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Farbenblindheit

Was ist die Farbenblindheit (Achromatopsie)?

Man kann zwischen der angeborenen und der erworbenen Farbenblindheit unterscheiden.

  • Angeborene Farbenblindheit:Eine seltene, erblich bedingte Sehstörung, welches bei etwa 1 von 30.000 - 50.000 Personen auftritt.
  • Erworbene Farbenblindheit: Die erworbene Form der totalen Farbenblindheit, auch zerebrale Farbenblindheit genannt, kann aus einer Verletzung oder Krankheit resultieren.

Generell unterscheidet man zwischen 3 verschiedenen Arten der Farbenblindheit:

  1. Totale Farbenblindheit: Die Betroffenen sehen verschiedene Varianten von Schwarz und Weiß. Etwas Buntes erscheint als Grauvarianten.

  2. Zweifarbensehen (Dichromasie): Im Volksmund ist das Zweifarbensehen als Farbenblindheit bekannt. Im menschlichen Auge existieren 3 Zapfentypen, die in unterschiedlichen Spektralbereichen absorbieren. Sind nur zwei Zapfen aktiv, so spricht man von einer Dichromatie. Es gibt verschiedene Formen der Dichromatie:

    • Rotblindheit (Protanopie): Rot wird nicht wahrgenommen, weshalb es zu Verwechslungen kommen kann. Rot wird mit Gelb, Gelb mit Grün und jede andere Farbe miteinander verwechselt.
    • Grünblindheit (Deuteranopie): Grün wird nicht wahrgenommen. Mit Ausnahme der Dunkelrot-mit-Schwarz-Verwechselung treten die gleichen Probleme wie bei der Rotblindheit auf.
    • Blaublindheit (Tritanopie): Blau wird nicht wahrgenommen. Diese Personen verwechseln Rot mit Orange, Blau mit Grün, Grüngelb mit Grau sowie Violett und Hellgelb mit Weiß.

  3. Anomales Dreifarbensehen (Anomale Trichormasie): Grundsätzlich werden alle Farben gesehen, doch ist eine der drei Komponenten unterwertig.

Oft wird die Farbenblindheit mit der Farbfehlsichtigkeit verwechselt. Ein wichtiger Unterschied ist jedoch, dass bei den Farbfehlsichtigen alle Farb-Rezeptoren funktionieren, dagegen aber bei einem Farbenblinden entweder der Grün- oder Rot-Rezeptor gar nicht funktioniert.

Das normale Auge

Im Auge gibt es Zäpfchen und Stäbchen, die eine wichtige Rolle bei der Farberkennung spielen. Durch die Zäpfchen werden Lichtreize aufgenommen, Farben erkannt und Details gesehen. Dagegen sind die Stäbchen für das Sehen im Dunklen zuständig.

Ursachen der Farbenblindheit

Personen mit einer Farbenblindheit haben entweder keine Zäpfchen oder die vorhandenen Zäpfchen sind nicht funktionsfähig. Daher können keine oder fast keine Farben gesehen werden. Diese Menschen haben zudem eine geringe Sehschärfe und eine erhöhte Blendempfindlichkeit. Dagegen funktionieren die Stäbchen regelrecht, dass heißt wiederum dass die Augen im Dunklen normal sehen. Bei Achromaten sind die Zäpfchen im Auge nicht aktiv, um das Licht verarbeiten zu können. Daher blendet das Licht immer so stark.

Symptome

Eine Farbenblindheit führt zu folgenden Beschwerden:

  • Farben können nicht gesehen werden. Sie werden lediglich in vielen Graustufen von Schwarz bis Weiß wahrgenommen.
  • Verminderte Sehschärfe (ca. 5-15 Prozent des Normalen)
  • Kein räumliches Sehen
  • Starke Blendempfindlichkeit
  • Nystagmus (unwillkürliche Augenbewegungen)
  • Lichtscheu (Photophobie), daher praktisch keine Sicht im Hellen
  • Wenig oder kein Farbempfinden

Je nach Person kann die Stärke der Symptome variieren. Natürlich wirkt sich die Verminderung der Informationen beim Farbempfinden auf das Lebensniveau der Betroffenen aus. Sie verringert die Sicherheit der Informationsverarbeitung sowie die Reaktionszeit. Vor allem in der Kindheit stellt die Farbenblindheit einen großen Nachteil dar, da in diesem Alter die Farben beim Lernen und bei der Selbstbeurteilung eine große Rolle spielen.

