Das Spinaliom (Spinalzellkarzinom) ist ein bösartiger Tumor der Haut (Plattenepithelkarzinom). Es kommt häufig im Gesicht vor und muss in aller Regel chirurgisch entfernt werden.
Ursachen
Spinaliome entwickeln sich aus der Stachelzellschicht der Haut (Stratum spinosum). Es besteht eine Erbgutveränderung in den Zellen. In den meisten Fällen wird diese durch UV-Strahlung beziehungsweise langzeitige Sonneneinwirkung verursacht. Vorstufe von Spinaliomen ist oftmals die Aktinische Keratose (so genannte Lichtwarzen). Spinaliome können aber auch aus zuvor nicht veränderter Haut hervorgehen. Neben Lichteinstrahlung können bisweilen auch andere Strahlenarten (z. B. Röntgenstrahlen), langwierige Entzündungen und Wundheilungsstörungen, Narben, Verbrennungen, Hautkrankheiten sowie bestimmte Giftstoffe (auch manche bestimmte Medikamente) ursächlich für das Plattenepithelkarzinom sein. Förderlich für die Entstehung der Krebserkrankung sind ebenso Erkrankungen, bei denen das Abwehrsystem geschwächt ist (z. B. HIV).
Symptome
Durch die häufige Entstehung durch langjährige Sonneneinstrahlung finden sich Spinaliome insbesondere im Gesicht und auch an der Lippe. Es kann sich anfangs z. B. ein Knötchen, eine umschriebene Hautschuppung oder -verhornung zeigen. Manchmal kann es zu Blutungen kommen. Der Tumor vergrößert sich allmählich, meist ist ein solcher Knoten relativ hart und bereitet keine Schmerzen. Im weit fortgeschrittenen Zustand kann das Spinaliom immer mehr das Gewebe zerstören, in das es einwächst, und so zu Entstellungen und Funktionseinschränkungen führen. Wie bei allen bösartigen Tumoren können sich auch beim Plattenepithelkarzinom Tochtergeschwülste in anderen Organen des Körpers absiedeln und dort ebenfalls schwerwiegende Probleme bereiten.
Diagnose
Der Patient wird befragt (Anamnese), die Haut und insbesondere der verdächtige Befund werden gründlich untersucht. Eine sichere Diagnose kann nur mit einer feingeweblichen Untersuchung (Histologie) gestellt werden, welche nach einer Probeentnahme von Gewebe (Biopsie) oder aber nach der Operation selbst erfolgt. Sinnvoll können auch bildgebende Verfahren sein, beispielsweise Röntgen oder Computertomographie (CT), um eventuelle Tochtergeschwülste nachzuweisen oder auszuschließen.
Differenzialdiagnose
Abgegrenzt werden müssen andere Hautveränderungen, z. B. das Basaliom (ein Tumor, der in das umliegende Gewebe einwächst, aber keine Metastasen bildet), Warzen, Lichtwarzen (Aktinische Keratose) sowie weitere, seltenere gut- und bösartige Hauttumore.
Therapie
Konservative Therapie
In einigen Fällen kommt eine Bestrahlung als alleinige oder zusätzliche Behandlungsmaßnahme in Betracht, eventuell auch eine Chemotherapie.
Operation
In aller Regel ist eine Operation des Basalioms notwendig, um es dauerhaft zu entfernen.
Meist genügt eine örtliche Betäubung, bei großen Befunden oder manchen anderen Umständen kann auch eine Vollnarkose erforderlich werden.
Das Spinaliom wird herausgeschnitten (Exzision). Der Schnitt wird möglichst entlang der Hautlinien geführt, damit die spätere Narbe unauffällig wird. Es muss ein gewisser Sicherheitsabstand eingehalten werden, damit der Tumor möglichst komplett entfernt wird. Dazu müssen teilweise auch umliegende Strukturen mitentfernt werden, z. B. Anteile von Knochen, Muskeln, Gefäßen oder Nerven. Ebenso müssen gegebenenfalls Anteile der Lippe herausgeschnitten werden.
In der Regel werden die Lymphknoten aus dem Abflussgebiet des Tumors mitentfernt (oft unter dem Kinn und Unterkiefer), weil sich dort nicht selten Tochtergeschwülste absiedeln.
