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Angeborene Tränenweg-Stenose

Lesezeit: 1 Min.

6% aller Neugeborenen unter einem unzureichenden Abfluss von Tränen durch verlegte oder verengte Tränenwege

07.11.2005 - In der Regel ist das Tränenwegssystem bei der Geburt vollständig entwickelt. Trotzdem leiden etwa 6% aller Neugeborenen unter einem unzureichenden Abfluss von Tränen durch verlegte oder verengte Tränenwege.

Die Tränen werden normalerweise durch das Tränenpünktchen auf der Lidkante aufgenommen und fließen durch die Tränenwege in die Nase und den Rachenraum ab. Bei den betroffenen Kindern ist das untere Ende des Tränenabflussweges (Ductus nasolacrimalis) durch eine Membran verlegt (Hasner-Klappe).

Dadurch kommt es zum Tränenstau, der dann zu einer Besiedelung der Tränenwege mit verschiedenen Keimen (Staphylokokken, Streptokokken, etc.) führen kann. Es kann außerdem zu immer wiederkehrenden - auch chronisch verlaufenden - bakteriellen Bindehautentzündungen kommen. Beim Druck auf den Tränensack entleert sich schleimiges oder eitriges Sekret aus den Tränenpünktchen. Darüber hinaus laufen bei den betroffenen Kindern die Tränen über die Wangen (Epiphora).

Was können die Eltern tun?

Zunächst sollte versucht werden, durch Massage die Verengung zu überwinden. Dazu müssen die Eltern mehrmals täglich mit der Fingerbeere vom inneren Lidwinkel beginnend an der Nase entlang abwärts massieren. Solche Massagen sollten viermal täglich durchgeführt werden. Wenn keine eitrige Entzündung vorliegt, ist auch keine Behandlung mit Antibiotika notwendig. Falls doch, werden über einen kurzen Zeitraum antibiotische Augentropfen (z.B. Ecolicin®) verordnet. In der Regel verschwinden die Beschwerden von alleine in den ersten sechs Lebensmonaten, da sich die Hasner-Klappe spontan öffnet.

Was sollte gemacht werden, wenn keine spontane Heilung auftritt?

Eine Tränenwegsspülung und Sondierung der ableitenden Tränenwege ist sinnvoll, wenn bis zum Alter von sechs Monaten keine Besserung eingetreten ist oder eine Entzündung des Tränensackes (Dakryozystitis) immer wiederkehrt. Die Spülung und Sondierung wird während eines kurzstationären Aufenthaltes durchgeführt, da dieser Eingriff bei kleinen Kindern eine kurze Vollnarkose erfordert.

Eine Nachbehandlung mit Antibiotika und schleimhaut-abschwellenden Augentropfen ist innerhalb kurzer Zeit (in der Regel 2 Wochen) abgeschlossen. Die Erfolgsrate der Sondierungen in unserer Klinik liegt bei mehr als 95%; selten müssen zusätzliche operative Maßnahmen durchgeführt werden. Dazu zählen die so genannte U-Intubation oder die Operation nach Toti (chirurgische Verbindung zwischen dem Tränenkanal und der Nase). (PD Dr. Antonio Bergua; Oberarzt der Uni-Augenklinik Erlangen)
Letzte Aktualisierung am 28.08.2008.
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