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Rheumatisches Fieber

Das rheumatische Fieber ist eine entzündlich rheumatische Systemerkrankung, die durch eine bakterielle Infektion ausgelöst wird...

Definition Rheumatisches Fieber

Das rheumatische Fieber ist eine entzündlich rheumatische Systemerkrankung, die durch eine bakterielle Infektion ausgelöst wird. Die Infektion wird durch ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A verursacht und kann als Folgeerkrankung zu einem rheumatischen Fieber führen. Sie wird daher auch als „Streptokokkenrheumatismus“ bezeichnet. Die Erkrankung manifestiert sich besonders an den Gelenken, Herz, Nervensystem, Haut und dem subkutanen Gewebe (Unterhaut).
Der Erkrankung geht besonders eine Infektion der oberen Luftwege, also des Nasen-Rachen-Raums (z.B. eitrige Angina oder Scharlach), voraus. Wichtig ist hier zu wissen, das das rheumatische Fieber keine Bakterieninfektion ist, sondern eine Reaktion des Immunsystems auf eine vorausgegangene Krankheit. Infektionen der oberen Luftwege verlaufen in der Regel ohne große Symptome.

Betroffen sind meistens Patienten bis zum 30. Lebensjahr, wobei am häufigsten Kinder zwischen 5 und 15 Jahren an dem rheumatischen Fieber erkranken. Jungen und Mädchen sind gleichermaßen betroffen. Eine Erkrankung vor dem 5. Lebensjahr tritt relativ selten auf. Das Krankheitsbild ist bei älteren Erwachsenen aufgrund der untypischen Verläufe schwer zu diagnostizieren.

In den Industrieländern kommt sie eher selten vor. Der Grund dafür ist zum einen die frühzeitige Behandlung der bakteriellen Infektionen mit Penicillin sowie die besseren hygienischen Verhältnisse. Man schätzt heute die Häufigkeit auf etwa 2 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Die Erkrankung tritt typischerweise auf als

  • rheumatische Karditis
  • akute Polyarthritis
  • Chorea minor

Ursachen des rheumatischen Fiebers

Bislang ist die Ursache des rheumatischen Fiebers nicht eindeutig gesichert. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Überempfindlichkeitsreaktion des Körpers auf bestimmte Bakterien, den so genannten ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A. Durch Immunreaktionen kommt es schließlich zu Entzündungen, insbesondere an den Gelenken und am Herzen. Nur in etwa 0,1 bis 3 Prozent der Fälle entwickelt sich ein rheumatisches Fieber als Folgeerkrankung nach einer Infektion mit Streptokokken. Typisch sind zu Beginn ein hoher Fieber und Schwellungen der großen Gelenke an Armen und Beinen.

Auch das Alter sowie genetische und sozio-ökonomische Faktoren scheinen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Erkrankung zu spielen.

Symptome

Eine vorausgegangene Streptokokkeninfektion führt nach etwa ein bis drei Wochen zu charakteristischen Symptomen. Diese werden nach Jones in Major-Kriterien und Minor-Symptome eingeteilt.


Minor-Symptome

  • Fieber
  • Gelenkschmerzen (Arthralgien)
  • Erhöhte Entzündungswerte im Blut, z.B. CRP , BSG  (Blutsenkungsgeschwindigkeit)
  • Auffälliges EKG (verlängerte PQ-Zeit oder PR-Zeit)
  • Bereits einmal an rheumatischem Fieber erkrankt gewesen
  • Rheumatische Herzklappenfehler

 

