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Transplantationsfähige Blutgefäße in nur sieben Tagen im Labor erzeugt

Lesezeit: 2 Min.

Eine neue biomedizinische Technologie erweist sich als sicher und schnell

Ausschließlich mit Hilfe einiger Milliliter Blut gelang es Wissenschaftlern, in einer Petri-Schale funktionsfähige Blutgefäße in nur wenigen Tagen zu reproduzieren. Die beteiligten Ärzte transplantierten die vaskulären Fragmente bei drei Kindern mit einem angeborenen Gefäß-Defekt. Damit wurden die Sicherheit und praktische Durchführbarkeit einer neuartigen und überaus schnellen Prozedur der Bio-Technologie bewiesen und etabliert. Die Neuerung bedeutet einen großen Schritt für Eingriffe bei Gefäßerkrankungen, von denen weltweit alljährlich 25 Millionen Menschen betroffen sind. 

Transplantationsfähige Blutgefäße in nur sieben Tagen im Labor erzeugt
Transplantationsfähige Blutgefäße in nur sieben Tagen im Labor erzeugt

Vor drei Jahren gelang es der Transplantations-Biologin Suchitra Sumitran-Holgersson und dem Chirurgen Michael Olausson erstmals, neue Blutgefäße für eine Patientin zu entwickeln. Dieser fehlte eine Vene, die den Verdauungstrakt mit der Leber verband. Als erster Schritt war die Gewinnung einiger Stammzellen aus dem Knochenmark der Patientin notwendig, denn fremde Stammzellen werden in der Regel vom körpereigenen Immunsystem angegriffen. 

Der Eingriff als solcher verlief erfolgreich. Allerdings dauerte es einen vollen Monat, die benötigten Blutgefäße heranzuzüchten. Obendrein ist die Entnahme von Knochenmark zur Gewinnung von Stammzellen ein schmerzhafter und höchst unangenehmer Eingriff. 

Überzeugt davon, dass es einen besseren Weg geben müsste, startete das Wissenschaftler-Duo einen zweiten Versuch. Es gelang ihnen, Stammzellen aus Blutproben zu extrahieren. Nur 25 Milliliter Blut mussten den drei Kindern jeweils entnommen werden. Alle drei litten unter dem Fehlen notweniger Blutgefäße zwischen den inneren Organen, genau wie im Falle der ersten Patientin.

Nach der Isolation der notwendigen Stammzellen aus den Blutproben wurden diese verwendet, um ein Gerüst aus Blutgefäßen zu besetzen, das von einem anderen Spender stammte, aber keine von dessen Stammzellen enthielt. Bemerkenswerterweise dauerte es keine volle Woche, bis die jeweils individuellen Blutgefäße sich ausgebildet hatten. Das hohe Entwicklungstempo ist tatsächlich auf das dabei verwendete Blut zurückzuführen, denn dieses enthält Substanzen, die das Zellwachstum anregen. 

Die neuen Blutgefäße wurden dann den kleinen Patienten implantiert, so dass der Verdauungstrakt und die Leber perfekt und ungestört zusammenarbeiten konnten. Zwei der Kinder erholten sich sofort vollständig und hatten keine weiteren Beschwerden mehr, das dritte Kind befindet sich noch unter ärztlicher Beobachtung. 

„Wir glauben, dass sich diese Technologie weiter verbreiten und auch bei anderen Erkrankungen gute Dienste leisten kann, etwa bei varikösen Venen (Krampfadern) oder Myokard-Infarkten, immer dann, wenn neue Blutgefäße benötigt werden“, so Sumitran-Holgersson bei einer Pressekonferenz. „Wir träumen davon, auf diesem Wege eines Tages vollständige funktionsfähige Organe erzeugen und damit unabhängig von Organ-Spendern agieren zu können.“

B. Langrehr
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 03.11.2014
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