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Bindehautentzündung (Konjunktivitis)

Lesezeit: 4 Min.

Was ist eine Bindehautentzündung?

Eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist eine der häufigsten Erkrankungen der Augen. Die Bindehaut ist eine Gewebeschicht, die sich vorne am Augapfel (an die Hornhaut angrenzend) sowie in den Innenseiten der Lider befindet. Erreger wie Viren oder Bakterien können die Bindehautentzündung auslösen, sie kann aber auch durch eine Reizung oder durch eine Allergie entstehen. Das Auge erscheint bei einer Bindehautentzündung rot, weil sich die Blutgefäße der Bindehaut verstärkt füllen. Weitere Symptome sind Jucken und Brennen oder Schmerzen, auch findet sich vermehrt Sekret am Auge. Welche Behandlungsmethode bei der Bindehautentzündung am besten geeignet ist, hängt von der Ursache ab.

Ursachen

Verallgemeinernd kann eine Bindehautentzündung infektiös (durch Krankheitserreger bedingt) oder nichtinfektiös sein. Dies lässt sich nach den Erregern oder Auslösern weiter unterteilen.

Eine infektiöse Konjunktivitis (Bindehautentzündung) wird in vielen Fällen durch Bakterien verursacht. Es handelt sich am häufigsten um Bakterien aus den Gruppen der Staphylokokken, Streptokokken oder Pneumokokken. Viele andere Bakterienarten wie z. B. Haemophilus können aber ebenfalls Bindehautentzündungen hervorrufen. Spezielle Formen der bakteriellen Augen- und Bindehautentzündung können durch Gonokokken, Chlamydien oder Pseudomonas verursacht werden. Neben der bakteriellen Bindehautentzündung ist auch die Bindehautentzündung durch Viren recht häufig. Die gewöhnliche virale Bindehautentzündung wird Konjunctivitis epidemica genannt. Der bekannteste Erreger ist das Adenovirus. Er verhilft der Konjunctivitis auf Platz vier der nicht durch lebensmittel übertragbaren Erreger (das zeigen Zahlen des Robert-Koch-Instituts zu meldepflichtigen Krankheiten (Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2011 - Robert Koch Institut). Außerdem kann ein Befall mit Pilzen oder Parasiten zu einer Bindehautentzündung führen.

Adenovirus Konjunktitivis Häufigkeit - Studie

Ohne eine Infektion kann eine Bindehautentzündung entstehen, wenn ein Reiz auf das Auge einwirkt. So kann es im Rahmen einer Augentrockenheit (Sicca-Syndrom), durch Rauch, Staub, trockene oder kalte Luft, irritierende Substanzen wie Chlor, durch zu langes Arbeiten am Computer sowie auch wegen einer nicht korrigierten Fehlsichtigkeit zu einer Bindehautentzündung kommen.

Eine weitere Ursache für Bindehautentzündungen sind Allergien. Des Weiteren finden sich Bindehautentzündungen bei anderen Krankheiten des Körpers wie z. B. bestimmten Hauterkrankungen.

Symptome

Bei einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) kommt es zu einer Rötung des Auges. Der Grund dafür ist die Erweiterung der Blutgefäße in der Bindehaut. Am Auge wird Sekret gebildet, das dazu führt, dass die Lider nach dem Schlafen verklebt sind. Eine Schwellung der Lider kann mehr oder weniger stark ausgeprägt sein, manchmal ist sie so heftig, dass die Bindehaut zwischen den Lidern hervortritt. Eine Bindehautentzündung führt zu einem Augenbrennen, bisweilen zu Schmerzen, zu einem Fremdkörpergefühl oder auch einem drückenden Gefühl am Auge. Oft besteht ein Augentränen. Manche Patienten sind während der Entzündung lichtscheu (photophob).

Wenn die Hornhaut mit einbezogen ist (Keratitis) oder akute Schäden aufweist, kommt es oft zu starken Schmerzen und einem Lidkrampf.

Bestimmte Ursachen für Bindehautentzündungen führen zu weiteren Symptomen. Eine allergische Reaktion am Auge führt typischerweise zu einem Juckreiz. Oft ist die Schwellung dann auch stark ausgeprägt. Ebenso ist eine Bindehautentzündung durch Bakterien durch eine Schwellung gekennzeichnet, die Bakterieninfektion geht mit der Bildung eines eitrigen Sekrets einher. Das Auge verklebt schnell. Bei Viren oder auch Chlamydien, die eine Bindehautentzündung auslösen, kommt es oft zur Bildung kleiner Knötchen an der Bindehaut, den Follikeln. Größere Vorwölbungen der Bindehaut, auch Pflastersteine genannt, finden sich häufig bei einer allergischen Bindehautentzündung.

