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Osteoporose (Knochenschwund)

Frauen nach den Wechseljahren sind häufig betroffen

Die Osteoporose ist eine Erkrankung, bei der es wegen einer Abnahme der Knochensubstanz zur verminderten Stabilität der Knochen kommt. Sie wird deshalb auch Knochenschwund genannt. Die Knochendichte geht zurück. Betroffene haben ein erhöhtes Risiko, Knochenbrüche zu erleiden, beispielsweise am Oberschenkelhals, am Speichenknochen (Unterarm/Handgelenk) oder vor allem in der Wirbelsäule (Wirbelkörper). Das führt charakteristischerweise zu einer Abnahme der Rückenlänge und damit der Körpergröße. Etwa 80 Prozent der von Osteoporose betroffenen Menschen sind Frauen, die sich in der Zeit nach den Wechseljahren (Menopause) befinden. Im höheren Alter ab dem 70. Lebensjahr nimmt sowohl bei Männern als auch bei Frauen die Häufigkeit der Osteoporose zu. Nur in wenigen Fällen erkranken auch jüngere Personen an der Osteoporose.

Ursachen der Osteoporose (Knochenschwund)

Die möglichen Ursachen der Erkrankung sind unterschiedlich. Eine primäre Osteoporose wird von einer sekundären Osteoporose abgegrenzt. Sekundär bedeutet, dass eine andere Grunderkrankung dafür verantwortlich ist (dies betrifft nur etwa fünf Prozent der Osteoporose-Fälle). Eine primäre Osteoporose hat kaum ermittelbare direkte Ursachen, sondern entsteht aus "eigenen" Gründen. Hier spielen Risikofaktoren eine wesentliche Rolle.

Beim normalen Verlauf der Entwicklung vermehrt sich die Knochenmasse zunächst bei Kindern und Jugendlichen. Im Alter von etwa 20 Jahren ist die Knochensubstanz am dichtesten. Ab circa 40 Jahren baut sich die Substanz ganz langsam ab, um normalerweise 0,5 Prozent jährlich. Der Knochen besteht zum größten Teil aus Calcium und Phosphat. Ein Mangel oder ungünstiges Verhältnis zwischen Calcium und Phosphat kann zu einer Verminderung der Knochenmasse führen.

Primäre Osteoporose

Die viel häufigere primäre Form der Osteoporose ist durch ein Ungleichgewicht von Vorgängen in den Knochen gekennzeichnet. Die Knochensubstanz wird insgesamt zu stark abgebaut und zu wenig aufgebaut. Die Knochendichte geht zurück und insofern nimmt auch die Stabilität der Knochen ab. Zuerst betrifft dies die balken- beziehungsweise schwammartigen Innenbereiche der Knochen (Spongiosa) und später auch die kompakte, vor allem äußere Struktur des Knochens (Compacta).

Meist ist die Dichteabnahme auf einen Mangel der Geschlechtshormone Östrogen oder Testosteron zurückzuführen. Der Eierstock beziehungsweise die Hoden produzieren bei Betroffenen zu wenig an diesen Hormonen. Insbesondere bei Frauen in und nach den Wechseljahren (um das 50. Lebensjahr) kommt es zu einem Mangel an Östrogen, dem weiblichen Geschlechtshormon. Ebenso möglich, aber deutlich seltener ist bei Männern ein Mangel an Testosteron, dem männlichen Geschlechtshormon, was sich ebenfalls auf die Knochensubstanz auswirkt. Typischerweise verlieren betroffene Frauen kurz nach den Wechseljahren schneller an Knochensubstanz (Dichteminderung um mehr als 3,5 Prozent pro Jahr) als ältere Menschen mit Osteoporose (spätere Osteoporose mit weniger als 3,5 Prozent im Jahr). In wenigen Fällen tritt eine primäre Osteoporose bereits bei jungen Menschen auf, die Ursache dafür ist unbekannt (idiopathische Osteoporose).

Risikofaktoren für eine primäre Osteoporose sind eine Vorbelastung in der Familie (die Neigung zur Osteoporose wird vererbt) oder bei Frauen ein geringer Abstand (von unter 30 Jahren) zwischen zuerst aufgetretener Monatsblutung und den Wechseljahren. Personen, die über längere Zeit viel rauchen oder viel Alkohol trinken, erhöhen ihre Gefahr für die Osteoporose. Des Weiteren kommt die Erkrankung gehäuft bei schlanken Menschen vor.

Sekundäre Osteoporose

Die sekundäre Osteoporose ist die Folge anderer Erkrankungen. Dazu gehören vor allem Erkrankungen des Hormonsystems. Unterschiedliche Hormone haben einen Einfluss auf den Knochenstoffwechsel wie beispielsweise Cortison (ein Hormon der Nebenniere), Parathormon (ein Hormon der Nebenschilddrüse), T3 und T4 (Schilddrüsenhormone) oder das Wachstumshormon STH (ein Hormon der Hirnanhangdrüse). Erkrankungen der jeweiligen Organe können damit zu einem Ungleichgewicht der Hormone führen. Cortison begünstigt den Knochenabbau und kann neben einer Überproduktion auch aufgrund der Anwendung cortisonhaltiger Medikamente in zu hohen Mengen im Körper sein. Die Schilddrüsenhormone verschnellern Stoffwechselvorgänge im Körper und begünstigen damit auch einen Abbau von Knochensubstanz. Das Parathormon beeinflusst das Calcium im Körper und fördert, dass es sich aus dem Knochen löst.

