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Ohrentropfen nach operativer Paukendrainage

Lesezeit: 2 Min.

Auch bei äußerlich anwendbaren Antibiotika-Tropfen ist Abwarten oft die bessere Option

Hartnäckige Mittelohrentzündungen treten bevorzugt bei Kindern auf. Bei ständigen Schwellungen in der Paukenhöhle unmittelbar hinter dem Trommelfell füllt sich diese mit Sekret, eine Erscheinung, die als Paukenerguss bezeichnet wird. Auch der Bereich zwischen Mittelohr und Rachen kann verstopfen. Wenn sich der Paukenerguss über längere Zeit hinzieht, kann er das Hörvermögen und bei Kleinkindern sogar die Sprachentwicklung vorübergehend beeinträchtigen.

Ohrentropfen nach Paukendrainage
Ohrentropfen nach Paukendrainage

Einig Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten raten daher zum operativen Einsatz eines Paukenröhrchens, eines winzigen Tubus, der die Belüftung des Innenohrbereichs sicherstellt und das Hörvermögen verbessert. Dazu wird unter Vollnarkose eine Parazentese, ein millimetergroßer Schnitt ins Trommelfell ausgeführt und das Röhrchen aus Kunststoff oder Metall eingeführt. Je nach Material und Ausführung werden diese Paukenröhrchen nach einigen Monaten vom Körper abgestoßen oder verbleiben permanent im Trommelfell.

Auch wenn diese Praxis umstritten ist, weil sich die Beschwerden ebenso wie das beeinträchtigte Hörvermögen meist auch ohne den Eingriff bessern, wird dieser dennoch häufig durchgeführt, allein in den USA alljährlich über 600.000 Mal. Nach dem Eingriff fließen meist für einige Wochen unangenehm riechende Wundflüssigkeit oder Schleim ab.

In einer aktuellen repräsentativen Studie an 230 Kindern im Alter zwischen 1 und 10 Jahren wurde nun die Wirksamkeit von antibiotischen Ohr-Tropfen nach dem Setzen von Paukenröhrchen belegt.

Die Kinder wurden im Test nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen unterteilt: Eine Gruppe erhielt die antibiotischen Ohrentropfen, eine bekam Antibiotika oral verabreicht, die dritte Gruppe wurde lediglich beobachtet.
Nach etwa zwei Wochen hatten nur noch etwa fünf Prozent der Kinder, die mit Ohrentropfen behandelt wurden, weiterhin Ausfluss, verglichen mit 44 Prozent aus der Gruppe, die Antibiotika oral eingenommen hatten und 55 Prozent aus der Gruppe, die man gar nicht behandelt hatte.

Studienleiter Dr. Thijs M. A. van Dongen von der Universitätsklinik Utrecht in den Niederlanden betont, dass dies bislang die erste Studie ihrer Art ist, die dokumentiert, ob und wie Kinder in dieser Situation zu behandeln sind.

Kinder, die nicht in den ersten 18 Tagen behandelt wurden, litten insgesamt etwa 18 Tage lang unter Ausfluss und Beschwerden. Kinder, die Tropfen erhielten, waren bereits nach fünf Tagen beschwerdefrei, bei Behandlung mit oralen Medikamenten hielt der Ausfluss aus den Ohren etwa 13,5 Tage lang an. Auch die Rückfallquote war bei den Kindern, die zeitnah nach Auftreten der Symptome Tropfen erhalten hatten, extrem niedrig.

Auch Abwarten ist also eine Option: Wenn Kinder keine Beschwerden haben und gut schlafen können, sind die relativ teuren Tropfen im Grunde überflüssig. Denn obwohl im Vergleich zu oralen Antibiotika keine Resistenz oder Magen-Darm-Probleme zu befürchten sind: Bei übermäßiger Benutzung können die antibiotischen Tropfen zu hartnäckigen Pilzinfektionen im Gehörgang führen.
Für Kinder mit Paukenerguss, denen kein Röhrchen gesetzt wurde, sind die Tropfen sogar vollkommen überflüssig, denn ohne die Kanüle kann das Medikament gar nicht in den Bereich hinter dem Trommelfell gelangen.

B. Langrehr
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 04.03.2014
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