Major-Kriterien

  • Herzentzündung (Karditis), besonders die Herzbeutelentzündung (Perikarditis) und die Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Polyarthritis: häufigste akut einsetzende entzündliche Erkrankung, die insbesondere die großen Gelenke betrifft. Typisch sind hier oft wandernde oder flüchtig auftretende Beschwerden. Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist sie die häufigste Majorsymptomatik.
  • Chorea minor (Sydenham): Es handelt sich hier um eine neurologische Autoimmunerkrankung, die durch Hyperkinesien (unwillkürliche, ungezielte und ausfahrende Bewegungen), Muskelhypotonie und Hyporeflexie kenntlich wird. Sie gehört zu den möglichen Spätmanifestationen im Rahmen des rheumatischen Fiebers. Bei etwa 10 bis 15 Prozent der Kinder tritt sie nach Wochen bis Monaten nach der Infektion auf.
  • Rheumatisches Erythem: rosarote, kreisrunde Flecken.
  • Rheumaknötchen: hier handelt es sich um gewöhnliche Knoten, die unter der Haut an den Streckseiten der Extremitäten lokalisiert sind.

 

Das rheumatische Fieber ist ein medizinisches "Chamäleon". Sie kann mehrere Organe, sowie Haut und Gelenke betreffen. Tendenziell entwickeln Erwachsene eine Arthritis, Kinder und Jugendliche dagegen eher eine Herzentzündung. Je nachdem welche Körperteile betroffen sind, zeichnen sich die Beschwerden auch folgendermaßen aus:


Gelenke

Betroffen sind vor allem die großen Gelenke, meistens das Sprunggelenk und das Kniegelenk. Typisch sind hier starke Schmerzen, die von Gelenk zu Gelenk springen. In der Regel kommt es im Verlauf zu einer Ausbreitung der Schmerzen von zentral nach peripher, unter anderem mit Beteiligung der Finger- und Zehengelenke.

 

Herz

Am Herzen kommt es zu einer Entzündung. Hierbei können alle Herzsichten betroffen sein, je nachdem wo die Entzündung lokalisiert ist, treten auch unterschiedliche Symptome in den Vordergrund.  Ist das Endokard (glatte Innenhaut des Herzens) betroffen, so kann dies zu entzündlichen Prozessen an den Herzklappen führen. Das rheumatische Fieber ist daher auch ein häufiger Grund für erworbene Herzklappenfehler. Ist dagegen die Muskelschicht vorwiegend betroffen, so kommt es üblicherweise zu Arrhytmien, zu absterben von  Muskelgewebe (Nekrosen) und zur Ausbildung von Knoten.

 

Gehirn

Ist das Gehirn betroffen, so äußert sie sich meistens als Enzephalitis (Entzündung des Gehirns).

 

Haut

Typische Hautveränderungen sind hier das Erythema nodosum (am Unterschenkel) und das Erythema anulare (am Rumpf). Oft treten auch so genannte Rheumaknoten an den Streckseiten von Armen und Beinen auf.Das rheumatische Fieber ist in der Regel charakterisiert durch Entzündungen und hohem Fieber. Treten Gelenkentzündungen auf, so sind diese stark gerötet, geschwollen und von starken Schmerzen begleitet. Oft kommt es zudem zu einer Abwechslung entzündeter Gelenke. 


Sie sollten sofort einen Arzt aufsuchen, wenn Sie folgende Symptome bei ihrem Kind beobachten:

  • Plötzlich auftretendes hohes Fieber, 39 bis 40 Grad, die nach einigen Wochen nach einer durchgemachten Streptokokkeninfektion auftreten.
  • Kopfschmerzen und Bauchschmerzen
  • Geschwollene, schmerzende Gelenke
  • Müdigkeit und Blässe
  • Schweißausbrüche
  • kleine, schmerzlose Knötchen unter der Haut
  • ringförmiger, roter Hautausschlag am Oberkörper und an den Gliedern (bei etwa 10 Prozent der Kinder).
  • plötzlich auftretende, unkontrollierte Bewegungen (ungeschicktes Verhalten).