Ein Knochenschwund kann bei einem Mangel an Calcium oder an Vitamin D vor sich gehen, denn das fehlende Calcium wird dann für den Rest des Körpers aus den Knochen bereitgestellt. Unzureichende Ernährung ist ein Grund für den Mangel, z. B. bei Magersucht oder bei längerer strikter Diät.

Auch bei fehlender Belastung beziehungsweise Inaktivität nimmt die Knochensubstanz nach und nach ab. Dies kann beispielsweise bei Patienten mit Bewegungsmangel oder Beweglichkeits-Einschränkung zu der Osteoporose führen.

Zudem stehen einige Krankheiten in Verbindung mit der Osteoporose. Zu diesen gehören etwa Gelenkrheuma (Rheumatoide Arthritis), Morbus Bechterew (eine hauptsächlich an den Wirbelsäulengelenken auftretende Erkrankung), Lupus erythematodes (Schmetterlingsflechte), Morbus Crohn (eine chronisch-entzündliche Darmkrankheit) oder die Erbleiden Marfan-Syndrom, Osteogenesis imperfecta oder Ehlers-Danlos-Syndrom.

Symptome der Osteoporose

Die Osteoporose beziehungsweise Dichteabnahme des Knochens entwickelt sich langsam. Über längere Zeit bemerken die Betroffenen oft nichts von der Störung. Ein mögliches erstes Symptom ist ein geringer oder (bei Wirbelbruch) stärkerer Schmerz in der Wirbelsäulengegend.

Die Neigung zu Knochenbrüchen ist bei Osteoporose-Patienten erhöht. Vornehmlich macht sich das häufig in der Wirbelsäule an den Wirbelknochen (Wirbelkörpern) bemerkbar. Sie fallen in sich zusammen und werden durch den Bruch flacher. Auffällig wird dann oft ein Rundrücken (Kyphose), ein Hohlkreuz (Lordose) oder eine verkürzte Wirbelsäule. Die Körpergröße wird geringer. Die Wirbelsäulenveränderungen können zu auffälligen Hautfalten am Rücken führen, die schräg seitlich nach unten laufen und anschaulich als Tannenbaum-Phänomen bezeichnet werden. Schmerzen und Verkrümmungen führen oft zu weiteren Fehlstellungen und Schonhaltungen. Verspannte Muskeln sind die Folge.

Eine weit fortgeschrittene Osteoporose kann die Knochen so brüchig machen, dass Frakturen (Brüche) auch ohne starke mechanische Einwirkung entstehen.

Diagnose der Osteoporose

Besteht der Verdacht, dass sich eine Osteoporose entwickelt oder zeigen sich bereits Symptome wie Rückenschmerzen, dann sollte nicht zu lange gezögert werden, zum Arzt zu gehen.

Den Anfang der Diagnose macht die Anamnese, also das Untersuchungsgespräch mit dem Arzt, dem der Patient über Beschwerden und Vorerkrankungen berichtet. Daraufhin findet eine körperliche Untersuchung statt, bei der unter anderem der Zustand der Wirbelsäule beurteilt wird. Blut wird abgenommen und zur Laboruntersuchung gegeben, bei der sich häufig einige bestimmte veränderte Werte zeigen.

Auf einem Röntgenbild können mögliche Knochenbrüche festgestellt werden. Zudem lassen sich Veränderungen der Knochen erkennen, wenn die Knochenmasse um 30 Prozent oder mehr abgenommen hat. Eine Szintigraphie (Knochenszintigraphie) kann durchgeführt werden, es handelt sich um eine nuklearmedizinische Untersuchung, die die Umbauprozesse beurteilen hilft. Eine Knochendichtemessung (Densitometrie) ist sinnvoll, um die Schwere der Osteoporose zu bestimmen. Die Probeentnahme aus dem Knochen (Biopsie), um das Gewebe im Labor zu untersuchen, kann ebenfalls sinnvoll sein.

Differenzialdiagnose

Eine hohe Knochenbrüchigkeit oder eine Verkürzung und Verkrümmung der Wirbelsäule können nicht nur bei Osteoporose, sondern auch bei anderen Krankheiten bestehen. So ist der Vitamin-D-Mangel durch eine verminderte Härte der Knochen gekennzeichnet. Diese Erkrankung bei Vitamin-D-Mangel wird beim Kind als Rachitis und beim Erwachsenen als Osteomalazie bezeichnet. Auch bösartige Knochentumore oder Metastasen (Tochtergeschwülste) an den Knochen können anfangs als Osteoporose fehlgedeutet werden. Des Weiteren können Knochenbrüche selbstverständlich auch bei gesunden Menschen eintreten, wenn sie entsprechend z. B. bei Unfällen überlastet werden. Rückenschmerzen und Wirbelsäulenkrümmungen können unterschiedliche andere Erkrankungen als die Osteoporose zugrunde liegen wie z. B. ein Morbus Bechterew oder ein Morbus Scheuermann.

