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Regenerative Herzklappen-Implantate erfolgreich im Einsatz

Lesezeit: 1 Min.

Europaweite Studie um die Herzklappen der Zukunft startet

An der Medizinischen Hochschule Hannover arbeitet man seit über 15 Jahren an einer Lösung für den Ersatz defekter menschlicher Herzklappen. Das Team von Professor Dr. Axel Haverich, dem Leiter der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Herzchirurgie, ist dabei europaweit führend.
Insbesondere bei angeborenen Herzklappenfehlern mussten viele Patienten wiederholt und mit großem Risiko operiert werden.

Herzklappen-Implantate erfolgreich im Einsatz
Herzklappen-Implantate erfolgreich im Einsatz

Die vier Herzklappen, je zwei auf jeder Herz-Seite, arbeiten vergleichbar mit Ventilen und regulieren den Zu- und Abfluss des Blutes zum und vom Herzen. Undichte oder verengte Herzklappen mindern die Leistungsfähigkeit des Organs und blockieren die Blutversorgung des Organismus. Die Herzklappen werden überdehnt, das Herz wird langfristig überanstrengt.

Beinahe eine Million Menschen allein in Deutschland leben mit einer künstlichen Herzklappe und nehmen entsprechend lebenslang gerinnungshemmende Medikamente ein. Auch Herzklappen-Transplantate von Mensch oder Tier werden eingesetzt. Doch die bisherigen Ersatz-Herzklappen halten oft nicht dauerhaft und sind nicht anpassungs- und leistungsfähig genug - es drohten Infektionsgefahr oder das Risiko von Abstoßungsreaktionen.

Professor Haverich und sein Expertenteam entwickelten nun eine Methode, menschliche Spenderklappen so zu modifizieren, dass die bei Transplantationen üblichen körpereigenen Abwehrreaktionen ausbleiben. Das Verfahren, im Fachjargon als Tissue Engineering bezeichnet, besteht darin, die vorhandenen Spenderklappen zu „de-zellularisieren“, d.h. nur noch das Stützgewebe wird für die Transplantation übernommen. Anschließend sorgen Körperzellen des Patienten dafür, dass das Transplantat vom Körper aufgenommen wird und das Gewebe sich vollkommen regeneriert.

Bereits bei 100 Patienten der MHH war dieser Eingriff bislang erfolgreich. Ersetzt wurde jeweils die Pulmonalklappe.
Aktuell läuft die ESPOIR-Studie europaweit an acht Zentren zur Behandlung angeborener Herzklappenfehler an – Espoir, französisch für „Hoffnung“, steht für European Clinical Study for the Application of Regenerative Heart Valves. Die neuen, regenerativen Herzklappen sollen dabei langfristig auf ihre Haltbarkeit und Leistungsfähigkeit überprüft werden. Die Studie wird über vier Jahre lang mit EU-Geldern in Höhe von 5,2 Millionen Euro unterstützt.

Auch im Rahmen der ESPOIR-Studie operierte man bereits die ersten beiden Patienten – ebenfalls an der MHH. Die regenerativen, dezellularisierten Spenderklappen ersetzten die defekten Lungenschlagaderklappen einer 56-jährigen Frau und eines siebenjährigen Jungen. Der Junge hatte bereits in sehr frühem Alter eine stark vergrößerte rechte Herzkammer entwickelt. Beide Patienten haben nun eine große Chance, keine weiteren Herzoperationen durchlaufen zu müssen.

B. Langrehr
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 25.09.2014
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