Youtube
Folgen Sie uns auf  

Homöopathie ohne Wirkung?

Lesezeit: 2 Min.

Kontroverse Meinungen zu einer alternativen Heilmethode

Viele Mediziner lehnen die Homöopathie entschieden ab und bezeichnen ihre Anwendung sogar als ethisch fragwürdig. Doch der allgemeine Trend geht zu alternativen Heilmethoden.
Das gründliche Erstgespräch beim Arzt, die Anamnese, geht tatsächlich auf den Begründer der Homöopathie zurück. Der Arzt Samuel Hahnemann praktizierte erfolgreich gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als das gängige medizinische Repertoire sehr begrenzt war. In der Anamnese versucht der homöopathische Arzt, die gesamte Verfassung und die Krankheitsauslöser beim jeweiligen Patienten möglichst exakt zu ermitteln, um danach das entsprechende Heilmittel auszuwählen.

Homöopathie ohne Wirkung?
Homöopathie ohne Wirkung?

Hahnemann ging unter anderem von der Idee aus, dass Substanzen, die beispielsweise Fieber auslösen, dieses auch wieder heilen können. Nach diesem Prinzip versuchte er, die Verfassung seiner Patienten zu beeinflussen: Mit winzigen Dosen der jeweils ausgewählten, wirksamen Substanz setzt der Homöopath dem Körper quasi Impulse, die eigenen Heilkräfte zu aktivieren. Verabreicht werden diese Medikamente hochverdünnt als Tropfen oder wahlweise als Zuckerkügelchen, Globuli genannt.

In einer aktuellen Studie, durchgeführt von der australischen Gesundheitsbehörde National Health and Medical Research Council (NHMRC) wurden 234 Studien über homöopathische Heilverfahren aus den Jahren 1997 bis 2013 unter die Lupe genommen. Geprüft wurde die Wirkung homöopathischer Mittel beispielsweise gegen Durchfall, Angst-Attacken, Erkältung, zur Nachbehandlung von Schmerzen nach zahnärztlichen oder orthopädischen Operationen, gegen Warzen, Migräne und Asthma.

Das niederschmetternde Fazit dieser wie auch anderer Erhebungen zum Thema: Eine Wirkung der Heilmittel ließ sich nicht nachweisen. Studien, die das Gegenteil dokumentierten, seien allesamt nicht nach wissenschaftlichen Standards durchgeführt worden, hätten keine repräsentative Probandenzahl vorzuweisen, oder es fehlte eine Kontrollgruppe, die Placebos erhielt. Selbst positiv verlaufene Studien hätten sich nicht entsprechend wiederholen lassen.

An der Berliner Charité dagegen existiert sogar ein Lehrstuhl für Komplementärmedizin, finanziert von einer Stiftung zur Förderung der Naturheilkunde und Homöopathie. Stefan Willich, Leiter des Instituts, bestätigt, dass sich bei herkömmlich aufgebauten Studien nicht immer die erwarteten Ergebnisse einstellen. Dennoch glaubt er an die Wirksamkeit der Homöopathie. Wer die „Materia Medica“ beherrscht und über viel Erfahrung verfügt, kann damit erfolgreich behandeln. Auch in der Tierheilkunde wird die Methode gerne eingesetzt: Hier entfällt der häufig unterstellte Placeboeffekt. Homöopathie hilft oft bei leichteren oder chronischen Beschwerden und unterstützt manche konventionelle Behandlung. Sich jedoch in schweren und akuten Fällen allein auf homöopathische Methoden zu versteifen, kann sogar gefährlich werden.

Umfragen bestätigen, dass 62 Prozent aller Deutschen sich angesprochen fühlen, wenn Allgemeinmediziner alternative Heilmethoden anbieten. Was vor allem überzeugt: Homöopathen und Naturheilkundler investieren viel Zeit in das Gespräch mit dem Patienten. Eine entsprechende Expertise ist für Kranke ein Signal, dass dieser Arzt den ganzen Menschen untersucht und behandelt und sich nicht nur auf eine reine Symptombekämpfung beschränkt. Wer sich ernst genommen und mit Empathie behandelt fühlt, gesundet schneller: Diese Tatsache wurde tatsächlich bereits mehrfach wissenschaftlich bestätigt.

B. Langrehr
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 17.04.2014
War dieser Artikel hilfreich?