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Antibiotika und ihre Wirkung auf unsere Gesundheit

Lesezeit: 2 Min.

Antibiotika retten Leben. Aber sie sind nicht nur Heilsbringer: Sie können dick und krank machen – sagen Forscher.

Zweifellos können Antibiotika bei schweren Infektionen ein Segen sein, andererseits wurden sie viele Jahre lang relativ sorglos verschrieben. Inzwischen ist man vorsichtiger geworden, denn Antibiotika sind ein hocheffizientes Exekutionskommando. Sie töten nicht nur die schädlichen Krankheitserreger sondern auch die wichtigen Mikroorganismen, die den Darm besiedeln und dem Erhalt der Gesundheit dienen. Darmbakterien sind wichtig für die Verdauung komplexer Kohlenhydrate, helfen Infektionen abzuwehren und schützen sogar vor Autoimmunerkrankungen.

Antibiotika und unsere Gesundheit
Antibiotika und unsere Gesundheit

Die Einnahme von Antibiotika ist das Ende einer gesunden Darmflora. Martin Blaser von der New York University beschäftigt sich seit längerem mit dem Zusammenhang zwischen Übergewicht und Antibiotika. Häufige Antibiotika-Gaben bewirken, dass die Darmflora nie wieder wirklich ins Gleichgewicht kommt. Studien haben gezeigt, dass die Darmflora von Übergewichtigen zu einem Drittel häufiger aus dem Lot gekommen ist, als die von Normalgewichtigen. Die Bakterienbesiedlung im Darm dicker Menschen ist auffällig weniger artenreich.

Der chinesische Mikrobiologe Dr. Zhao Liping konnte in einem Selbstversuch Ähnliches nachweisen. Selbst stark übergewichtig entschloss er sich dazu, abzunehmen. Bei der Untersuchung seiner Stuhlprobe stellte er unter anderem fest, dass das natürliche Darmbakterium Faecalibacterium prausnitzii, dessen entzündungshemmende Wirkung nachgewiesen ist, bei ihm kaum nachweisbar war. Später, 25 Kilo leichter, wies sein Stuhl eine wesentlich größere Vielfalt an Bakterienstämmen auf und auch F.prausnitzii hatte sich deutlich vermehrt. Eine gesunde Darmflora scheint also auch mit einem gesunden Gewicht in Zusammenhang zu stehen. Weitere Studien stehen noch aus.

Besonders häufig kommen Antibiotika im Kampf gegen das Bakterium Helicobacter pylori zum Einsatz. Der Keim wird für eine Reihe von Magenerkrankungen verantwortlich gemacht, von der Gastritis über das Magengeschwür bis hin zu Magenkrebs. Wird er diagnostiziert, wird er, je nach Schwere der Erkrankung, mit einer intensiven Antibiotika-Kur bekämpft. Forscher geben jetzt zu bedenken, dass H.pylori nicht ausschließlich schädlich ist. Unter anderem regelt der Keim das appetitanregende Hormon Ghrelin, das in der Magenschleimhaut produziert wird. Wird H.pylori vernichtet, steigt die Ghrelin-Produktion und damit das Hungergefühl. Auch hier wird wieder eine Verbindung mit daraus möglicherweise resultierendem Übergewicht gesehen.
Gerade die Darmflora von Kindern bis zum dritten Lebensjahr reagiert besonders empfindlich auf die Gabe von Antibiotika. Neuere Forschungen kamen zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von Antibiotika mit der Entwicklung der Lungenkrankheit Mukoviszidose im Kindesalter in Zusammenhang steht. Bei älteren Menschen steigt nach Antibiotika-Gaben die Wahrscheinlichkeit von Infektionen.

Ein weiteres Problem, das durch vermehrte Antibiotika-Gaben entsteht, ist die Bildung multiresistenter Bakterienstämme. Antibiotika-Resistenz ist ein Problem ernstzunehmenden Ausmaßes.

Auch wenn noch eine ganze Zahl ausführlicher Studien notwendig sein wird, so steht zweifelsfrei fest, dass Antibiotika das Gleichgewicht in den Eingeweiden erheblich stören. Eine Vielfalt von Bakterien im Darm ist eine gute Garantie dafür, dass schlechte Bakterien erfolgreich in Schach gehalten werden.

Verschiedene Nahrungsmittel fördern eine positive Veränderung der Darmflora. Eine ausgewogene Ernährung ist immer noch das beste, um das Immunsystem zu stärken. Eine gesunde Abwehr wird in den allermeisten Fällen mit einer Infektion fertig. Die Einnahme von Antibiotika will stets gut überlegt sein.

U. Kohaupt Ursula Kohaupt
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 30.08.2012
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