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Testosteron-Spritze oder Anti-Baby-Pille für den Mann

Lesezeit: 2 Min.

Wird Verhütung bald Männersache?

Dem Mann bieten sich bislang nur zwei Möglichkeiten, zu Verhütung und Familienplanung beizutragen: Die (oft unsichere) Benutzung eines Kondoms oder eine Vasektomie, die operative Durchtrennung der Samenleiter.

Verhütungsmethoden des Mannes
Verhütungsmethoden des Mannes

Dagegen verhindern die zahlreichen Pillen oder Implantate für die Frau eine Empfängnis zuverlässig und ihre Wirkung ist reversibel, allerdings mit reichlich Risiken und Nebenwirkungen verbunden.

Eine einzige Eizelle lässt sich jedoch leichter kontrollieren als die 100 Millionen Spermazellen, die ein Mann täglich produziert, ein Grund dafür, warum der Wunsch nach einem Verhütungsmittel für den Mann bisher noch nicht erfüllt werden konnte. Dass Nachfrage besteht, beweisen alljährlich viele tausend Vasektomien. Forscher sind fieberhaft auf der Suche verfolgen dabei ganz verschiedene Ansätze. Die Aufgabe ist schwierig, die Ansprüche der potentiellen Anwender bezüglich Anwendungssicherheit und Nebenwirkungsfreiheit sind hoch.

Die Testosteronspritze

Testosteron ist ausschlaggebend für die Spermaproduktion, jedoch quittiert der Körper auch einen zeitweisen Überschuss mit einem Einstellen der Keimzellen-Produktion. Eine monatliche Testosteronspritze, wie sie in China bereits an 1.000 Männern getestet wurde, garantiert nach einer 3-monatigen Anlaufzeit eine hohe Verhütungssicherheit. Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen, verminderte Libido und Akne sowie die monatlichen Injektionen schreckten ein Drittel der Versuchsteilnehmer ab. Auch andere Probleme in Punkto Wirksamkeit konnten noch nicht zufriedenstellend gelöst werden.

Ultraschallbehandlung der Hoden

Schon 15 schmerzlose Minuten Bestrahlung mit Ultraschall könnten sechs Monate Verhütung garantieren, fanden Wissenschaftler heraus. Denn dabei werden die Zellen abgetötet, die das Sperma produzieren. Mehrfachbehandlungen in Intervallen könnten eine dauerhafte Sterilisation zur Folge haben. Nebenwirkungen wie bei Hormonpräparaten seien nicht zu erwarten.

Erprobt wurde dieses Verfahren bislang jedoch nur an Ratten und Mäusen. Wie wirksam oder schädlich diese Methode letztlich ist, muss erst noch in weiteren Tests nachgewiesen werden, so Dr. James Tsuruta von der University of North Carolina, USA.

Die Pille für den Mann?

Ein Wirkstoff namens BMS 189453 blockiert die Verwertung von Vitamin A, das für die Spermaproduktion unverzichtbar ist. Bis tatsächlich kein Sperma mehr gebildet wird, vergehen zwei bis vier Wochen, bei Absetzen des oral einzunehmenden Medikaments wäre jedoch die Fruchtbarkeit sofort wieder gegeben.

Langzeitstudien bezüglich Wirksamkeit und Verträglichkeit stehen allerdings noch aus und sind dringend notwendig: Vitamin A ist nämlich auch für die Sehfähigkeit ausschlaggebend.

Am King’s College in London arbeitet man an einer Pille, die den Spermaausstoß verhindert. Dabei machte man sich die Nebenwirkungen bestimmter Blutdruckmedikamente und Antidepressiva aus den 60iger Jahren zunutze: Deren Wirkstoffe lähmen zeitweise die Muskeln, die für die Ejakulation verantwortlich sind, beeinträchtigen die sexuelle Leistungs- oder Empfindungsfähigkeit jedoch nicht. Die Wirkung tritt nach drei Stunden ein und hält zwei Tage lang an.

Das Mittel könnte in Abstimmung mit der Partnerin nach Bedarf eingesetzt werden. Bei entsprechendem Forschungsaufwand könnte dieses Produkt innerhalb der nächsten 10 Jahre auf den Markt kommen.

Gelinjektion

Ein Gel wird in den Samenleiter im Skrotum gespritzt, wo es die Innenwände des Gefäßes auskleidet und verengt, so dass bei einem Samenerguss weniger Sperma freigegeben wird. Wirkstoffe im Gel zerstören zudem die Zellmembranen der Keimzellen, die nun nicht mehr befruchtungsfähig sind.

Getestet wurde das Gel bereits in Indien und in den USA und erwies sich als sehr sicheres Verhütungsmittel. Allerdings wurden Hodenschwellungen beobachtet, und noch wird die Toxizität des Produktes diskutiert.

Trotz dieser und anderer vielversprechender Ansätze wird man wohl nocheinige Jahre lang vergeblich auf das ideale Verhütungsmittel für den Mann warten müssen.

B. Langrehr
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 02.08.2012
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