Folgen Sie uns auf  

Osteoporose, Knochenschwund

Die Osteoporose ist eine Erkrankungen, die vor allem Frauen in den Wechseljahren betrifft...

Definition der Osteoporose

Die Osteoporose ist eine Erkrankung des Skeletts, die durch eine verminderte Knochenfestigkeit charakterisiert ist. Sie entsteht durch den vermehrten Abbau der Knochensubstanz, wodurch die Dichte der Knochen abnimmt. Die Osteoporose ist die häufigste Knochenerkrankung im höheren Lebensalter und geht mit einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche einher. Am häufigsten treten dabei Schenkelhals-,  Vorderarm- und Wirbelfrakturen auf. 80 % aller Osteoporosen betreffen Frauen in den Wechseljahren, wobei die Osteoporose ab einem Alter über 70 Jahren bei beiden Geschlechtern stetig zunimmt. Im Kindes- und Jugendalter baut sich die Knochenmasse auf und erreicht um das 20. Lebensjahr ihren Höchstwert. Nach dem 40. Lebensjahr kommt es bei allen Menschen zu einer langsamen Verminderung der Knochenmasse, normalerweise beträgt diese Abnahme ca. 0,5 % pro Jahr. Sehr selten erkranken auch junge Menschen an einer Osteoporose (da man die Ursachen nicht kenn, nennt man sie auch idiopathische Osteoporose). Die Knochensubstanz ist zum großen Teil aus Kalzium und Phosphat zusammengesetzt, weshalb ein Mangel oder Ungleichgewicht dieser zwei Substanzen zu einem Knochenabbau führen kann.


Ursachen des Knochenschwunds

Die Ursachen einer Osteoporose sind vielfältig, man unterscheidet dabei die primäre und sekundäre Osteoporose.

Primäre Osteoporose

Die primäre Osteoporose ist weitaus häufiger und wird in 95 % der Fälle beobachtet. Die größte Rolle spielt dabei ein Mangel an den Geschlechtshormonen Testosteron und Östrogen. Bei einer eingeschränkten Funktion der Eierstöcke bzw. der Hoden werden diese Geschlechtshormone zu wenig produziert, wobei Frauen eindeutig das höhere Risiko tragen. Durch den Östrogenmangel bei Frauen nach den Wechseljahren wird die Knochensubstanz vermehrt abgebaut, Männer hingegen leiden nur selten unter einem Testosteronmangel, der sich auf die Knochen auswirkt. Wenn die Zeitspanne zwischen dem Auftreten der ersten Regelblutung und dem Beginn der Wechseljahre kleiner als 30 Jahre ist, kann dies ebenfalls ein Risikofaktor für eine später auftretende Osteoporose sein. Außerdem können weiterhin genetische Faktoren eine Rolle spielen, wenn zum Beispiel Osteoporose bereits in der Familie aufgetreten ist. 

Sekundäre Osteoporose

Eine sekundäre Osteoporose liegt nur zu 5 % vor, dabei sind andere Erkrankungen dafür verantwortlich, dass es zusätzlich auch zu einer Osteoporose kommt. Störungen im Hormonhaushalt sind dabei hauptsächlich zu nennen. Viele Hormone wirken auf den Knochenstoffwechsel, wie das Kortison, das in der Nebenniere produziert wird, die Schilddrüsenhormone, das Parathormon, das in der Nebenschilddrüse entsteht oder das Wachstumshormon, das im Gehirn produziert wird.

Als Gegenspieler vom Östrogen und Testosteron fördert das Kortison den Knochenabbau und kann bei übermäßiger Produktion im Körper entstehen oder bei medikamentöser Therapie in Form von Tabletten, Spritzen oder Inhaliersprays erhöht sein. Eine Überfunktion der Schilddrüse führt zu einer gesteigerten Produktion der Hormone L-Thyroxin (T4) und L-Trijodthyronin (T3), welche u .a. den Grundstoffwechsel im Körper beschleunigen und damit auch den Knochenabbau fördern. Die Nebenschilddrüse produziert das Parathormon, welches direkten Einfluss auf den Kalziumhaushalt hat, indem es dem Knochen Kalzium entzieht.

Eine Funktionsstörung der Nebenschilddrüse kann also auch zu einer Osteoporose führen.
Die Knochen dienen dem Körper als riesige Speicher von Kalzium, eine ungenügende Aufnahme an Kalzium und/oder Vitamin D in der Nahrung bewirkt eine Freisetzung von Kalzium um es dem Körper notwendigerweise bereitzustellen.

Die Knochen haben die Tendenz sich langsam aufzulösen, wenn sie längere Zeit nicht belastet wurden. Patienten, die bewegungseingeschränkt sind oder unter starkem Bewegungsmangel leiden, können dadurch auch eine Osteoporose entwickeln.

