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Augenerkrankungen - Was heißt eigentlich Uveitis?

Lesezeit: 3 Min.

Einige Fakten über die Entzündungen des Auges

19.08.2004 - Die Bezeichnung "Uveitis" ist ein Oberbegriff unterschiedlicher Augenerkrankungen, die mit einer Entzündung einhergehen. Der Begriff "Uvea" schließt die Regenbogenhaut, den Strahlenkörper und die Aderhaut ein, und stammt aus dem griechischen. Es bedeutet Traube, da die Aderhaut des Auges einer blauen Traube ähnelt. Diese Augenerkrankungen, die diese Strukturen betreffen können in jedem Lebensalter auftreten und haben sehr vielseitige Ursachen.

In Deutschland leiden ungefähr 500.000 Patienten an dieser Art von Krankheit, und es wird geschätzt, dass jährlich zwischen 8.000 und 15.000 Neuerkrankungen auftreten.

Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Uveitiden. Bei den primären entzündlichen Augenerkrankungen ist oft kein auslösender Ursache zu finden. Man führt diese Veränderungen am Auge auf eine autoimmunologische Faktor zurück. Hier richtet sich die Immunabwehr fälschlich gegen körpereigene Strukturen, insbesondere die des Auges.

Die sekundären Formen der Uveitis sind Folgen anderer Grunderkrankungen (zum Beispiel Rheuma),welche sich unter anderem am Auge bemerkbar machen.

40% aller Patienten haben eine primäre Uveitis. Bei solchen Patienten findet man keine weitere Erkrankung außer der Augenentzündung selbst. Die anderen 60% der Patienten haben Augenentzündungen als Folge oder Begleiterscheinung einer Systemerkrankung.

Man unterscheidet zwischen akuten (treten schnell auf, und können nur einmalig vorkommen) und chronischen Formen (mit schleichendem Anfang, Symptome länger als 3 Monate). Beide Formen können immer wieder (auch Jahre danach) in Form neuer akuter Entzündungsschübe auftreten. Auch hierbei kann eine rasche Therapieeinleitung einen Entzündungsschub oft mildern.

Die verschieden Uveitisformen werden je nachdem welcher Teil des Auges betroffen ist, klassifiziert werden vordere, mittlere und hinterer Uveitis. Bei der vorderen Uveitis ist die Regenbogenhaut und der Strahlenkörper entzündet. Infektionen oder entzündliche Systemerkrankungen sind die typische Ursachen dieser Erkrankung. Die intermediäre Uveitis beschreibt eine Entzündung des Glaskörperraums. Bei einer hinteren Uveitis ist die Aderhaut vorwiegend betroffen und wird oft keine Ursache gefunden.

Die häufigsten Symptome einer plötzlich auftretenden vorderen Uveitis sind: Starke Augenrötung, vermehrter Tränenfluss, gesteigertes Blendempfinden, Verschwommensehen, Augenschmerzen, etc. Bei langsamer Entwicklung ist eine allmähliche Sehverschlechterung, ein dichter werdender Schleier (bei der intermediären und hinteren Form der Uveitis) sowie eher mäßiger Rötung des Auges und kaum Augenschmerzen zu sehen.

Bei über 80% der Uveitiden bleibt die Ursache unbekannt. Manche Form der Uveitis können durch Bakterien (Tuberkulose, Syphilis, Borrelien),Viren (Herpes, Varizella, etc.),Pilze (Candida albicans) oder Parasiten (Toxoplasmose) hervorgerufen.

Schon der klinische Eindruck mit einer sorgfältigen Befragung des Patienten hilft dem Arzt bei der richtigen Diagnosefindung. Die genaue Untersuchung des Auges durch den Augenarzt an der Spaltlampe ermöglicht die Beurteilung des vorderen Augenabschnittes (Bindehaut, Lederhaut, Hornhaut, Vorderkammer und Linse),sowie die Messung des Augeninnendruckes.

Um den Augenhintergrund (Glaskörper, Sehnervkopf und Netzhaut) gründlich untersuchen zu können, muss der Augenarzt die Pupille mit Augentropfen erweitern. Andere Augenuntersuchungen mittels spezieller Geräte, sowie die Durchführung zusätzlicher allgemeinmedizinischer Untersuchungen und die Erhebung bestimmter Laborparameter (serologische Werte für Tuberkulose, Syphilis, Herpes, Borrelien, Toxoplasmose, Zellmustertypisierung wie HLA B27, Entzündungsparameter wie ANAS, ANCAS, etc.) führen zu einer genaueren Diagnose.

Eine frühzeitige Diagnose und Therapieeinleitung kann eine Verschlimmerung der Erkrankung aufhalten. Trotzdem kann es zu Veränderungen am Auge kommen, die in der Natur der Erkrankung liegen, die der Augenarzt versucht durch die Behandlung zu mildern: Verklebung zwischen Regenbogenhaut und vorderer Linse (sog. Hintere Synechien),frühzeitige Eintrübung der Linse (Katarakt). Die Katarakt kann als Komplikation einer langzeitigen Behandlung der Uveitis mit Kortison auftreten.

Aber auch die Entzündung an sich kann durch veränderte Nährstoffangebote im Auge eine Eintrübung der Linse hervorrufen. Der Augeninnendruck kann ansteigen (sekundäres Glaukom) und Schäden am Sehnervenkopf machen. Kalzium kann sich in der Hornhaut einlagern und zur einer bleibenden Trübung der Hornhaut führen (Bandkeratopathie),welche zu schlechtem Sehen führt. Eine Flüssigkeitseinlagerung an der Stelle des schärfsten Sehens (Makulaödem) kann zur Herabsetzung der zentralen Sehkraft führen.

Besteht die Gefahr einer Verklebung zwischen der Regenbogenhaut und Linse, wird die Pupille mittels Augentropfen (Mydriatika) erweitert. Dabei kann es übergangsweise zu einer vermehrten Blendung kommen. So lange diese pupillenerweiternden Tropfen notwendig sind, dürfen Sie kein Auto (bzw. LKW) selbst steuern. Denken Sie dabei bitte an sich selber und an andere.

Wenn der Augeninnendruck ansteigt, kann man das mit augendrucksenkenden Tropfen behandeln. Man versucht die auslösende Ursache der Uveitis, soweit sie bekannt ist, zu behandeln. Bakterielle Infektionen werden mittels Antibiotika Tabletten behandelt. Auch virale, mykotische (Pilze) und parasitäre Infektionen müssen in der Regel auch mit Tabletten oder Infusionen behandelt werden.

Gleichzeitig wird Kortison in Form von Augentropfen oder Tabletten verabreicht, um die begleitende Entzündung zu mildern. Bei chronischen Uveitiden werden manchmal Immunsystemabswächende Medikamente (Cyclosporin A, Metothrexat, etc.) notwendig, um eine aggressive Entzündung zu beenden. (PD Dr. Antonio Bergua, Oberarzt der Augenklinik der Universität Erlangen-Nürnberg)
Letzte Aktualisierung am 28.08.2008.
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