Diagnose des rheumatischen Fiebers

Zunächst erfolgt ein ärztliches Gespräch über die durchgemachte Infektion. Im nächsten Schritt wird das Blut untersucht auf unspezifische Entzündungszeichen (BSG und CRP), sowie ein Antikörpernachweis auf A-Streptokokken.
Man kann eine sichere Diagnose stellen, wenn ein Nachweis einer vorangegangenen Streptokokkeninfektion vorliegt und zwei Major-Kriterien (Hauptkriterien) bzw. ein Major-Kriterium und zwei Minor-Symptome (Nebenkriterien) gleichzeitig vorliegen.

Nach der körperlichen Untersuchung wird noch ein EKG (Veränderungen zu beobachten, z.B. verlängerte PQ-Zeit) und ein Herzultraschall (Herzgeräusche) durchgeführt.

Differentialdiagnose

Allein die typischen Gelenkschmerzen und Fieber können bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen auftreten. Zu den Differentialdiagnosen gehören unter anderem:
  • Multiple Sklerose : chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems.
  • Polyarthralgie : Schmerzkrankheit, typisch sind hier chronische Schmerzen in mehreren Gelenken.
  • Fibromyalgie : chronische Schmerzerkrankung im Bereich der Muskel, Knochen und Bänder.
  • Kollagenosen : Gruppe von entzündlichen, schwerwiegenden Erkrankungen des Bindegewebes als Folge einer Autoimmunerkrankung.
  • Man kann kurz sagen, alle Formen der rheumatischen Erkrankungen.

Therapie des rheumatischen Fiebers

Die Einhaltung von Bettruhe ist beim rheumatischen Fieber ein wichtiger Schritt zur Heilung. Man behandelt in der Regel die verschiedenen Symptome mit mehreren Medikamenten.
  • Die Streptokokkeninfektion wird mit Penicillin behandelt. Besteht eine Penicillinallergie, so verwendet man hier Makrolid-Antibiotika.
  • Behandlung von Entzündungen durch entzündungshemmende Medikamente wie Acetylsalicylsäure. Wenn dies allein nicht ausreichend ist, werden zusätzlich Kortikosteroide (Kortison) gegeben.
  • Besteht der Verdacht auf einen Streuungsherd, z.B. Tonsillen, so erfolgt eine operative Sanierung dieses Fokus (hier Tonsillektomie, aber nur im symptomfreien Intervall!).
  • Rezidivprophylaxe nach Ausheilen des Infektes mit Penicillin, über mindestens 10 Jahre.
  • Im Akutstadium der Erkrankung, können eine Gelenkschonung und Kälteanwendungen, z.B. Eisbeutel, auf den betroffenen Stellen zu einer Linderung führen.
  • Zur Fibersenkung kann man neben Medikamenten auch Wadenwickel anwenden.

Prognose

Die Heilungschancen sind in der Regel gut, solange keine schwerwiegende Herzbeteiligung aufgetreten ist. Eine frühzeitige Behandlung führt in der Regel zur Heilung von Arthritis und Karditis innerhalb von vier bis acht Wochen. Die Herzbeteiligung kann zu schweren Folgen z.B. Herzklappenfehlern oder sogar zum plötzlichen Herzstillstand führen. Es besteht immerhin eine Letalität (Tödlichkeit einer Erkrankung) von 2 bis 5 Prozent. Alle anderen Beschwerden heilen folgenlos ab.
Chronisch rheumatische Herzerkrankungen werden von etwa 50 Prozent der Patienten mit akutem rheumatischem Fieber entwickelt.

Hinweise für Patienten

Man sollte generell alle Infektionen des Nasen-Rachenraums von einem Arzt untersuchen lassen, denn unter Umständen kann eine Antibiotikatherapie notwendig sein. Durch die Gabe von Antibiotika kann auch das rheumatische Fieber im Vorfeld schon gestoppt werden. Wichtig ist: Nehmen Sie die verschriebenen Antibiotika bis zum Schluss ein, auch wenn die Symptome sich bessern oder ganz verschwinden, dürfen die Antibiotika nicht vorzeitig abgesetzt werden!


Letzte Aktualisierung am 07.05.2010.

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