Einige Erkrankungen treten vermehrt in Begleitung einer Osteoporose auf (z.B. die rheumatoide Arthritis, der Morbus Bechterew oder der Lupus Erythematodes, aber auch genetische Erkrankungen wie die Osteogenesis imperfecta, das Ehlers-Danlos-Syndrom oder  das Marfan-Syndrom). Dabei scheint die Osteoporose jedoch nicht auf den gesamten Körper verteilt zu sein, sondern eher in Nähe von Gelenken aufzutreten.

Bei starken Rauchern sowie auch bei erhöhtem Alkholkonsum tritt nach einigen Jahren gehäuft eine Osteoporose auf. Charakteristisch scheint ein Verlust der Knochendichte über 3,5 % im Jahr innerhalb der ersten 10 Jahre nach den Wechseljahren typisch für eine frühe Osteoporose zu sein, während ein Verlust an Knochenmasse unter 3,5 % im Jahr nach mehr als zehn Jahren nach den Wechseljahren typisch für eine späte Osteoporose ist.

Symptome der Osteoporose

Die Knochenzellen können den Knochen nur in einem sehr langwierigen Prozess abbauen, deswegen verläuft diese Erkrankung sehr schleichend und kann lange unbemerkt bleiben.
Patienten die an einer Osteoporose leiden geben oftmals als erstes Symptom starke Schmerzen, meistens im Rücken, an. Weiterhin kann auch nach längerer Zeit ein Rundrücken entstehen wodurch man auch an Körpergröße abnimmt. Durch diesen Rundrücken entstehen am Rücken schräg zur Seite laufende Hautfalten, dies bezeichnet man auch als Tannenbaumphänomen. Oftmals nimmt der Körper durch die starken Schmerzen  Fehlhaltungen ein, dadurch kommt es auch zu Muskelverspannungen. Bei Fortschreiten der Osteoporose kann der Knochen mitunter so instabil sein, dass es schon bei harmlosen Unfällen zu Knochenbrüchen kommt. Nicht selten kann es sogar ohne ersichtlichen Grund spontan zu einem Bruch der Wirbelkörper kommen.

Diagnose der Osteoporose

Bei dem Verdacht auf eine Osteoporose kann man sich mit einigen Untersuchungen beim Arzt Gewissheit verschaffen. Oftmals wird ein Röntgenbild angefertigt, wobei man darauf jedoch erst ab einer Verminderung der Knochenmasse um mehr als 30 % den Umbauprozess erkennen kann.
Hilfreich ist auf jeden Fall eine Blutabnahme.  Einige Werte und Marker können auf eine Osteoporose hindeuten.

Spezifischere Diagnoseverfahren sind die Knochendichtemessung (Densiometrie) und das Knochenszintigramm, mit denen man die Knochenvolumenmineraldichte und die Aktivität der Umbauherde im Knochen messen kann.

Differentialdiagnosen

Die Symptome der Osteoporose ähneln oftmals auch denen anderer Erkrankungen, sie müssen also nicht zwingend mit einer Osteoporose zusammenhängen. Vor allem können bösartige Krebserkrankungen in Verbindung mit Knochenmetastasen ähnliche Beschwerden wie die Osteoporose verursachen.

Selten kommt auch eine Vitaminmangel-Ernährung in der Kindheit dem Krankheitsbild der Osteoporose sehr nahe. Dabei ist die Verhärtung der Knochen gestört und die Wachstumsfuge wird beeinträchtigt. Man nennt diese Erkrankung Rachitis, bei Erwachsenen wird sie als Osteomalazie bezeichnet. Eine Osteomalazie beschreibt die gestörte Verhärtung der Knochen ohne Fehlverhalten der Wachstumsfuge, da diese bei Erwachsenen schon geschlossen ist.

Therapie der Osteoporose

Die Therapie hängt von den Ursachen ab. Falls es dem Körper an den vorher erwähnten Hormonen mangelt, werden diese in Tabletten oder Spritzen dem Körper zugeführt. Wenn die Osteoporose allerdings einfach durch das zunehmende Lebensalter nicht zu vermeiden ist, kann man dabei den Knochenumbau nur symptomatisch mildern. Um vorbeugend den Beginn einer Osteoporose zu verhindern sind eine kalziumreiche Ernährung (Milchprodukte) und die regelmäßige Bewegung wichtig, wobei man sich nach krankengymnastischen Programmen und Rehabilitationssportgruppen erkundigen sollte. Gerade auch bei der Osteoporose im Alter muss sowohl Kalzium als auch Vitamin D zusätzlich verabreicht werden.

Falls ein Knochenumbau bereits stattgefunden hat, sind Medikamente nötig, die in den Knochenstoffwechsel eingreifen. Dazu liegen einige Studien vor, die beweisen konnten, dass mit der Einnahme von Biphosphonaten das Auftreten von Knochenbrüchen um fast die Hälfte reduziert wurde. Der Abbau der Knochensubstanz kann durch Biphosphonate gehemmt werden. Als Nebenwirkungen von diesem Medikament werden Reizungen der Speiseröhre, Beschwerden im Magen-Darm-Trakt und Reizungen der Hornhaut des Auges beschrieben.

