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Haarig: Haarerkrankungen und Haarausfall nehmen zu

Lesezeit: 2 Min.

Hair 2004 - Haar-Kongress an der Charité: Graue Haare wachsen lassen

18.06.2004 - Trotz innovativer Haarkosmetik und medizinischem Fortschritt: immer mehr Menschen verlieren ihre Haare. Schuld daran sind neben Erbfaktoren vor allem die aggressive Umwelt und Stress. Etwa 20% der weiblichen Bevölkerung weisen schon im Alter zwischen 20 und 30 Jahren deutliche Haarlichtungen auf, ab 50 sogar 4 von 10 Frauen. Bei Männern ist der Verlust noch augenscheinlicher. Auf dem Kongress "Hair 2004", der noch bis morgen läuft, stellen 450 Wissenschaftler aus aller Welt neue Behandlungsmöglichkeiten vor.

"Wir haben eine Zunahme der Haarerkrankungen, bei denen Immunsystem verrückt spielt, so wie auch Allergien zunehmen“ konstatiert die Prof. Ulrike Blume-Peytavi, Leiterin des Klinischen Forschungszentrums für Haar- und Hautphysiologie an der Berliner Charité. Etwa die Hälfte ihre Patienten kommt wegen Krankheiten oder den Folgen der Behandlung, beispielsweise Chemotherapie.

Grauschopf unerwünscht


Die anderen suchen sie mit anlagebedingtem Haarausfall auf. Immer mehr Frauen bekommen schütteres Haar wie Männer, weil sie heute viel mehr Stress haben, etwa im Berufsleben, so Blume-Peytavi, und diese Stresshormone führen zu vermehrtem Haarausfall.

Seit drei Monaten ist mit Minoxidil ein Wirkstoff zugelassen, der gegen anlagebedingten Haarausfall hilft. Eigentlich war er als Blutdrucksenker gedacht und ist durch seine Nebenwirkungen aufgefallen - den Haarwuchs anzuregen. Auf die Kopfhaut aufgetragen, eignet er sich vor allem für Frauen. Sie konnten bisher andere Haarwuchsmittel oft nicht nehmen, wegen spezifischer Nebenwirkungen, von denen Männer verschont bleiben.

Minoxidil stimuliert den Gefäßstoffwechsel und wird in anderen Ländern schon sein Jahren erfolgreich angewendet. Bei jeder 3. Frau führt die Behandlung nach drei Monaten zu deutlich dichteren Haaren im Mittelscheitelbereich, der Region, die sich bei Frauen am ehesten lichtet. Die 2-prozentige Lösung verursacht nur sehr selten Nebenwirkungen.

Für Prof. Blume-Peytavi noch zu viel. Sie will das Übel direkt an der Wurzel packen, an der Haarwurzel besser gesagt. Ihr Forschungszentrum untersucht vor allem das "Follicular Targeting". Es geht den Wissenschaftlern darum, Moleküle mit speziellen Wirkstoffen direkt an die Haarfollikel zu bringen, in den Haarbalg also, der für die Neubildung des Haares verantwortlich ist.

Die nanometergroßen Molekülkapseln mit den Wirkstoffen werden auf die Kopfhaut aufgetragen. Je nach Größe sinken die Transportkapseln dann unterschiedlich tief in den Haarkanal hinab, bei Haarausfall etwa wird der untere Bereich des Haarbalgs angesteuert, bei Erkrankungen der Talkdrüsen, zum Beispiel Akne, der obere Teil.

Keine grauen Haare mehr? Auch das soll dann durch gesteuerte Pigmentbildung möglich sein: In drei bis fünf Jahren. Ein paar Jahre länger wird wohl die Verpflanzung von jungen undifferenzierten Haarzellen auf sich warten lassen, schätzt Professor Rolf Hoffmann vom "Dermaticum", einer Haut-Praxis in Freiburg: "Wo noch Haare sind, da werden Zellen isoliert, das sind Zellen der Haarwurzel, also Bindegewebszellen, und wenn man diese in einer Zellkultur anzüchtet, dann sind sie in der Lage, wieder zu sprießen."

Dort, wo der Dermatologe sie hin verpflanzt. Bei Mäusen hat es bereits geklappt. Auf ihren kahlen Ohren wachsen importierte Haare. Und auch die ersten menschlichen Selbstversuche in Großbritannien waren erfolgreich.

In etwa 5 bis 10 Jahren wird es möglich sein, diese Bindegewebszellen einfach in die kahlen Flächen auf dem Kopf zu spritzen und sie so "aufzuforsten", prognostiziert Hoffmann. Aus dem Hinterkopf gewonnenen Bindegewebszellen haben andere Eigenschaften als beispielsweise die ursprünglichen Zellen in den Geheimratsecken. Die Züchtungen trotzen dem Haarausfall besser. Warum, ist heute noch unklar. Bis zu 50.000 Zellen pro Quadratzentimeter könnten so in die kritische Kopfhaut verpflanzt werden und für dauerhaften neuen Haarwuchs sorgen. Hoffnung vor allen für Männer mit erbbedingten Lichtungen.
Letzte Aktualisierung am 29.06.2015.
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