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HIV-Test für zu Hause bekommt Zulassung in den USA

Durch den neuen portablen HIV-Test soll das Risiko von Neuinfektionen gesenkt werden

HIV rangiert in den USA noch immer weit oben auf der Rangliste der Todesursachen. Von den etwa 1,2 Millionen Infizierten in den Vereinigten Staaten wissen geschätzte 20% nicht, dass sie Virusträger sind. Weltweit waren gegen Ende 2010 circa 34 Millionen Menschen infiziert.
Ausgelöst wird AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome), das Erworbene Immundefektsyndrom, durch den HI-Virus (Menschlicher Immundefekt-Virus). Selbst relativ harmlose Auslöser führen dann zu gefährlichen und lebensbedrohlichen Krankheiten von der Infektion bis hin zu Krebs. Übertragen wird HIV durch Blut, Samen- oder Vaginalflüssigkeit und Muttermilch. Daher sind in der Regel ungeschützte sexuelle Kontakte, Bluttransfusionen (auf der Empfängerseite), oder, bei Drogenkonsumenten, infizierte Injektionsnadeln die Ursache für eine Neuinfektion. Kinder können während der Schwangerschaft oder beim Stillen von ihrer Mutter angesteckt werden. Abgesehen von den bekannten Risikogruppen ist praktisch jeder sexuell aktive jüngere Mensch gefährdet. Bislang gibt es weder eine Therapie noch eine Impfung gegen HIV.

Nach Jahrzehnten der kontroversen Auseinandersetzungen genehmigte die US-Amerikanische Verwaltungsbehörde für Nahrungsmittel und Medikamente nun in der letzten Juniwoche einen neuen HIV-Test für die anonyme Anwendung zu Hause.

In den USA ist dies ein sehr bedeutsamer Schritt hin zu einer Ent-Stigmatisierung der Krankheit, die in den 1980iger Jahren noch einem Todesurteil gleichkam. Durch ihre Verbreitungsart und ihr vermehrtes Auftreten bei Homosexuellen, Minderheiten oder Drogenkonsumenten kam schon ein AIDS-Test einer sozialen Ächtung gleich. Entsprechend groß war bislang auch die Hemmschwelle, sich dem Test zu unterziehen.

Der AIDS-Test für zu Hause ist damit eine weitgreifende neue Präventionsmaßnahme gegen die bis zu 50.000 jährlichen Neuinfektionen in den Vereinigten Staaten (im Vergleich dazu gab es in Deutschland in 2011 lediglich etwa 3000 neue Diagnosen.

Dr. Anthony S. Fauci, Forscher und Direktor des Nationalen Institutes für Allergien und Infektionskrankheiten in den USA, geht optimistisch davon aus, dass nun sehr viel mehr gefährdete Menschen einen AIDS-Test wagen werden. Die modernen Therapiemöglichkeiten gegen die Retroviren senken das Risiko einer Übertragung des Virus auf andere Menschen um 96% und machen zudem einem Infizierten ein verlängertes und weitgehend symptomfreies Leben möglich, eine Option, die es noch vor wenigen Jahren nicht gab.

Der OraQuick-Test, entwickelt von der Firma OraSure Technologies, wertet eine Speichelprobe aus und liefert innerhalb von 20 bis 40 Minuten ein verlässliches Resultat. Bei tatsächlich Infizierten erhält lediglich eine von zwölf Personen ein falsches negatives Ergebnis. Dabei ist jedoch noch offen, ob dafür nicht das Zeitfenster von bis zu 3 Monaten zwischen einer Infektion und der körpereigenen Produktion der Antikörper verantwortlich ist, auf die der Test anspricht. Den Anwendern von OraQuick wird dringend geraten, im Falle eines positiven Tests diesen von einem Arzt bestätigen zu lassen, oder, falls akute Infektionsgefahr vorgelegen hat, den Test zu Hause nach einiger Zeit zu wiederholen.

Der Heimtest soll vor allem eine anonyme Möglichkeit bieten, sich über den eigenen Status Gewissheit zu verschaffen. Denn wer zu einer Risikogruppe gehört oder wer häufiger seinen Sexualpartner wechselt, sollte sich auch öfter testen.

Über den Preis des OraQuick-Sets wird noch diskutiert, doch der Test muss in jedem Falle erschwinglich bleiben, so der Hersteller. Die Einrichtung einer 24h-Hotline ist geplant.
Ab Oktober soll der OraQuick in US-amerikanischen Apotheken, Supermärkten und über Online-Händler vertrieben werden.


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V. Kittlas
Gesundheitsredakteurin

verfasst am 04.07.2012, aktualisiert am 17.07.2012.
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