Therapie der Osteoporose

Die Behandlung einer Osteoporose ist unter anderem von der Ursache abhängig. Hormone, bei denen ein Mangel zu einer Osteoporose geführt hat, werden ersetzt. Die betreffenden Hormone können mittels Tabletten oder Injektionen verabreicht werden (Hormontherapie).

Mit verschiedenen Maßnahmen lässt sich der Eintritt einer Osteoporose oder deren Fortschritt aufhalten. Eine Ernährung mit ausreichender Calcium-Zufuhr (insbesondere über Milch und Milchprodukte oder Mineralwasser) ist erforderlich. Manchmal muss Calcium oder auch Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel beziehungsweise Tabletten eingenommen werden. Ein regelmäßiger Aufenthalt in der Sonne fördert die Bildung von Vitamin D. Der Verzehr von Nahrung, die viel Phosphat enthält (Wurst, Cola), sollte hingegen reduziert werden. Regelmäßige körperliche Betätigung sollte ebenfalls ausgeübt werden. Für von Osteoporose betroffene Patienten gibt es die Möglichkeit von passender Krankengymnastik und Reha-Sport. Bei der Ausübung körperlicher Tätigkeiten muss aber unbedingt darauf geachtet werden, dass kein Risiko für einen Knochenbruch eingegangen wird. Betroffene mit Osteoporose können z. B. zur Vorbeugung von Brüchen der Oberschenkelknochen (Oberschenkelhalsfrakturen) Schutzhosen mit elastischen Polstern tragen (Hüftprotektoren).

Eine bestehende Osteoporose mit Knochenumbau muss mit weiteren Medikamenten behandelt werden, die auf den Stoffwechsel einwirken. Bisphosphonate sind Mittel, die den Knochenabbau hemmen. Werden sie regelmäßig eingenommen, dann wird das Risiko für Knochenbrüche stark gesenkt.

Raloxifen ist ein weiteres Medikament, das das Knochenbruchrisiko reduziert, insbesondere in der Wirbelsäule. Es hat ähnliche Wirkungen wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen, wirkt aber nicht auf Gebärmutter und Brüste. Mit Denosumab, einem speziellen Antikörper (monoklonaler Antikörper), kann die Rate an Knochenbrüchen ebenfalls erheblich gesenkt werden. Bei einer schwierigen Osteoporose können manchmal Injektionen von Parathormon sinnvoll sein, die täglich über einen Zeitraum von höchstens 18 Monaten erfolgen. Parathormon sorgt für einen verstärkten Calcium-Einbau in die Knochen. Unter Umständen können Fluoride eingesetzt werden, die den Knochenaufbau fördern.

Bei der Einnahme von Medikamenten kann es zu Nebenwirkungen kommen. Einige mögliche unerwünschte Wirkungen beispielsweise von Bisphosphonaten können Reizerscheinungen der Speiseröhre, weitere Magen-Darm-Beschwerden oder Störungen der Hornhaut des Auges sein. Bei Raloxifen sind z. B. Wechseljahrsbeschwerden möglich. Fluorid kann leicht überdosiert werden und zu starken Beschwerden führen.

Bei eingetretenen Knochenbrüchen durch Osteoporose werden oft Operationen durchgeführt. Für Brüche an Wirbelkörpern gibt es spezielle Operationsmethoden, die die Wirbelsäule aufrichten und stabilisieren.

Prognose

Die richtige Ernährung, der Ersatz von Calcium und Vitamin D, ausreichende Bewegung in mäßiger Stärke sowie weitere Maßnahmen ermöglichen eine sehr gute Vorbeugung gegen die Osteoporose. Häufig werden die Erkrankung und resultierende Knochenbrüche damit verhindert. Wichtig ist es, mögliche Anzeichen einer Osteoporose ernst zu nehmen und sie gleich abklären zu lassen. Wird die Erkrankung über einen ausgedehnten Zeitraum nicht behandelt, dann schreitet der Knochenabbau allmählich fort und lässt sich nicht so einfach wieder ausgleichen. Knochenbrüche und in dem Zusammenhang eine weitere Schädigung der Wirbelsäule können die Folge sein.

Bei einer bestehenden Osteoporose können zusätzlich Medikamente gut helfen, die Knochenstabilität zu erhalten und zu bessern. Meist müssen die Medikamente auf Dauer eingenommen werden. Bisphosphonate können die Rate an neuerlichen Knochenbrüchen um annähernd die Hälfte herabsetzen. Einzelne Patienten sprechen jedoch unterschiedlich gut auf die Medikamente an und es dauert oft einige Zeit, bis der Zustand der Knochensubstanz nennenswert verbessert ist.

Weiterführende Informationen

 



V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

verfasst am 15.12.2009, aktualisiert am 04.09.2014.
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fragt ma2412   vor > 4 Jahre  936

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