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Erfolgreiche Herztransplantation von "toten" Spenderherzen

Lesezeit: 2 Min.

Neue Konservierungs­technik erweitert das Spektrum für Spenderherzen

Zwei Patienten in Australien wurden in diesem Jahr erfolgreich Spenderherzen transplantiert, die etwa 20 Minuten lang organisch tot gewesen waren. Ermöglicht wurde dies durch eine  neue Technologie, die völlig neue Perspektiven in der Organtransplantation eröffnet. Die dafür notwendige Forschung geht auf gemeinsame Anstrengungen des Victor Chang Herzforschungsinstituts und des St. Vincent’s Hospital in Sydney unter Teamleiter Professor Bob Graham zurück.

Erfolgreiche Herztransplantation von "toten" Spenderherzen
Erfolgreiche Herztransplantation von "toten" Spenderherzen

Bislang war die Entnahme von Spenderherzen nur möglich gewesen, wenn der Hirntod eines Patienten festgestellt, das Herz aber aktiv war. Sobald das Herz aufgehört hatte, zu arbeiten, fehlte die Sauerstoffversorgung, das Herz wurde geschädigt, Herzzellen starben ab, das Organ eignete sich nicht mehr für eine Transplantation. Passende Herzen dagegen mussten entnommen, in Eis gepackt und innerhalb von vier Stunden dem Organempfänger transplantiert werden, um das Gewebe intakt zu halten.

Damit ein Herz erfolgreich transplantiert werden konnte, mussten viele unterschiedliche Bedingungen zugleich eintreffen, was die Auswahl in Frage kommender Spenderherzen stark einschränkte. Ein wichtiger Faktor war schlichtweg die Geographie: Auch ein perfektes Spenderherz schied aus, wenn es nicht innerhalb des verfügbaren Zeitfensters zum Organempfänger transportiert und implantiert werden konnte.

Selbst bei nur geringfügiger Gehirnaktivität kamen auch schwerkranke Patienten an lebenserhaltenden Systemen mit wenig Aussicht auf Wiederbelebung für eine Organspende nicht in Frage. Es obliegt allein den Angehörigen, zu entscheiden, ob die entsprechenden Geräte abgeschaltet und damit ein Herztod herbeigeführt wird. Fünf Minuten nach dem Aussetzen der Herzaktivität wird ein Patient offiziell für tot erklärt. Dann erst kann eine Organentnahme erfolgen.

Grahams Team entwickelte in den letzten 12 Jahren eine spezielle Flüssigkeit, die die Versorgung des Herzgewebes mit Sauerstoff sicherstellt und dieses damit funktionsfähig erhält. Ein Herz, das sich durch Sauerstoffmangel blau verfärbt hat, erhält durch das Einpumpen dieser Flüssigkeit seine normale rosa Farbe zurück und kann damit jederzeit künstlich wiederbelebt werden. Gelingt dies, ist das auch ein sicheres Zeichen für seine Funktionsfähigkeit nach einer Transplantation.

Erhält man das Spenderherz auf diese Weise funktionsfähig, verdoppelt sich das Zeitfenster für die Transplantation. Das erhöht wiederum die Chancen, ein perfekt passendes Organ zu finden und die Operation erfolgreich durchzuführen.

Zwei bereits „tote“ Herzen waren mit Grahams Geräten erfolgreich wiederbelebt und anschließend implantiert worden. Die Empfänger der Transplantate waren von akutem Herzversagen betroffen.
Beide Patienten sind in hervorragenden Zustand und überstanden auch die höchst kritische Zeit unmittelbar nach dem Eingriff problemlos, eine Phase, die für die ausführenden Chirurgen eine Phase höchster Anspannung ist.

Graham konstatierte, dass seine neue Methode auch in Ländern wie Japan zur Anwendung kommen könnte, wo „Gehirntod“ keine endgültige Definition für den Tod des Patienten ist und die Verfügbarkeit von Spenderherzen dementsprechend stark eingeschränkt ist.

Letzte Aktualisierung am 11.11.2014.
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