstenkorn, sondern um eine entzündete Tränendrüse handelt.

Behandlung und Therapie eines Gerstenkorns

Normalerweise heilt ein Gerstenkorn nach ausreichend Zeit von alleine. Allerdings gibt es verschiedene Dinge, welche die Betroffenen tun können, um die Heilung voranzutreiben. Neben der Einhaltung strenger Hygienevorgaben können Augensalben oder –tropfen verwendet werden, die antibiotikahaltig sind. Handelt es sich um ein schwerwiegendes Gerstenkorn, dann kann das Antibiotikum in Tablettenform verabreicht werden.

Auch die Rotlichttherapie ist denkbar. Sie soll den Stoffwechsel und die Durchblutung im Bereich des Auges anregen. Diese Therapie trägt oft dazu bei, dass sich das Gerstenkorn schneller öffnet, damit der Eiter abfließen kann. Somit kommt es zu einer Verkürzung der Gesamtkrankheitsdauer. Eine Rotlichtlampe ist nur mit geschlossenen Augen sowie bei einem Mindestabstand von 30 Zentimetern zu verwenden.

Ebenso können warme, trockene Kompressen auf das Auge gelegt werden. Feuchte Kompressen sind nicht erlaubt, da sie einen zusätzlichen Nährboden für die Gerstenkorn-Erreger darstellen würden.

Nur wenn das Lid massiv geschwollen ist und es zu großen Spannungsschmerzen kommt, ist die operative Therapie erforderlich. Ein kleiner Schnitt öffnet das Gerstenkorn, damit der Eiter abfließen kann.

Vorbeugung – inwiefern ist ein Gerstenkorn ansteckend?

Da ein Gerstenkorn meist auf eine Bakterieninfektion zurückgeht, bedeutet das, dass diese Erkrankung prinzipiell ansteckend ist. Jedoch ist die Gefahr als niedrig einzuschätzen, während das Ansteckungsrisiko bei einer Bindehautentzündung beispielsweise viel höher ausfällt.

Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, dass sich Kinder zum Beispiel im Sandkasten anstecken und das Gerstenkorn-Bakterium dort aufnehmen können. Um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren, sollten die Betroffenen den Hände-Augen-Kontakt einstellen. Wenngleich das Gerstenkorn brennen und jucken mag, sollte es nicht angefasst werden. Das fällt gerade Kindern häufig schwer.

Folgende vorbeugende Maßnahmen sind ebenfalls sinnvoll:

  • Hände häufig möglichst sorgfältig waschen
  • Waschlappen/Handtücher der Betroffenen streng trennen
  • Tropfen/Augensalben sollten nur von einem Betroffenen genutzt und nicht geteilt werden
  • auf dekorative Kosmetik im Bereich der Augen verzichten (Kajal, Wimperntusche, Lidschatten)
  • keine Kontaktlinsen tragen, während die Betroffenen an einem Gerstenkorn leiden

Prognose

Die Prognose ist bei einem Gerstenkorn gut. Nachdem der Eiter vollständig abgeflossen ist, hören die Beschwerden recht schnell auf. Das Lid schrumpft dann wieder auf seine normale Größe. Normalerweise ist davon auszugehen, dass das Gerstenkorn vollständig ausheilt. Allerdings ist eine chronische Entzündung nicht ausgeschlossen. Dann kommt es zu der Bildung eines Hagelkorns, welches fest, schmerzlos und nicht verschiebbar ist. Dieses Korn muss wiederum operativ entfernt werden.

Patienten, bei denen ein Gerstenkorn mit einer gewissen Regelmäßigkeit auftritt, sollten überprüfen lassen, ob bei ihnen eine Grundkrankheit vorliegt, die ein Gerstenkorn begünstigt. Damit kann zum Beispiel eine Zuckerkrankheit (Diabetes) gemeint sein. Damit es zu keiner Bindehautentzündung kommt, sollten sich die Betroffenen bei einem ungünstigen Heilungsverlauf unbedingt von einem Arzt behandeln lassen. Dann können die möglichen Komplikationen eines Gerstenkorn im Zaum gehalten werden.



M. Barnewitz Maria Barnewitz
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 13.09.2017
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sagt Alko   vor 1 Tag  17

Vor 2,5 Wochen wurde ich an der Netzhaut operiert und danach ein langsam resorbierbares Gas eingebracht. Jetzt ist das Auge noch immer entzündet. Ist ... mehr

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fragt Gittel   vor 1 Tag  15

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