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Genetischer Faktor ausschlaggebend für den Erfolg von Adipositas-Chirurgie?

Lesezeit: 2 Min.

Magenbypass oder Magenband: Über die Wirksamkeit entscheidet ein Chromosom

Ein genetischer Faktor bestimmt über Erfolg oder Misserfolg von Adipositas-Chirurgie, das heisst, über das Resultat von Magenbypass oder Magenband.
Mehr als ein Drittel aller Erwachsenen in den USA und knapp ein Viertel aller Deutschen gelten als stark fettleibig. Viele Betroffene lassen sich nach erfolglosen Diäten, vor allem, wenn massive Stoffwechselprobleme ein normales Abnehmprogramm behindern, ein Magenband oder einen Magenbypass setzen. Damit soll der Gewichtszunahme Einhalt geboten werden. Technisch gesehen wird der Magen dabei durch eine Operation verkleinert beziehungsweise der Weg der Fettverdauung wird künstlich verkürzt.

Genetischer Faktor ausschlaggebend für den Erfolg von Adipositas-Chirurgie
Genetischer Faktor ausschlaggebend für den Erfolg von Adipositas-Chirurgie

Neueste Ergebnisse einer Untersuchung von Genomen (Chromosomensätzen) wurde Anfang Mai in The American Journal of Human Genetics veröffentlicht. Bei der Studie stellte sich heraus, dass sich der Gewichtsverlust nach einem solchen Eingriff je nach Vorhandensein einer bestimmten Variante des Chromosoms Nr. 15 gut vorhersagen lässt. Diese Entdeckung erklärt die großen Unterschiede beim Erfolg des Magenbandes und hilft Medizinern, vorab zu bestimmen, wer von dem Eingriff wirklich profitiert und wer nicht.

Die Operation ist oft die letzte Chance gegen krankhafte Fettleibigkeit. Allerdings handelt es sich dabei um einen massiv invasiven Eingriff. Und nicht alle Patienten profitieren gleichermaßen davon, sagt der Leiter der Studie, Lee Kaplan vom Massachusetts General Hospital und der Harvard Medical School. „Es wäre hilfreich, wenn man bereits vorab die Patienten bestimmen könnte, die nach der Operation wirklich nachhaltig Gewicht verlieren.“

Wer sich ein Magenband oder Magenbypass setzen lässt, verliert im Durchschnitt zwischen 35 und 40 Prozent des Ausgangsgewichtes und schafft es im Anschluss, die neue Form auch zu halten. Tatsächlich treten jedoch bei vielen Patienten starke Schwankungen auf. Der Gewichtsverlust fällt bei ihnen um ein bis zu Vierfaches geringer aus als erwartet. Bislang war es den Mediziner ein Rätsel, was den Erfolg des Eingriffs so ungewiß macht.

Um nun diverse genetische Faktoren herauszufiltern, die dabei möglicherweise eine Rolle spielen, untersuchten Kaplan und sein Team die Chromosomensätze von über 1000 Patienten, die ein Magenband oder einen Magenbypass erhalten hatten. Sie fanden heraus, dass Individuen mit einer speziellen Variante von Chromosom 15 im Durchschnitt 39 Prozent ihres Körpergewichts verloren, während Patienten ohne diese Chromosomenvariante oft weniger als 30 Prozent ihres Gewichts los wurden.

Mit dieser Untersuchung gelang es erstmals, die genetischen Faktoren einer Gewichtsabnahme nach der Bypass-Operation zu identifizieren, so Kaplan. Bisher war auch nicht bekannt gewesen, dass die identifizierten Gene überhaupt mit der Steuerung des Körpergewichts oder der Ausbildung von Übergewicht in Verbindung stehen. Nun, da sie sozusagen entdeckt sind, eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten, starkes Übergewicht, Diabetes und andere Stoffwechselstörungen zu therapieren.

B. Langrehr
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 23.07.2015
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