25.04.2006 - ist im Hinblick auf das Nahrungsmittelangebot ein Land des Überflusses. Unabhängig von den Jahreszeiten sind die Lebensmittelmärkte ganzjährig mit einem besonders vielfältigen Sortiment bestückt. Gibt es trotzdem einen Vitaminmangel in Deutschland? Wir befragten Diplom Oecotrophologin Daniela Rösler zum Thema Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminversorgung.
Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?
Diplom Oecotrophologin Daniela Rösler: Ja, Nahrungsergänzungsmittel können eine sinnvolle Ergänzung zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährungsweise sein, diese jedoch nicht ersetzen. Im Vordergrund sollte beim Verdacht auf eine unzureichende Vitaminversorgung immer eine Optimierung der Ernährung stehen. Darüber hinaus kann zur Vorbeugung und Behandlung bestimmter Krankheiten die gezielte Supplementierung von Vitaminen ins Auge gefasst werden.
Welche Risikogruppen für eine unzureichende Vitaminversorgung gibt es?
Rösler: Risikogruppen für eine unzureichende Vitaminversorgung sind unter anderem chronisch Kranke wie Diabetiker, Senioren, Vegetarier, Schwangere und Stillende sowie Menschen, die Medikamenten einnehmen oder regelmäßig Crash-Diäten durchführen. Zu den Medikamenten, die sich negativ auf die Vitaminversorgung auswirken zählt auch die "Pille".
Ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ungefährlich?
Rösler: Ja, solange die Dosierungsempfehlungen der jeweiligen Präparate eingehalten werden, ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln völlig ungefährlich. Darüber hinaus ist der menschliche Körper dazu in der Lage, überschüssige Mengen an wasserlöslichen Vitaminen auszuscheiden. Lediglich die fettlöslichen Vitamine können sich bei überhöhter Zufuhr im Körper anreichern und gesundheitliche Schäden verursachen.
Gibt es in Deutschland richtigen Vitaminmangel?
Rösler: Extreme Vitaminmangelzustände wie der Skorbut sind in Deutschland in der Regel glücklicherweise nicht zu befürchten. Trotzdem ist eine unzureichende Versorgung mit Vitaminen wahrscheinlich nicht selten. Da die Symptome für einen leichten Vitaminmangel unspezifisch sind, werden viele Befindlichkeitsstörungen nicht auf diese Ursache zurückgeführt. Hierzu zählen beispielsweise Müdigkeit, Leistungsschwäche oder häufige Kopfschmerzen.
Vitaminversorgung in Deutschland
Deutschland ist im Hinblick auf das Nahrungsmittelangebot ein Land des Überflusses. Unabhängig von den Jahreszeiten sind die Lebensmittelmärkte ganzjährig mit einem besonders vielfältigen Sortiment bestückt. Der Überfluss zeigt sich auch deutlich in der immer dicker werdenden Bevölkerung. Bereits jetzt zeigt die Waage bei jedem zweiten Einwohner Deutschlands zu viel Gewicht an. Doch auch wenn viele Menschen ein Übermaß an Energie aufnehmen, muss das noch lange nicht bedeuten, dass damit auch die Zufuhr an Vitaminen ausreichend ist. Verschiedene Erhebungen zur Vitaminversorgung in Deutschland zeigen deutlich, dass in diesem Bereich einiges im argen liegt.
Den Daten des Ernährungsberichts 2000 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V. zufolge erreichen weder Männer noch Frauen bei allen Vitaminen die empfohlene Zufuhrmenge (2). Besonders dramatisch ist diese Situation bei Folsäure, deren Zufuhr im Durchschnitt lediglich bei der Hälfte der empfohlenen Menge pro Tag liegt. Das belegen auch zwei weitere Untersuchungen, die sich mit der Vitaminzufuhr in Deutschland beschäftigten (1, 3).
Trotz dieser Ergebnisse sehen viele Experten aber keine Versorgungslücken. Sie argumentieren, dass bei den aktuellen Empfehlungen für die Vitaminzufuhr auch Sicherheitszuschläge berücksichtigt sind, so dass sich die tatsächlich benötigte Menge wahrscheinlich etwas unterhalb der Referenzwerte bewegt. Dennoch ist Vorsicht geboten. Die aktuellen Zufuhrempfehlung richten sich nur nach gesunden Personen. Krankheiten, Medikamenteneinnahme und bestimmte Lebensgewohnheiten wie das Rauchen, die den Vitaminbedarf erhöhen können, sind nicht berücksichtigt.
Wenn die Vitaminzufuhr dann noch nicht einmal die Empfehlungen für Gesunde erreicht, steht zu vermuten, dass unter Umständen doch eine unzureichende Versorgung vorliegen könnte. Bester Schutz vor einer unzureichenden Vitaminzufuhr ist eine konsequent umgesetzte ausgewogene Ernährungsweise, die alle Lebensmittelgruppen beinhaltet. Neben einer vielseitigen Lebensmittelauswahl ist auch eine schonende Zubereitungsmethode zu bevorzugen, um nicht einen Großteil der enthaltenen Vitamine zu zerstören. Zum Garen von Gemüse eignet sich beispielsweise das Dünsten.
Literatur:
1 Beitz R et al.: Vitamins - dietary intake and intake from dietary supplements in Germany. European Journal of Clinical Nutrition 2002; 56, 539-545
2 Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) (Hrsg.): Ernährungsbericht 2000. Frankfurt/M: Henrich
3 Schulze M B et al.: Macronutrient, vitamin, an mineral intakes in the EPIC-Germany cohorts. Ann Nutr Metab 2001; 45, 181-189
Letzte Aktualisierung am 07.11.2008.