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Netzhauterkrankungen

Lesezeit: 3 Min.

Zahlreiche häufige und seltene Krankheiten können das Sehen stören

Die Netzhaut (Retina) ist eine Schicht im Auge, die für den Sehvorgang unentbehrlich ist. In der Netzhaut befinden sich die Zellen, die die Lichtreize aufnehmen (Photorezeptoren, Stäbchen und Zapfen). Die meisten Erkrankungen der Netzhaut beeinträchtigen daher das Sehen. Ist die Mitte der Netzhaut (Makula) betroffen, dann kommt es oft zu einer stark herabgesetzten Sehschärfe. Erkrankungen an den weiter außen liegenden Bereichen der Netzhaut führen häufig zu Gesichtsfeldausfällen. Die Einschränkungen des Sehens bei Netzhauterkrankungen können vorübergehend sein oder dauerhaft bestehen bleiben. Zu den wichtigen Untersuchungsmethoden für die Netzhautfunktion gehören Sehtest, Betrachtung des Augenhintergrundes oder weitere Verfahren wie die Farbstoffaufnahme (Fluoreszenzangiographie). Die Behandlung der Netzhauterkrankungen geschieht nach der Diagnose und richtet sich nach dem Befund.

Ursachen

Die Netzhaut (Retina) dient der Aufnahme des Lichtes von außen und der Umwandlung in Nervenimpulse. Diese werden über Nervenfasern an das Gehirn weitergeleitet und dort im Sehzentrum zu einem Bild verarbeitet. Die Netzhaut besteht aus zwei Schichten. Innen im Augapfel befindet sich die Schicht mit den Photorezeptoren (Licht aufnehmenden Zellen, den Stäbchen und Zapfen). Nach außen hin angrenzend liegt die Pigmentschicht, das Pigmentepithel. Die Netzhaut ist anfällig gegenüber Krankheitsgeschehen und teils irreparablen Schäden.

Einige Gruppen von häufigeren Ursachen für Netzhauterkrankungen lassen sich unterscheiden.

Durchblutungsprobleme sind für eine Reihe von Netzhautkrankheiten verantwortlich. Sie gehen meist mit Zivilisationskrankheiten einher wie z. B. Arteriosklerose. Diese ist eine häufige Ursache für Gefäßverschlüsse am Auge. Die Gefäße können durch Blutverklumpungen (Thrombose, Embolie) verlegt werden. Bluthochdruck kann ebenfalls charakteristische Veränderungen an der Netzhaut bedingen. Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) kann Schäden an der Netzhaut verursachen, welche unter dem Begriff Diabetische Retinopathie zusammengefasst werden. Feine Blutgefäße an der Netzhaut werden durch den Diabetes im Auge immer mehr angegriffen. Außerdem können bei Frühgeburten die Gefäße im Auge geschädigt werden und sich nicht richtig entwickeln (Frühgeborenen-Retinopathie), wobei die Beatmung mit Sauerstoff eine Rolle spielt. Eine ganz spezielle Ursache beziehungsweise Krankheitsbild mit Blutgefäßverschluss im Auge ist die Horton-Krankheit. Dabei besteht eine Entzündung in den Arterien, vor allem an der Schläfenarterie (Arteria temporalis), und das Risiko für Gefäßverschlüsse ist stark erhöht.

Die das Sehen stark bedrohende Netzhautablösung ist die Abhebung der Netzhaut vom Untergrund. Die Netzhautablösung kann durch mehrere Mechanismen ausgelöst werden. In vielen Fällen ist sie durch einen Netzhautriss oder ein Netzhautloch bedingt. Die Ablösung kann aber auch durch andere Erkrankungen mit schädlichen Einflüssen wie Zugwirkung an der Netzhaut, Eindringen von Flüssigkeit oder Tumore zustande kommen.

Die Vererbung ist der Grund für einige Erkrankungen der Netzhaut. Bei den erblichen Erkrankungen können verschiedene Mechanismen eine Rolle spielen. So können Gefäßveränderungen (z. B. bei der Coats-Krankheit) oder ein Zugrundegehen der Photorezeptoren (Lichtsinneszellen, z. B. bei der Retinopathia pigmentosa) zu Schäden im Rahmen solcher Erbkrankheiten führen. Weitere Erbkrankheiten mit spezifischen Schäden an der Netzhaut sind unter anderem die Best-Krankheit und die Stargardt-Krankheit.

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine häufige Erkrankung, bei der es im zentralen Gebiet der Netzhaut zu Ablagerungen, Stoffwechselstörungen und weiteren Folgen kommt. Die Ursache ist nicht genau bekannt, aber einige Faktoren erhöhen das Risiko dieser normalerweise im Alter auftretenden Krankheit, beispielsweise bestimmte Gene, Rauchen, Bluthochdruck oder hohe Belastung mit UV-Strahlung. Die AMD ist die häufigste Ursache einer Erblindung von Menschen im Seniorenalter.

Durch eine Abhebung der Pigmentschicht und Flüssigkeitseinlagerung kommt die Krankheit Retinopathia centralis serosa zustande. Sie wird auch beeinflusst von (psychischem oder körperlichem) Stress.

Ebenfalls als Netzhauterkrankung aufgefasst werden kann das Glaukom. Diese auch Grüner Star genannte Krankheit besteht, wenn der Augeninnendruck relativ zu hoch ist. Nervenfasern des Sehnervs und der Netzhaut gehen zugrunde, so dass es zu Gesichtsfeldausfällen kommt.

Infektionen der Netzhaut spielen bei sonst gesunden Personen eine ganz untergeordnete Rolle. Wenn jedoch das Immunsystem sehr geschwächt ist, dann können bestimmte Erreger an der Netzhaut zu Schäden führen. Zu den möglichen Infektionskrankheiten gehören Syphilis, Röteln oder Zytomegalie. Das Immunsystem ist unter anderem geschwächt bei einer HIV-Infektion (AIDS), bei Tumorerkrankungen wie Leukämie, Vitaminmangel sowie nach der Einnahme bestimmter Medikamente (Immunsuppressiva).

Weitere Entzündungen im Auge (Uveitis, Chorioretinitis) sind nicht durch Erreger bedingt, sondern ein Symptom von bestimmten anderen Erkrankungen. Es handelt sich oft um Autoimmunkrankheiten, also Erkrankungen, bei denen das Abwehrsystem körpereigenes Gewebe angreift. Beispiele sind Formen von Rheuma oder spezielle Krankheiten wie der Morbus Reiter. Bei diesen Entzündungen kann aber auch oft keine Ursache gefunden werden.

Auch Medikamente wie z. B. Chloroquin (ein Rheuma- und Malariamittel) können eine Retinopathie (Netzhauterkrankung) verursachen.

Da die Netzhaut von einem Augenarzt meist leicht eingesehen werden kann, können durch Betrachtung des Augenhintergrundes Rückschlüsse auf Erkrankungen des Körpers gezogen werden.

V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 14.08.2015
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