Wie wird die Farbenblindheit bemerkt?

Eine angeborene Farbenblindheit wird meist schon in den ersten Lebensmonaten erkannt. Die Eltern merken, wie das Kind mit den Augen zittert und es eventuell bei hellem Licht die Augen zu kneift. Das Kind fühlt sich später im Hellen unsicher, bekannte Personen auf Distanz werden nicht mehr erkannt und Farben können nicht zugeordnet werden.

Die Diagnose ist jedoch oft schwierig zu stellen. Für eine sichere Diagnose müssen spezielle Untersuchungen durchgeführt werden. Früher wurde oft ein ERG, das so genannte Elektroretinogramm, gemacht. Bei der Untersuchung wurden auf die Hornhaut Elektroden aufgebracht und das Auge mit verschiedenen Licht und Farben gereizt. Durch die Elektroden wurde die Aktivität der Zäpfchen und Stäbchen aufgezeichnet. Insgesamt handelte es sich jedoch um eine recht unangenehme Untersuchung. Seit einigen Jahren wird eine neue Untersuchungsmethode, das so genannte OCT (Optical Coherence Tomography), durchgeführt. Das Verfahren ist mit dem Ultraschall vergleichbar, verläuft schnell und einfach. Der Patient schaut lediglich in ein Gerät rein und dabei werden die Aufnahmen gemacht.

Wie wird die Farbenblindheit therapiert?

Die Erkrankung ist zurzeit nicht heilbar. Es wird jedoch an einer Gentherapie geforscht. Dennoch ist fraglich, ob das Gehirn nach einer Gentherapie, die ungewohnten Eindrücke überhaupt sinnvoll verarbeiten kann. Besteht hingegen eine Farbuntüchtigkeit, so kann die Farbsehstörung korrigiert werden. Zur Behebung der Anomalie wird eine speziell beschichtete Brille verwendet. Hierbei wird die Beschichtung so ausgeführt, dass das durchgehende Lichtspektrum so verändert wird, dass der Farbuntüchtige den gleichen Anreiz bekommt wie ein Normalfarbsichtiger. Durch Korrekturbrillen kann man erreichen, dass der Farbuntüchtige solche Farbtöne bemerkt, die er vorher nicht gekannt hat. Die Farbsehstörung kann in 80 Prozent der Fälle korrigiert werden.

Wichtige Hinweise und Tipps für Farbenblinde

  • Bei einer Farbenblindheit kann die Sehschärfe nicht mit einer Korrekturbrille verbessert werden, es sei denn es liegen noch andere Fehlsichtigkeiten vor.

  • Geeignet sind vor allem starke Sonnenbrillen mit speziellen Filtern, die das blaue Licht raus filtern (Kantenfiltern). Bei sehr sonnigen Tagen eignet sich eine Brille mit über 90 Prozent Abdunkelung.

  • Zu empfehlen sind Brillengestelle, welche die Augen möglichst viel umschließen, um das seitlich einfallende Licht zu stoppen.

  • Heutzutage gibt es getönte Kontaktlinsen (mit und ohne Kantenfilter mit diversen Tönungen), welche man den ganzen Tag tragen kann und zusätzlich dazu eine Sonnenbrille.

  • Vermeiden Sie langes Lesen. Dies kann die Augen ermüden. Hier ist eine Lupenbrille mit einer leichten Tönung sehr hilfreich.

  • Ein weiteres praktisches Hilfsmittel ist ein Monokular (kleines Fernglas), vor allem in der Schule, um Texte an der Tafel oder auf einem Hellraumprojektor lesen zu können.

  • Weiterhin gibt es Farberkennungsgeräte, die einen kleinen Lichtstrahl auf den Gegenstand schicken und dann messen wie viel Licht wieder zurück kommt. Das Gerät kann somit sagen, welche Farbe ein Gegenstand hat.


Letzte Aktualisierung am 22.07.2010.

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