Definition
Für die Blindheit, lateinisch Amaurosis, gibt es einerseits eine gesetzliche und andererseits eine medizinische Definition. Nach der gesetzlichen Definition spricht man dann von Blindheit, wenn die Sehschärfe (der Visus) kleiner als 0,02 ist oder das Gesichtsfeld auf nur fünf Grad oder weniger beschränkt ist. Im Gegensatz dazu geht die medizinische Definition von einer vollständigen Erblindung aus, bei der nicht einmal mehr verschiedene Lichtintensitäten wahrgenommen werden können. Die Ursachen für Blindheit sind vielfältig und variieren in Abhängigkeit vom Alter. Blindheit kann bereits angeboren oder aber erst später erworben worden sein. Einer Erhebung im Jahre 2004 zufolge leben in Deutschland rund 164.000 erblindete Menschen, was einem Anteil von 0,2 Prozent an der Bevölkerung entspricht. Hinzu kommt knapp eine Million sehbehinderter Menschen. Etwa die Hälfte der blinden Menschen ist älter als 80 Jahre.
Ursachen
Die Ursachen für Blindheit sind vielfältig, doch stehen in den westlichen Ländern insbesondere Erkrankungen der Netzhaut (Retina) an erster Stelle.
Die Blindheit kann bereits von Geburt an bestehen oder sich erst im Verlauf des Lebens entwickeln. Als Ursachen für eine angeborene Blindheit kommen in Betracht:
fehlende Anlage wichtiger Strukturen des Sehorgans fehlende Verbindung zwischen dem Auge und den Strukturen des Gehirn, die die Bilder verarbeiten
genetische Erkrankungen, infolge derer sich in der Kindheit oder im Laufe des Lebens zu Blindheit führende Erkrankungen entwickeln
Die Ursachen für eine erworbene Blindheit unterscheiden sich in ihrer Häufigkeit abhängig vom Lebensalter. Die häufigste Ursache im Allgemeinen ist die so genannte altersabhängige Makuladegeneration, die für die Hälfte aller Erblindungen in Deutschland verantwortlich ist und in der Regel erst ab einem Alter von 70-75 Jahren auftritt. Betroffen ist hierbei der gelbe Fleck, eine Stelle der Netzhaut, die für das scharfe Sehen zuständig ist. In absteigender Häufigkeit folgen das Glaukom (grüner Star) mit einer Erhöhung des Augeninnendrucks und die diabetische Retinopathie, eine Netzhauterkrankung durch Schädigung der Blutgefäße beim Diabetes mellitus (Zuckererkrankung). Diese Erkrankungen führen allerdings zu einer allmählichen Erblindung. Erblindet ein Auge dagegen schlagartig, muss an einen Verschluss eines großen Gefäßes der Netzhaut oder des Sehnerven gedacht werden. Eine plötzliche Erblindung beider Augen ist selten und beruht meist auf schweren Verletzungen, wie beispielsweise einer Hirnblutung. In Entwicklungsländern gibt es noch eine Reihe infektiöser Ursachen, die zu Erblindung führen können. Dazu zählt zum Beispiel das Trachom, einer durch Chlamydien hervorgerufenen bakteriellen Entzündung oder die Wurmerkranung Schistosomiasis (Bilharziose).
Symptome
In den meisten Fällen entwickelt sich die Blindheit über Jahre hinweg. Die Sehkraft wird schwächer und die Lichtwahrnehmung eingeschränkt. Im Falle eines Gefäßverschlusses im Bereich des Auges erfolgt die Erblindung schlagartig innerhalb weniger Sekunden.
Diagnose
Da ein Mensch von einer fortschreitenden Erblindung im Alltag zunehmend eingeschränkt ist, bemerkt der Betroffene in der Regel den Sehverlust selbst. Der Augenarzt kann diesen dann mittels Sehschärfeuntersuchung, Spiegelung des Augenhintergrunds und Prüfen er Pupillenreaktion feststellen. Bei Unklarheit oder nicht direkt bei der augenärztlichen Untersuchung feststellbaren Ursachen kann ein bildgebendes Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT) angewendet sowie eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden.
Therapie
Die Behandlung der Erblindung orientiert sich an der Grundkrankheit. Genannt seien daher die Behandlungsmöglichkeiten der häufigsten Erblindungsursachen in den westlichen Ländern:
Altersabhängige Makuladegeneration: Laserkoagulation der neu gebildeten Gefäße, Photodynamische Therapie (Farbstoffapplikation mit nachfolgender Laserbehandlung), Medikamentöse Therapie (Hemmung des für die Gefäßneubildung zuständigen Hormons), Sehhilfen, mittels derer das Gesehene vergrößert wird
Diabetische Retinopathie: Die größte Rolle steht hierbei die richtige Behandlung der Grunderkrankung Diabetes. Darüber hinaus kommen zum Einsatz: Laserkoagulation, Injektion von Kortison und Medikamenten, die das Gefäßwachstum hemmen, direkt in das Auge und in schweren Fällen eine Operation mit Entfernung der überzähligen Gefäße
Glaukom (grüner Star): Das Ziel der Glaukom-Behandlung ist die Senkung des Augeninnendrucks. Wird mit Medikamenten kein zufrieden stellendes Ergebnis erreicht, muss bei einer Operation ein künstlicher Abfluss für das übermäßige Augenwasser hergestellt werden.
Prognose
Ebenso wie die Therapie ist auch der Verlauf der Erblindung von der Grunderkrankung abhängig. Die alterabhängige Makuladegeneration ist eine fortschreitende Erkrankung, die aber in der Regel nicht zur vollständigen Erblindung, jedoch meist zum Verlust der Lesefähigkeit führt. Bei der diabetischen Retinopathie gibt es eine langsam und eine schnell fortschreitende Verlaufsform. Bei ersterer kommt es in der Regel zu keinen größeren Sehstärkeeinschränkungen, während die schnell fortschreitende Form zu einer Erblindung führt. Auch das Glaukom führt zur Erblindung, wenn es nicht behandelt wird. Bei ausreichender Behandlung ist die Prognose jedoch gut.
Hinweise für Patienten/Angehörige:
Aufgrund der begrenzten Therapieoptionen bei bereits erfolgter Erblindung gilt es, den Betroffenen mit einer Reihe Hilfsmitteln dennoch ein möglichst eigenständiges Leben zu ermöglichen. Dazu gehören beispielsweise der Langstock (Blindenstock) als Orientierungshilfe auf der Straße, Signaleinrichtungen an Ampeln, Blindenhunde, die Blindenschrift (Brailleschrift), das noch ganz junge DAISY (Digital Accessible Information System) und vieles mehr.
Letzte Aktualisierung am 09.12.2009.