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Blasenkrebs - was Betroffene darüber wissen sollten

Lesezeit: 4 Min.

Im Experteninterview klärt Dr. Ralph Oberneder über die Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung von Blasenkrebs auf

Blasenkrebs - was Betroffene darüber wissen sollten
Blasenkrebs - was Betroffene darüber wissen sollten

Das Chirurgie Portal hat sich mit Dr. Ralph Oberneder, einem erfahrenen Spezialisten der Urologischen Klinik in München-Planegg über die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten bei Blasenkrebs unterhalten. In diesem Interview äußert sich Dr. Oberneder ausführlich zu verschiedenen Fragen und gibt Einblick in die Behandlungspraxis.

Wodurch wird Blasenkrebs verursacht?

Dr. Oberneder: Welche Ursachen für den Blasenkrebs verantwortlich sind, ist noch nicht komplett erforscht. Gesichert ist jedoch, dass schädliche Umwelteinflüsse das Entstehen von Blasenkrebs begünstigen können. Dazu gehören insbesondere Zigarettenkonsum sowie der langjährige, intensive Kontakt mit aromatischen Aminen. Diese werden etwa bei der Herstellung von Lacken und Farben verwendet. Auch eine Tropenkrankheit kann – zumindest in seltenen Fällen – als Auslöser in Frage kommen. Bei der sogenannten Blasenbilharziose handelt es sich um eine Sonderform von Blasenkrebs. Weitere mögliche Ursachen können Chemotherapien oder Bestrahlungen im Bereich des Beckens sein.

In Deutschland entfallen übrigens zwischen zwei und drei Prozent aller Tumorerkrankungen auf Blasenkrebs, wobei etwa 20 von 100.000 Menschen alljährlich neu an Blasenkrebs erkranken. Rund 5.000 Menschen sterben pro Jahr an Blasenkrebs, wobei Männer dreimal so häufig betroffen sind wie Frauen. Der Altersgipfel liegt zwischen 50 und 70 Jahren.

Welche Warnsignale und Symptome machen sich bei Blasenkrebs bemerkbar?

Dr. Oberneder: Bei etwa 80 Prozent der betroffenen Patienten äußert sich Blasenkrebs dadurch, dass im Urin eine schmerzlose Blutbeimengung festgestellt wird. Zusätzlich verspüren die Betroffenen einen verstärkten oder häufigen Harndrang. Auch eine neu aufgetretene Nierenstauung, die sich per Ultraschall nachweisen lässt, zählt zu den Symptomen.

Wie lässt sich Blasenkrebs feststellen?

Dr. Oberneder: Werden bei einem Patienten lediglich unter dem Mikroskop vereinzelte rote Blutkörperchen festgestellt, kann mit speziellen chemischen Untersuchungen versucht werden, im Urin Krebszellen nachzuweisen. Die aktuellen Tests wie BTA oder NMP-22 sind allerdings nicht so spezifisch, dass auf eine Blasenspiegelung verzichtet werden könnte.

Um ein Blasenkarzinom durch den Urin nachzuweisen, gibt es außerdem eine molekular-biologische Methode. Durch diese lassen sich Zellen nachweisen, in denen es zu chromosomalen Veränderungen gekommen ist. Zwar haben diese Tests, etwa FiSH oder Urovisie, eine Spezifität von 96 Prozent, sie  können aber eine Blasenspiegelung zur Diagnostik nicht ersetzen. Diese gilt als aussagekräftigste Methode, um einen Blasentumor festzustellen. Eine noch bessere Aussagekraft wird durch die zusätzliche Anwendung der Fluoreszenztechnik erreicht. Um beurteilen zu können, inwiefern die oberen Harnorgane wie Harnleiter oder Nieren betroffen sind, muss neben einer Ultraschalluntersuchung auch eine Röntgenuntersuchung der Nieren unter Zuhilfenahme eines Kontrastmittels erfolgen. Gegebenenfalls – insbesondere bei Blasentumoren, die lokal ausgedehnt sind – empfehlen sich zusätzlich eine Untersuchung des Skeletts sowie eine CT- oder Magnetresonanztomografie-Untersuchung.

Wie lässt sich Blasenkrebs behandeln?