Das entfernte Gewebe wird einer feingeweblichen Untersuchung (Histologie) zugeführt. Dies kann manchmal schon während der laufenden OP geschehen (so genannte Schnellschnittuntersuchung), um direkt mit dem Herausschneiden fortfahren zu können, falls im Randbereich des Präparats noch Tumoranteile vorhanden sind.
Bei kleinen Spinaliomen können nach der Entfernung die Hautränder über der Wunde zusammengezogen und vernäht werden. Nach Herausschneiden von größeren Befunden wird eine Rekonstruktion durch Hautverschiebung (Nahlappenplastik), Hauttransplantation von einer anderen Körperstelle oder weitere Methoden aus der plastischen Chirurgie erforderlich.
Mögliche Erweiterungen der Operation
Bisweilen muss mehr Gewebe, auch von umliegenden Strukturen, entfernt werden als vermutet. Auch Komplikationen können dazu führen, dass eine Erweiterung oder Abänderung des Operationsverfahrens notwendig wird. Des Weiteren kann manchmal eine Folgeoperation, z. B. zur Korrektur, erforderlich werden.
Komplikationen
Bei der Operation können abhängig von der Lage des Befundes umgebende Strukturen beschädigt werden. Dies wirkt sich um so stärker aus, je weiter der Tumor in das Gewebe eingewachsen ist. Teils können erhebliche Funktionseinschränkungen oder auch kosmetische Probleme daraus resultieren. Es können Blutungen, Nachblutungen und Blutergüsse auftreten. Bei Nervenverletzungen kann es unter anderem zu Taubheitsgefühl und Lähmungserscheinungen kommen, die vorübergehend, aber auch dauerhaft sein können. Weiterhin kann es zu Wundheilungsstörungen und überschießender Narbenbildung kommen. Wenn Haut umgesetzt wurde, ist es möglich, dass die Farbgebung nicht der Umgebung entspricht oder dass das Gewebe abstirbt. Allergische Reaktionen jeden Schweregrades können nicht ausgeschlossen werden.
Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.
Prognose
Ist das Spinaliom noch nicht weit fortgeschritten und klein, so kann es in aller Regel problemlos komplett herausgeschnitten werden. Schäden und stärkere kosmetische Beeinträchtigungen sind dann nicht zu erwarten. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass es zu einem Wiederauftreten des Tumors kommt (Rezidiv) oder bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) vorhanden sind, die eventuell bei den vorhergehenden Untersuchungen nicht festgestellt werden konnten. Bei ausgedehnten Spinaliomen muss oftmals viel umliegendes Gewebe geopfert werden. Es ist auch möglich, dass das Spinaliom so tief eingedrungen ist, dass es nicht mehr komplett entfernt werden kann und weitere Schäden verursachen kann.
Hinweise
Vor der Operation
Gegebenenfalls müssen blutgerinnungshemmende Arzneimittel vor der Operation in Absprache mit dem Arzt weggelassen werden. Dies kann beispielsweise Marcumar® oder Aspirin® betreffen.
Bei Durchführung des Eingriffs in örtlicher Betäubung darf vier Stunden vorher nicht mehr gegessen und geraucht, zwei Stunden vorher nichts mehr getrunken werden. Bei einer Operation in Vollnarkose erhöht sich die Zeitspanne.
Nach der Operation
Falls die Operation unter ambulanten Bedingungen erfolgt, so muss der Patient beachten, dass er aufgrund der teils noch bestehenden Medikamentenwirkung für 24 Stunden kein Auto, keine anderen Verkehrsmittel und keine Maschinen selbst bedienen darf. Daher sollte er sich abholen lassen. Bedeutsame Entscheidungen sollten ebenfalls vertagt werden.
Die Fäden werden in der Regel eine Woche bis zehn Tage nach der Operation vom Arzt gezogen.
Körperliche Bewegungen, die eine mechanische Beanspruchung auf die Wunde beziehungsweise Narbe ausüben können, sollten in der ersten Zeit möglichst unterlassen werden. Für zwei Monate sollte sich der Patient weiterhin nicht sonnen oder in ein Solarium gehen, um keine Pigmentverschiebungen hervorzurufen. Auch sollte auf das Rauchen verzichtet werden, da dadurch Wundheilungsstörungen hervorgerufen oder verstärkt werden können.
Kontrolluntersuchungen durch den Arzt sollten regelmäßig durchgeführt werden.
Zeigen sich Auffälligkeiten, die auf Komplikationen hindeuten, so sollte umgehend der Arzt konsultiert werden.
Letzte Aktualisierung am 12.11.2010.