Diagnose

Die typischen Beschwerden mit geröteter Bindehaut, Sekretbildung oder auch einer Schwellung lassen in vielen Fällen schon eine Bindehautentzündung vermuten. Zur ärztlichen Untersuchung gehört das Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese), bei der Symptome, mögliche Auslöser und Vorerkrankungen in Erfahrung gebracht werden. Ein kurzer Sehtest erfolgt. Der Augenarzt betrachtet das Auge unter Vergrößerung, meist an der Spaltlampe, der üblichen augenärztlichen Untersuchungseinrichtung. Er achtet auf Anzeichen einer Bindehautentzündung und von bestimmten Auslösern sowie darauf, ob auch weitere Organteile wie die Hornhaut oder das Augeninnere betroffen sind. Ein Augenabstrich kann einen Nachweis liefern, ob es sich um eine bakterielle Bindehautentzündung handelt. Des Weiteren kann eine Tränenwegsspülung sinnvoll sein, um auszuschließen, dass ein verstopfter Tränenkanal oder entzündeter Tränensack der Grund der Bindehautentzündung ist.

Therapie

Die Therapie der Bindehautentzündung gestaltet sich unterschiedlich, da es viele mögliche Ursachen gibt.

Bei der Annahme, dass es sich um eine Infektion handelt, werden Antibiotika als Augentropfen gegeben. Sollte ein bestimmtes Bakterium als Erreger feststehen, dann können genau passende Antibiotika verabreicht werden. Ansonsten werden Antibiotika getropft, die gegen viele verschiedene Bakterien wirken. Vielfach eignen sich Kombinationen aus Antibiotika und Cortison. Eine Bindehautentzündung im Rahmen von Herpes wird mit dem Antivirusmittel Aciclovir behandelt. Andere virusbedingte Bindehautentzündungen (Konjunctivitis epidemica) können nicht ursächlich behandelt werden. Bei dieser leicht übertragbaren Bindehautentzündung ist es aber besonders wichtig, Ansteckungsmöglichkeiten zu umgehen. Deshalb sollten Betroffene sich z. B. nicht das gleiche Handtuch mit anderen Personen teilen und nicht anderen Leuten die Hand geben. Mittels Händedesinfektion lässt sich die Gefahr, dass sich andere Menschen anstecken, ebenfalls vermindern.

Bei lediglich reizbedingten Bindehautentzündungen werden zur Behandlung unter anderem Tränenersatzmittel eingesetzt. Sollte eine Fehlsichtigkeit der Grund der Entzündung sein, dann ist eine Brillenkorrektur hilfreich.

Eine allergische Bindehautentzündung erfordert zuerst, dass die allergieauslösende Substanz nicht mehr einwirken kann. Abschwellende Augentropfen können die Symptome bessern. Auch Augentropfen mit Cortison oder weiteren Wirkstoffen können sinnvoll sein. Auf längere Sicht ist eine systematische Desensibilisierung gegenüber dem auslösenden Stoff angezeigt.

Besonders bei einer Bindehautentzündung durch ein Virus sollte eine gründliche Hygiene eingehalten werden. Handtücher sollten nicht auch von anderen Personen mitbenutzt werden, denn das Virus kann leicht auch auf deren Bindehaut übergehen.

Prognose

Bei geeigneter Therapie heilt die Bindehautentzündung in der Regel schnell wieder ab. Gerade eine bakterielle Bindehautentzündung lässt sich mit Antibiotika gut angehen, ebenso wie die allergische Form der Bindehautentzündung rasch gebessert werden kann. Eine virale Bindehautentzündung benötigt etwas mehr Zeit, bis sie vollständig abheilt. Es gibt auch Formen, die immer wieder auftreten können. In manchen Fällen besteht eine sehr schwerwiegende Form der Bindehautentzündung oder selten auch eine Beteiligung anderer Augenanteile (Hornhaut, Augeninneres), die dauerhaft geschädigt werden können. Die meisten Bindehautentzündungen sind aber unkompliziert. Vor allem, wenn eine Virusinfektion zur Bindehautentzündung geführt hat, sollte gewissenhaft die Hygiene beachtet werden.



V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 28.08.2017
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