Das Hodgkin-Lymphom ist auch unter dem Namen Morbus Hodgkin und Lymphogranulomatose bekannt. Der bösartige (maligne) Tumor, der von den Lymphknoten ausgeht, trifft gehäuft bei Menschen zwischen dem 20. bis 30. Lebensjahr und dem 50. bis 60 Lebensjahr auf, und zwar bei mehr Männern als Frauen.
Typischerweise findet man bestimmte Zellen, die Hodgkin-Zellen und Sternberg-Riesenzellen, in dem betroffenen Gewebe. Um diese Zellen bildet sich ein Granulationsgewebe, das die Unterscheidung in vier Typen des Hodgkin-Lymphoms ermöglicht. In den letzten Jahren wurden sehr gute Medikamente entwickelt, die die Prognose erheblich verbessert haben, so dass nicht mehr der Typ des Hodgkin-Lymphoms entscheidend ist, sondern das Stadium, in dem es sich befindet.
Die Ursachen sind noch nicht bekannt. Es wird vermutet, dass das Epstein-Barr-Virus eventuell an der Entstehung des Hodgkin-Lymphoms beteiligt ist. Auffällig ist auch das gehäufte Auftreten bei eineiigen Zwillingen, so dass in diesen Fällen eine genetische Ursache wahrscheinlich ist.
Die Hodgkin-Tumorzellen entstehen aus den B-Lymphozyten. Diese gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig. Normalerweise stellen sie spezifische Antikörper her, die die entsprechenden Erreger bekämpft. Beim Morbus Hodgkin sind die aus der kranken Zelle entstehenden B-Lymphozyten aber nicht fähig, Antikörper zu produzieren. Sie vermehren sich unaufhörlich und sorgen durch das verdrängende Wachstum, den Mangel an Antikörpern und die Produktion von Wachstumsfaktoren und Botenstoffen für die Krankheitszeichen.
ehr oft entsteht die Erkrankung in einem Lymphknoten oberhalb des Zwerchfells. Mit ausreichender Zellmasse kommt es später nicht nur zum ausbreitenden Wachstum in angrenzende Gewebe, sondern auch zur Streuung, das heißt zum Ausschwemmen der Zellen in andere Organsysteme (Metastasen). Zunächst geschieht das über den Lymphweg, also in benachbarte Lymphknoten, später dann über das Blut vor allem in die Milz oder die Leber, die sich daraufhin vergrößern.
Die Hodgkin-Erkrankung fällt am Anfang vor allem durch einen oder mehrere geschwollene Lymphknoten auf, die besonders oft im Halsbereich oder in den Axelhöhlen liegen. Im Brustraum zwischen den zwei Lungenflügeln kann man sie zwar nicht sehen, sie können jedoch einen Ast der Luftröhre einengen und zu Kurzatmigkeit und Luftnot bei körperlicher Belastung führen.
Aber auch die Leistenlymphknoten oder Lymphknoten im Bauchraum, besonders unter dem Zwerchfell, können vergrößert sein. Die Lymphknoten tun dabei nicht weh, sie sind gummiartig verdickt und nicht im Gewebe verschieblich.
Eine Besonderheit, die nur beim Hodgkin-Lymphom auftritt, ist der seltene Alkoholschmerz, bei dem nach Alkoholgenuss die betroffenen Lymphknoten schmerzen. Auch wenn nur jeder Dritte darüber klagt, ist die so genannte B-Symptomatik ein typischer Begleiter der Erkrankung. Sie besteht aus Fieber über 38 Grad Celsius, ungewolltem Gewichtsverlust von 10% des Körpergewichts in 6 Monaten und Nachtschweiß, der so stark ist, daß mehrmals pro Nacht der Schlafanzug gewechselt werden muss.
Wenn das Knochenmark befallen ist, kann das dazu führen, dass die gesunden Zellen von den bösartigen, sich schnell teilenden Zellen verdrängt werden und die Antikörper nicht mehr in ausreichender Zahl hergestellt werden. Dieser Immundefekt führt zu einer erhöhten Infektanfälligkeit. Es bestehen dann oft schwerere und längere Verläufe, öfter auch mit selteneren Erregern wie Pneumocystis jirovecii der eine Lungenentzündung verursacht oder Pilzbefall der Schleimhäute, zum Beispiel Speiseröhrensoor.
Vermutlich durch die Boten- und Wachstumsstoffe, die die Zellen produzieren, kommt es zusätzlich bei einigen Betroffenen zu quälendem Juckreiz am gesamten Körper.
Neben den typischen Symptomen, die den Verdacht auf das Hodgkin-Lymphom lenken, sollte in der körperlichen Untersuchung eine genaue Analyse der oberflächlichen Lymphknoten stattfinden sowie die Einschätzung, ob eine Milz- oder Lebervergrößerung vorliegt. Mittels Ultraschall kann eine Vergrößerung dann genauer ausgemessen werden und eventuell vergrößerte Lymphknoten im Bauchraum entdeckt werden.
Als nächster Schritt wird ein geschwollener Lymphknoten entnommen (Lymphknotenbiopsie) und auf Hodgkin- und Sternberg-Riesenzellen geprüft. Diese Untersuchung ermöglicht mitunter, das Lymphom in einen der vier Typen einzuteilen und andere Erkrankungen, die mit geschwollenen Lymphknoten einhergehen, auszuschließen.
