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Die Pille danach gibt es weiterhin nur auf Rezept

Die Pille danach soll helfen, eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden. Doch in Deutschland wird der Zugang zu dem Medikament weiterhin erschwert.

In 28 Ländern Europas kann man sich die Pille danach direkt beim Apotheker holen. In Deutschland hingegen führt der Weg weiterhin über den Besuch beim Frauenarzt: ohne Rezept, keine Pille danach! Ein Antrag auf Liberalisierung wurde im März 2012 erneut abgewiesen.

Als postkoitales Verhütungsmittel wird die Pille danach bezeichnet. Spätestens 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr muss sie eingenommen werden, soll sie eine ungewollte Schwangerschaft wirkungsvoll verhindern. Zeit genug, beim Gynäkologen vorzusprechen, um sich dort ein Rezept ausschreiben zu lassen, finden deutsche Frauenärzte. Allerdings gilt auch: die Pille danach sollte so früh wie möglich eingenommen werden. Je früher die Gabe erfolgt, desto sicherer ist eine Schwangerschaft auszuschließen.

Selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass Frauen die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel frei zugänglich sein sollte. Levonorgestrel ist bereits jahrelang im Einsatz. Die Risiken und Nebenwirkungen sind bekannt. Für die WHO gilt das Medikament daher als unbedenklich. Selbst eine unnötige Einnahme sei im Zweifelsfall vertretbar. Die Pille danach gilt in den meisten Ländern als schnelle, wirkungsvolle Möglichkeit, eine Schwangerschaft erst gar nicht entstehen zu lassen. Ihre Einnahme ist weit weniger problematisch als die Abtreibungspille, ganz zu schweigen von den psychischen und physischen Belastungen einer Abtreibung.

Wie so oft stehen auch finanzielle Interessen hinter der Weigerung der Gynäkologen, Levonorgestrel von der Rezeptpflicht zu befreien. Für die Ärzte steht der Verlust von Patientinnen auf dem Spiel, wenn die Gabe der Pille danach über die Apotheken abzuwickeln wäre. Ärzte plädieren außerdem weiterhin für eine Beratung. Nicht nur, um betroffene Frauen auf die Verantwortung, die sie tragen, aufmerksam zu machen. Auch halten Gynäkologen hierzulande die Nebenwirkungen für unterschätzt. Da das Zeitfenster, in dem eine Schwangerschaft tatsächlich entstehen könne, relativ schmal ist, werde das Notfallverhütungsmittel häufiger als nötig eingenommen. Die Konservativen äußern ebenfalls Bedenken und befürchten, dass eine leichtere Zugänglichkeit der Pille danach, einen sorgloseren Umgang mit der Empfängnisverhütung nach sich ziehen könnte.


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Letzte Aktualisierung am 04.05.2012.
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