Für einen weiteren Wirkstoff wurde in einigen wenigen Studien bewiesen, dass er das Risiko für Knochenbrüche der Wirbelkörper mildern kann - das Raloxifen. Es wirkt auf den Knochenstoffwechsel genau wie das Östrogen, ohne dabei die Gebärmutter oder die weibliche Brust zu stimulieren. Jedoch können bei der Behandlung mit Raloxifen  ähnliche Beschwerden wie in den Wechseljahren auftreten. Vor der Einnahme dieses Medikamentes sollte man also auch mit dem Frauenarzt Rücksprache halten.

Bei einer komplizierten Verlaufsform der Osteoporose werden Patienten auch mit Parathormon therapiert. Man appliziert es über Spritzen einmal täglich über eine Dauer von maximal 18 Monaten. Das Parathormon steigert in den Knochenzellen den vermehrten Einbau von Kalzium.

Widersprüchliche Ergebnisse liegen zu der Therapie mit Fluoriden vor. Diese stimulieren zwar den Knochenaufbau und mindern das Auftreten von Brüchen im Wirbelsäulenbereich, jedoch kann es schnell  zu einer Überdosierung an Fluorid kommen, was wiederum ein gesondertes Krankheitsbild darstellt. Außerdem können Schmerzen im Sprunggelenk auftreten und Beschwerden im Magen und Darm.

Sinnvoll ist es auf jeden Fall bei Patienten mit Osteoporose so genannte Hüftprotektoren prophylaktisch einzusetzen. Solche Protektoren sind letztlich nichts anderes als elastische Baumwollhosen mit seitlich eingenähten Schutzkissen. Dabei können Oberschenkelhals-Brüche vermieden werden, wenn man stürzt. Unterstützend sollte unbedingt auch eine Physiotherapie angestrebt werden. 

Prognose

Der natürliche Knochenabbau, der in höherem Lebensalter langsam beginnt, kann mit der richtigen Ernährung, ausreichend Kalzium und Vitamin D, sehr gut ausgeglichen werden. Man kann dabei auch mit Kalzium-Tabletten zusätzlich nachhelfen. Prognostisch gesehen kann man dadurch eine Osteoporose verhindern, bevor sie entsteht.

Falls eine Osteoporose bereits fortgeschritten ist, kann je nachdem welche Ursache dafür ausschlaggebend ist, die medikamentöse Therapie oftmals den Knochenstoffwechsel unterstützen. Jedoch ist dies oftmals ein langwieriger Prozess, der ständiger ärztlicher Betreuung bedarf. Man ist also dauerhaft auf die Medikamente angewiesen. Zu einer richtigen Heilung kann es also unter Umständen nicht mehr kommen, die Prognose hängt davon ab, wie schnell und gut der Knochen auf die Medikamente anspricht.

  

Hinweise für Patienten

Für Frauen nach den Wechseljahren ist es wichtig, sich dem Thema Osteoporose zu stellen und eventuell richtige Tipps beim Arzt einholen. Bei ersten Symptomen sollte man schnell handeln.Auch im höheren Lebensalter ist die tägliche Bewegung die beste Maßnahme um der Osteoporose vorzubeugen.



V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

verfasst am 15.12.2006, aktualisiert am 29.07.2010.
War dieser Artikel hilfreich?

Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Osteoporose

?
Thema Osteoporose   Offene Frage
fragt ma2412   vor > 4 Jahre  935

1. Frage: Können die fehlenden Mineralstoffe über das "Mineralwasser" zugeführt werden"
2. Frage: Können überhaupt Mineralstoffe aus dem ... mehr

Alle Beiträge anzeigen: Innere Medizin » Osteoporose

Stellen Sie Ihre Frage

Haben Sie bereits ein Benutzerkonto? Anmelden (Login)
Bitte wählen Sie ein passendes Forum aus.
Bitte geben Sie einen Titel für Ihre Frage oder Anmerkung ein.


Ja, ich möchte Antworten per E-Mail erhalten

Ich stimme den Nutzungsbedingungen und den Datenschutzbestimmungen zu.

Internistische Erkrankungen

Internistische Erkrankungen

Arztsuche

Internisten
Portrait Dr. med. Young-Hea  Moon, Praxis am Grüneburgweg I Dr. med. Matthias Erbe I Dr. med. Young-Hea Moon, Frankfurt am Main, Facharzt für Innere Medizin Dr. Y. Moon
Facharzt für Innere Medizin
in 60322 Frankfurt am Main
Dr. A. Filzmayer
Internist
in 80333 München
Dr. F. Funke
Internist
in 31832 Springe
Alle anzeigen Zufall

Medikament im Angebot Mehr Angebote »