Eine Blutuntersuchung gibt Hinweise auf einen Organbefall. Bei Knochenmarkbefall mit Verdrängung gesunder Lymphozyten zeigt sich das auch im Blut, häufig ist die Blutsenkungsgeschwindigkeit deutlich erhöht und ein Abfall der Leberenzyme deutet auf einen entsprechenden Befall hin. Zusätzlich werden Blutprodukte bestimmt, die bei einem erhöhten Zellzerfall entstehen.
Hat sich das Hodgkin-Lymphom bestätigt, muss zur bestmöglichen Therapie die Ausbreitung des Tumors ermittelt werden. Ein Röntgenbild des Brustraumes zeigt einen eventuellen Befall der zentralen Lymphknoten und ergänzt das Computer-Tomogramm (CT), das vom Körperstamm angefertigt wird. Unumgänglich ist auch eine Knochenmarksentnahme aus dem Beckenkamm.
Um einen allgemeinen Befall des gesamten Knochenmarks darzustellen, dient die Knochenmark- oder Skelettszintigraphie. Hierbei wird ein radioaktiv markiertes Medikament gespritzt, das sich besonders im stoffwechselaktiven Knochen anlagert.
Um für die Therapie das beste Medikament auswählen zu können und Organschäden zu vermeiden, ist eine Untersuchung auf vorbestehende Krankheiten des Herzens mittels EKG und Echokardiographie und der Lunge mittels Lungenfunktionsprüfung sinnvoll.
Geschwollene Lymphknoten können nicht nur durch das Hodgkin-Lymphom verursacht werden. Eine Erkrankung, die ebenfalls zu geschwollenen Lymphknoten führt, ist unter anderem die Lymphknotentuberkulose. Sie wird durch Tuberkelbakterien ausgelöst und kann durch die Lymphknotenentnahme histologisch und mikrobiologisch bewiesen werden.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass es sich um Lymphome (Non-Hodgkin-Lymphome) oder Tochtergeschwülste (Metastasen) anderer Herkunft handelt. Auch sie werden bei einer Gewebeprobe geprüft.
Ein ähnliches Bild mit Lymphknotenvegrößerung kann auch bei bestimmten Autoimmunerkrankungen wie der Sarkoidose auftreten, auch sie werden in der Gewebeprobe untersucht und zeigen meist ein typisches Blutbild.
Sind Virusinfekte wie Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber) und HIV oder Parasiten wie Toxoplasmen beteiligt, findet man im Blut die Erreger oder Antikörper.
Als wichtige Differentialdiagnosen für eine erhöhte Infektanfälligkeit kommen besonders das erworbene Immundefizit-Syndrom (AIDS) und der weiße Blutkrebs (Leukämie) in Betracht. Sie werden ebenfalls in einer Blutuntersuchung ausgeschlossen.
Die Therapie richtet sich nach Typ und Krankheitsstadium. Ein frühzeitig erkanntes Hodgkin-Lymphom wird anders behandelt als ein stark ausgebreitetes mit Organbefall.
Außerdem werden die Patienten nach Risikofaktoren in drei Gruppen eingeteilt: lokalisiertes Stadium, Zwischenstadium (intermediär) und fortgeschrittenes Stadium.
Das lokalisierte und das Zwischenstadium werden mit einer kombinierten Therapie bestehend aus einer intravenösen Chemotherapie und einer Strahlentherapie behandelt. Bei dem fortgeschrittenem Stadium muss ein stärkeres Chemotherapiemedikament gewählt werden, zusätzlich kommt bei bestimmten Fällen die Strahlentherapie zum Einsatz.
Das Hodgkin-Lymphom ist eine bösartige Erkrankung des Erwachsenen, die eine der höchsten Heilungschancen hat. Mit der richtigen Therapie können insgesamt 80% der Patienten dauerhaft geheilt werden. Wird die Erkrankung in einem frühen Stadium erkannt, werden sogar 90% der Fälle geheilt. Treten Risikofaktoren wie Organbefall oder ein großer Tumor im Brustraum auf, sinkt zwar die Heilungsquote, jedoch beträgt sie dank der verbesserten Therapie immer noch mindestens 80%. Allerdings kommt es bei bis zu 15% der Patienten innerhalb von 20 Jahren nach der Therapie zu Zweittumoren wie Leukämie oder bei Frauen zu Brustkrebs nach Brustkorbbestrahlung, weswegen eine regelmäßige Nachuntersuchung nötig ist. Früh erkannt haben diese aber ebenfalls eine gute Heilungswahrscheinlichkeit.
Je nach Stärke und Länge der Chemotherapie kommt es zur Sterilität, also der Unfruchtbarkeit, die sich gelegentlich zurückbilden kann.
Nach Brustkorbbestrahlung kann es zu einer Strahlenpneumonie oder sehr selten zu einer Herzentzündung kommen.
Wenn die Halslymphknoten bestrahlt wurden, bildet sich häufig eine Schilddrüsenunterfunktion aus, die jedoch mit einer unterstützenden Schilddrüsenhormongabe behandelt werden kann.
Häufig treten zusätzliche Infektionen auf, die mitbehandelt werden müssen. Auch psychosoziale Probleme sind häufig, da das Leben mit dem Wissen, einen bösartigen Tumor zu haben, sehr belastend ist.
Wichtig ist, jeden Lymphknoten, der länger als 6 Wochen geschwollen ist, vom Arzt untersuchen zu lassen, da eine frühzeitig erkannte Erkrankung die besten Heilungschancen hat.
Ebenso wichtig sind die regelmäßigen Nachkontrollen nach einem Hodgkin-Lymphom, um eventuelle Komplikationen oder Rückfälle schnell zu erkennen und behandeln zu können.