Dr. Oberneder: Die Behandlung von Blasenkrebs richtet sich nach der Art des Tumors. Zunächst einmal muss Tumorgewebe gewonnen werden, um den Verdacht auf eine bösartige Tumorerkrankung zu bestätigen. Dafür wird der Tumor mit Hilfe einer elektrischen Schlinge – ebenso wie bei einer Blasenspiegelung – durch die Harnröhre entfernt. Wie die weitere Therapie erfolgt, hängt davon ab, wie weit sich der Tumor bereits ausgedehnt hat sowie nach dem Grad der Bösartigkeit des Tumors und ob sich bereits Tochtergeschwulste gebildet haben. Dabei wird zwischen folgenden Typen unterschieden: Handelt es sich um ausgedehnte oder äußerst aggressive Tumore, erfolgt nach vier bis sechs Wochen eine erneute TUR-Blase, ebenso wenn ein Verdacht darauf besteht, dass Tumorzellen zurückgeblieben sind. Dabei wird kontrolliert, ob am Grund oder im Randbereich des Tumors noch Reste von Krebszellen vorhanden sind. Eine lokale Chemotherapie in der Harnblase kann sinnvoll sein, wenn der Tumor immer wiederkehrt oder er stärker ausgedehnt ist. Durch diese Chemotherapie, die ambulant durchgeführt wird, soll das Wiederkehren des Tumors verhindert werden.

Sofern festgestellt wird, dass der Tumor auch in die Blasenwand hinein wächst, lässt er sich durch die Harnröhre nicht entfernen. In diesem Fall ist eine Heilung nur durch die operative Entfernung der kompletten Harnblase möglich. Alternativ kann eine Strahlen- in Verbindung mit einer Chemotherapie durchgeführt werden – diese Option ist allerdings weniger erfolgreich als die Operation.

Welche Operationstechniken werden am häufigsten angewendet?

Dr. Oberneder: Als Operationstechniken werden die nicht kontinente sowie die kontinente Harnableitung genutzt. Bei ersterer werden im Bauchraum am tiefsten Punkt etwa 20 Zentimeter des Dünndarms ausgeschaltet und die Harnröhre an einem Ende eingepflanzt. Durch die Bauchwand wird das andere Ende des Darms ausgeleitet, es handelt sich also um einen künstlichen Blasenausgang.

Bei der kontinenten Harnableitung werden ebenfalls am tiefsten Punkt des Bauchraumes 50 bis 70 Zentimeter des Dünndarms ausgeschaltet und anschließend vernäht, sodass ein Reservoir entsteht. Bei dieser Variante wird kein künstlicher Ausgang geschaffen und der Harn kann auf natürlichem Weg abgeführt werden.

Worum handelt es sich bei der „Photodynamischen Diagnostik“ und welche Vorteile bietet diese?

Dr. Oberneder: Im Rahmen der photodynamischen Diagnostik, die in der Urologischen Klinik der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität entwickelt wurde, wird ein Farbstoff in die Harnblase eingebracht, der einen vorhandenen Tumor einfärbt. Dadurch lassen sich selbst kleinste Tumore erkennen und entsprechend behandeln.

Wie wird vorgegangen, falls Metastasen vorliegen?

Dr. Oberneder: Sofern der Blasenkrebs bereits Metastasen in anderen Organen gebildet hat, gilt die systemische Chemotherapie als beste Maßnahme dagegen. Dabei werden über eine punktierte Vene Zellgifte in den Blutkreislauf gebracht. Diese greifen sämtliche schnell teilenden Zellen innerhalb des Körpers an.

Welche Heilungschancen bestehen bei Blasenkrebs?

Dr. Oberneder: Sofern der Blasenkrebs in einem frühen Stadium festgestellt wird, gelten die Heilungschancen meist als sehr gut. Aber auch in späteren Stadien sind die Heilungschancen höher als bei allen anderen Krebsarten. Nach einer erfolgreichen Behandlung sind regelmäßige Nachuntersuchungen extrem wichtig.

Weitere Informationen unter:

Urologische Klinik - Urologen München-Planegg
Germeringer Straße 32
82152 Planegg
Tel. 089-85693-0
Fax 089-85693-2134
E-Mail: info@ukmp.de
www.ukmp.de

Letzte Aktualisierung am 04.04.2017.
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