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Möglichkeiten der plastischen Rekonstruktion der Brust nach operiertem Mammakarzinom

Lesezeit: 2 Min.

Zunehmend Brust-erhaltende Rekonstruktionen

18.09.2006 - Eine zunehmende Zahl der  Frauen, die heute an Brustkrebs erkranken, können brusterhaltend operiert werden. In manchen Fällen ist die Mastektomie (oder Brustentfernung) jedoch nicht zu vermeiden (Große intraduktale oder invasive Karzinome, Multizentrische Karzinome, Inflammatorische Karzinome, etc.). Für viele dieser Frauen kann es absolut hilfreich sein, wenn das Thema Rekonstruktion parallel mit dem Thema Mastektomie besprochen wird. Dieser Beitrag soll eine kleine Hilfe sein um diese Beratung durchzuführen. Wir sprachen mit Dr. Jürgen Parysvom Krankenhaus St.Joseph Stift in Bremen.

Wann sollte die Rekonstruktion erfolgen?

Meist ist es besser die Rekonstruktion sekündär (in einem zweiten Eingriff) durchzuführen, da bei vielen Patientinnen noch eine Radio-(Bestrahlung) und/oder Chemotherapie durchgeführt werden muß. Die Radiotherapie könnte sicherlich auch bei der bereits wiederaufgebauten Brust erfolgen, allerdings könnte das spätere kosmetische Ergebnis ungünstig beeinträchtigt werden.

Die Chemotherapie könnte unter Umständen das Immunsystem so schwächen das es zu Wundheilungsproblemen  führen kann.  Diese Aspekte mussen mit der Patientin, die an einen primären Wiederaufbau der Brust interessiert ist besprochen werden. Nur bei Patientinnen, die wegen einem sehr ausgedehnten intraduktalen Karzinom (DCIS) radikal operiert werden müssen, kann ohne Bedenken eine primäre Rekonstruktion erfolgen.

Welche Möglichkeiten der Rekonstruktion gibt es?

Man unterscheidet hier generell zwei Arten des Wiederaufbaus: Die Rekonstruktion durch Implantate (körperfremdes Material, zum Beispiel Silikon) und die mit körpereigenem Material. Die erste Gruppe hat – obwohl operativ einfach und sicher durchführbar – in den letzten Jahren bei den Patientinnen etwas an Beliebtheit verloren. Die Rekonstruktion mit einem Implantat, welches bevorzugt submuskulär (unter dem Brustmuskel) platziert wird, kann bei Patientinnen deren Brustwand weder durch die Operation noch durch eine Bestrahlung geschädigt ist fast immer durchgeführt werden.

Brustrekonstruktion


Vor allem nach Strahlentherapie ist die Dehnungsfähigkeit der Haut zu gering um noch gute kosmetische Ergebnisse zu erzielen. Zusätzlich tritt bei diesen Patientinnen die Kapselfibrose (narbige Ummauerung des Implantates) deutlich häufiger auf. Der große Vorteil dieser Art des Wiederaufbaus liegt in der relativ einfachen Operationstechnik, welche eine kurze Operation ermöglicht. Weitere Vorteilen sind der kurze stationärer Aufenthalt und das in der Regel keine weitere Narbenbildung entsteht.

Brustrekonstruktion


Die weitaus beliebtere Variante stellt die Rekonstruktion durch Eigengewebe dar. Die drei am häufigsten durchgeführten Varianten sind:

  1. Latissimus Dorsi Lappen (Großer Rückenmuskel): Der Rückenmuskel wird nach vorne in die Brustregion verlagert. Kleine bis mittelgroße Brüste können so nachgebildet werden. Oft jedoch ist doch noch ein zusätzliches Implantat erforderlich.
  2. TRAM–Flap : Hierbei werden Haut, Unterhautfett- und Muskelgewebe aus der Bauchregion in die Brustregion verlagert. Diese Technik ermöglicht auch die Rekonstruktion von recht voluminösen Brüsten. Ein meist als positiv empfundener Nebeneffekt ist die gleichzeitige Straffung im Abdominalbereich (unterer Bauchraum).
  3. DIEP – Lappen : Auch hier wird Gewebe aus der Bauchregion verwendet, allerdings ohne Muskelanteile. Die Gefäße des Lappens werden mit den Gefäßen der Brustwand verbunden. Der großer Vorteil im Vergleich mit dem TRAM-Flap ist, dass in der Bauchdecke keine Defekte entstehen und so das Risiko der Entstehung einer Hernie (Narbenbruch) geringer ist.

Die großen Nachteile bei allen drei Varianten sind die Entstehung von relativ großen Narben und die deutlich längere Operations- und Narkosezeit. Dies macht sie für einige Frauen (zum Beispiel bei Herz- Kreislauferkrankungen) ungeeignet.

Zusammenfassend können wir sagen das es für alle Frauen die Möglichkeit gibt, die Brust wiederaufzubauen. Welche Technik letztendlich gewählt wird, muss im Gespräch zwischen Patientin und Operateur geklärt werden. Wichtig bei allen Formen des Brustwiederaufbaus ist, dass die Patientin keine unrealistisch hohen Erwartungen hat und über die eventuelle Notwendigkeit nachfolgender Operationen (zum Beispiel Angleichende Operationen der Gegenseite) aufgeklärt ist.
Letzte Aktualisierung am 28.08.2008.
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