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Sind Schlafstörungen genetisch bedingt?

Lesezeit: 1 Min.

Schlaflosigkeit ist weit verbreitet. Während einige nur gelegentlich unter Schlafstörungen leiden, sind andere chronisch davon betroffen. Für sie könnte jetzt Hilfe nahen – indem man Schlafstörungen genetisch entschlüsselt.

Ein gesunder Schlaf gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen, um psychisch und physisch leistungsfähig zu sein. Doch rund ein Drittel der Menschen leidet gelegentlich oder ausdauernd unter Schlafstörungen: Einige schlafen unruhig oder nur in kurzen Intervallen. Andere wachen bei der kleinsten Störung auf. Wieder andere sind um vier Uhr morgens putzmunter und demzufolge um vier Uhr nachmittags bereits wieder erschöpft.

Schlafstörungen galten bislang als Folge von psychischem Stress, von Schichtarbeit oder Jetlag. Auch wenn dies häufig der Fall ist, sind Wissenschaftler nun einer neuen Erkenntnis auf der Spur: Neurowissenschaften ermöglichen es, Gehirnaktivitäten zu erkennen und zu messen. Diese weisen auf genetische Spuren der Schlaflosigkeit hin. Wissenschaftler versuchen nun diese Schlaflosigkeitsgene zu entschlüsseln. Mindestens sechs oder mehr verschiedene Arten von Schlafstörungen sollen mit den Genen im Zusammenhang stehen.

Einer der Forscher ist Eus van Someren, Leiter der Schlafforschung am Niederländischen Institut für Neurowissenschaften und einer der weltweit führenden Experten im Identifizieren dieser Gene. Seiner Theorie zufolge gehen die Schlaflosigkeitsgene zurück auf unsere Vorfahren. Zu Zeiten der Jäger und Sammler war es wichtig, dass ein oder zwei Mitglieder eines Stammes wach blieben und Wache hielten, um die Schlafenden vor einem Angriff zu schützen.

Van Someren hat in seiner Datenbank 10.000 Schlaflose gespeichert, die er nach ihren Schlafgewohnheiten befragt und - je nach Art ihrer Schlafstörung - in Gruppen unterteilt. Diejenigen, die am massivsten von Schlafstörungen beeinträchtigt sind, werden einem Blut- und Speicheltest unterzogen, um herauszufinden, welche Gene sie gemeinsam haben.

Schlafstörungen entwickeln sich meist erst im Erwachsenenalter. Kinder sind selten davon betroffen, wohingegen unter den 60-jährigen fast 40 Prozent darunter leiden. Eine Häufung innerhalb der Familie lässt auf eine genetische Verbindung schließen.

Schlafstörungen sind nur schwer zu behandeln. Wenn alle Hausmittel nicht helfen, sind Schlaftabletten häufig der letzte Ausweg aus dem permanenten Schlafentzug. Doch das Risiko von Schlaftabletten abhängig zu werden, ist groß; sie sollten nicht länger als vier Wochen eingenommen werden. Gute Ergebnisse werden mit kognitiver Verhaltenstherapie erzielt. Hier lernen Betroffene in erster Linie, das nächtliche Gedankenkarussell zu kontrollieren.

Mit einer weiteren Erforschung der Zusammenhänge von Schlafstörungen und Genen könnte man schon in naher Zukunft in der Lage sein, Schlafprobleme wirksamer zu behandeln.
U. Kohaupt Ursula Kohaupt
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 19.09.2012
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