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Neues chirurgisches Pflaster

Lesezeit: 2 Min.

Ein Klebstoff, für den ein Parasit Pate stand, könnte schon bald helfen, das Risiko bei Hauttransplantationen zu verringern.

Der Biotechnologe Jeffrey Karp findet seine Inspiration häufig an ungewöhnlichen Orten. Vor ein paar Jahren saß er mit einigen Kollegen nachmittags in seinem Büro und recherchierte im Internet zum Thema Parasiten. Karp, außerordentlicher Professor an der Harvard Medical School und Brigham and Womens Hospital, hoffte, einen neuen medizinischen Klebstoff zu entwickeln. Ein Hilfsmittel zur besseren Wundversorgung für feuchte Weichgewebe, wie sie den Darm auskleiden oder bei Brandwunden zu finden sind.

Neues chirurgisches Pflaster
Neues chirurgisches Pflaster

In einer Veröffentlichung wurde das Forscherteam um Karp auf Kratzwürmer (Pomphorhynchus laevis) aufmerksam, die in den Eingeweiden von Fischen leben. Eine elektronenmikroskopische Abbildung zeigte einen solchen Wurm: Um sich in seinem Wirt festzuhaken, besitzt der Parasit einen stacheligen Rüssel, der anschwillt und sich dann fest in den Darm des Fisches bohrt.

Anhand dieser Beobachtungen entwickelte das Forscherteam um Karp ein neues Klebepflaster, an dem Tausende von Mikronadeln befestigt sind. Kommen die Nadeln mit Wasser in Kontakt, quellen die Spitzen auf.

Für die Herstellung der Mikronadeln verwendeten die Forscher zwei Materialschichten: Die Kerne sind aus Polystyrol. Die äußere Schicht an der Spitze besteht aus einer Kombination von Polystyrol und superabsorbierender Polyacrylsäure, das bei Kontakt mit Flüssigkeit stark anschwillt. Erfolgreich getestet wurden die Mikronadeln bereits in einem transparenten Agarosegel, in rohem Hühnerfleisch und schließlich in Schweinehaut.

Doch wo kann man die neue Technologie nutzbringend einsetzen?

Hier half Karp die Begegnung mit einem plastischen Chirurgen weiter: Bodham Pomahac war an der ersten vollständigen Gesichtstransplantation in den USA beteiligt. Er regte an, dass das neue Material für die Behandlung von Brandopfern gut geeignet sei.

Bei Hauttransplantationen besteht das Risiko, dass das Transplantat sich nicht ausreichend mit dem darunterliegenden Gewebe verbindet, auch kann es zu einer Flüssigkeitsansammlung unter der transplantierten Haut kommen oder zu einer Infektion. Alle drei Risikofaktoren könnten mit der neu entwickelten Technologie verringert werden.

Derzeit wird transplantierte Haut meist genäht oder geklammert. An Stellen, wo die Haut nicht komplett aufliegt, kann sich Flüssigkeit sammeln. Während Nähte und Klammern die Haut nur an den Seiten festhalten, können die Mikronadeln die Haut an mehreren Punkten fixieren. Die Versuche mit Hühnerfleisch und Schweinehaut haben gezeigt, dass sich Haut, die mit Mikronadeln befestigt wird, seltener löst als bei den herkömmlichen Methoden. Auch injizierte Bakterien hatten durch die vielen Fixierungspunkte weniger Möglichkeiten, sich auszubreiten.

Die quellfähigen Spitzen der Mikronadeln können zudem medizinische Wirkstoffe aufnehmen. Diese trocknen dann wieder aus und erst wenn sie mit Wasser in Berührung kommen, geben sie den Wirkstoff wieder frei. So können mithilfe der Mikronadeln auch entzündungshemmende Medikamente in die transplantierte Haut abgegeben werden.

Karp und seine Kollegen werden die neue Methode jetzt an lebenden Schweinen und schließlich am Menschen testen. Auch in der Inneren Medizin, z.B. bei Darmoperationen könnte sich die neue Technologie als hilfreich erweisen.

U. Kohaupt Ursula Kohaupt
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 05.08.2013
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