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Hoffnung für querschnittsgelähmte Patienten?

Lesezeit: 2 Min.

Neubildung zerstörter Nervenbahnen durch elektrische Impulse ins Rückenmark

Neue Hoffnung für viele Querschnittsgelähmte: In den USA und der Schweiz gelang es Expertenteams, über elektrische Impulse ins Rückenmark das Wachstum neuer Nervenverbindungen anzuregen. So konnten Patienten die Kontrolle über die gelähmten Körpersegmente stückweise zurückerobern.

Hoffnung für querschnittsgelähmte Patienten
Hoffnung für querschnittsgelähmte Patienten

Bislang mussten Mediziner davon ausgehen, dass in Fällen einer vollständigen Querschnittslähmung keine Heilung möglich ist. Versuche konzentrierten sich darauf, zerstörte Nervenbahnen operativ wieder zu verbinden oder aber neue Nervenzellen aus Stammzellen zu züchten.

Noch können die Test-Patienten am Zentrum für Rückenmarksverletzungen der Universität Louisville im Bundesstaat Kentucky nicht selbständig gehen, aber immerhin gewinnen sie einen Teil ihrer Beweglichkeit zurück, bauen wieder Muskulatur auf, können allmählich ihr eigenes Körpergewicht aus eigener Kraft aufrechthalten, Hüften, Beine und Zehen bewegen. Dieser Prozess wird oft sogar Jahre nach dem Unfall und dem Eintritt der Lähmung wieder in Gang gebracht.

Das Forscherteam in den USA setzte zu diesem Zweck ein Implantat ins Rückenmark ein: Von diesem aus werden Elektroimpulse in den Bereich unterhalb der für die Lähmung verantwortlichen Nervenunterbrechung ausgesendet. Das Implantat ersetzt dabei die Bewegungsreize, die normalerweise vom Gehirn ausgehen.

Schon vor drei Jahren wurden mit dieser Methode erste Versuche an drei Patienten durchgeführt, die nach Verkehrsunfällen querschnittsgelähmt waren. Dabei enthüllte das Rückenmark sein gewaltiges Regenerationspotential, so Studienautorin Claudia Angeli.

2012 erzielten auch Forscher an der Universität Zürich mit einem ähnlichen Ansatz bemerkenswerte Erfolge: Einer querschnittsgelähmten Ratte injizierten sie chemische Botenstoffe in den Bereich, in dem die Nervenbahnen zerstört waren. Darauf erhielt das Tier leichte Stromstöße im verletzten Rückenmarksabschnitt. Anschließend musste die Ratte zum Lauftraining „antreten“: Ein Apparat half ihr, ihr Gewicht zu tragen, den Drang zur Vorwärtsbewegung entwickelte sie jedoch stetig von alleine. Im Laufe der Übungen verbesserte sich die Bewegungsfähigkeit der Versuchsratte immer weiter.
Wachsen durch die Injektion, das Implantat und die Stromimpulse angeregt, die Nervenfasern wieder zusammen, funktioniert folgerichtig allmählich auch die Impulsleitung vom Gehirn zu den Gliedmaßen wieder, wie der Versuch beweist. So erhält der Patient die bewusste Kontrolle über die zuvor gelähmten Körperbereiche zurück. Ein Zeitplan für klinische Tests dieser Methode soll in Kürze aufgestellt werden.

Wichtig, so das Schweizer Team unter Grégoire Courtine, ist bei der Behandlung einer Querschnittslähmung offenbar die Kombination aus den elektrischen Impulsen und dem Bewegungstraining, um die Neubildung zerstörter Nervenbahnen wieder in Gang zu setzen.
Grundsätzlich, so beweisen die Forschungsergebnisse der letzten Jahre, scheint auch eine Querschnittslähmung reversibel zu sein, der Weg erweist sich als vielversprechend.

B. Langrehr
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 28.04.2014
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