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Sepsis - die unterschätzte Gefahr

Lesezeit: 2 Min.

Bei schneller Diagnose gut behandelbar: Information kann Leben retten

Viele Menschen halten die Sepsis, landläufig als „Blutvergiftung“ bekannt, für eine Erkrankung aus den finsteren Zeiten vor der Erfindung moderner Desinfektionsmittel. Das ist ein fataler Irrtum. Alle vier Sekunden stirbt ein Mensch an Sepsis. In Deutschland sind es allein 60.000 pro Jahr, bei insgesamt etwa 160.000 Fällen. In einer exakten Sterbestatistik würde die Sepsis fast Herzinfarkt oder Darmkrebs als Todesursache überrunden.

Sepsis - die unterschätzte Gefahr
Sepsis - die unterschätzte Gefahr

Mehr und bessere Information über die Sepsis kann Leben retten, so die Vertreter der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Am 13. September 2014 soll der 2. Welt-Sepsis-Tag für diese gefährliche Erkrankung sensibilisieren.

Was genau ist Sepsis?

Sepsis ist nicht etwa identisch mit einer lokalen Blutvergiftung! Oberflächliche Verletzungen im Haushalt, nach Unfällen oder Verbrennungen können sie jedoch auslösen. Auch Infektionen wie Lungen-, Mandel- oder Harnwegsentzündung oder ein kranker Zahn machen den Organismus empfänglicher für gefährliche Bakterien, Viren oder Pilze.

Sind eindringende Keime besonders aggressiv und ist das Immunsystem einer Person geschwächt, kommt es möglicherweise zur Sepsis, einer allgemeinen Entzündungsreaktion, die den gesamten Körper betrifft.

Dabei weiten sich die Blut- und Lymphgefäßwände. Die Sauerstoffversorgung des Organismus bricht zusammen, denn die Körperflüssigkeit sammelt sich in den Gefäßzwischenräumen, leistet aber keine Transportfunktion mehr. Der Blutdruck sinkt im Verlauf rapide ab bis zum vollständigen Kreislaufzusammenbruch mit nachfolgendem Organversagen. Man spricht dann von einem septischen Schock, der in 60 Prozent aller Fälle tödlich verläuft.

Das Risiko, an einer Sepsis zu erkranken, ist für körperlich geschwächte Patienten nur wenig höher als für gesunde Personen. In Krankenhäusern trifft allerdings ein angeschlagenes Immunsystem häufig auf höchst angriffslustige Keime. Fallweise spielt auch die Genetik des Individuums eine Rolle.

Symptome und Behandlung

Symptome für eine Sepsis sind stark erhöhte Temperatur, die im Wechsel mit Schüttelfrost oder starkem Hitzeempfinden einhergeht und zu Schwächezuständen führt, zeitweise sogar zu geistiger Verwirrung. Ein rasender Puls bei gleichzeitig niedrigem Blutdruck ist ein deutlicher Hinweis für den Arzt. Sichere Aussagen liefert eine Blutuntersuchung: Im Fall einer Sepsis sind die Zahl der weißen Blutkörperchen und die Procalcitonin-Werte stark erhöht.

Bei Verdacht auf Sepsis zählt jede Minute. Infusionen gleichen den Flüssigkeitsverlust aus, der Blutdruck wird durch adrenalin-haltige Medikamente stabilisiert. Gezielte und hochdosierte Antibiotikagaben bekämpfen die bakteriellen Auslöser. Je schneller die intensive Behandlung, desto besser und rascher ist die Sepsis zu behandeln.

Schutz vor Sepsis

Eine Impfung gegen eine Infektion mit Pneumokokken, Erreger der Lungenentzündung, schützt vor allem Kinder oder ältere Menschen, Asthma-, Diabetes- oder Krebspatienten beispielsweise, deren Immunsystem geschwächt ist. Alle chronischen Entzündungserkrankungen, vereiterte Zähnen oder Mandeln, Harnwegs- und andere Infektionen etwa sollten möglichst schnell und gründlich behandelt werden, um das Risiko einer Sepsis auszuschalten.

Eine Tetanus-Impfung schützt nicht gegen eine Sepsis, sie verhindert lediglich den Wundstarrkrampf, eine Infektionskrankheit hervorgerufen durch das Bakterium Clostridium tetani.

B. Langrehr
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 14.08.2014
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