Der Begriff Koma kommt aus dem griechischen und bedeutet so viel wie tiefer Schlaf. In der Medizin wird als Koma ein Zustand bezeichnet, der sich durch eine sehr tiefe Bewusstlosigkeit des Patienten auszeichnet, aus dem er durch äußere (Schmerz-)Reize nicht erweckbar ist. Im Stadium eines Komas fehlt dem Betroffen die Wahrnehmung seiner Umwelt und seiner selbst. Es ist die schwerste Form einer Bewusstseinsstörung
Eine Bewusstseinsstörung ist nicht immer gleichbedeutend mit einem Koma.
Als leichteste Form einer Bewusstseinsstörung ist die Somnolenz zu nennen. Hier ist der Patient zwar schläfrig und leicht weggetreten, ist aber durch Ansprechen erweckbar.
Die nächste Stufe wird Sopor genannt. Der Patient zeigt kurzzeitig Orientierungsreaktionen, um dann aber sofort wieder in einen tiefen Schlaf zu fallen. Er ist nur durch zum Teil starke Schmerzreize (z.B. Reiben auf dem Brustbein) erweckbar.
Beim Koma fehlen dann auch diese Reaktionen auf Schmerzreize.
So kann es zum Coma apoplecticum nach einem Schlaganfall (Apoplex) kommen.
Das Coma diabeticum stellt ein mögliches Symptom einer Stoffwechselentgleisung als Folge einer Diabetes-Krankheit dar.
Eine Leberinsuffizienz endet meist in einem Coma hepaticum (Leber = Hepar).
Seltene Formen sind noch das Coma basedowicum , welches bei einer Schilddrüsenüberfunktion vorkommen kann, das Coma hypoglycaemicum in Folge einer starken Blutzuckererniedrigung, das Coma pyloricum nach sehr langem und sehr starken Erbrechen durch eine Verengung des Magenpförtners und das Coma uraemicum im Endstadium einer Niereninsuffizienz.
Ein Koma kann durch einen Druckanstieg im Kopf (z.B. als Folge von Unfällen, Tumoren, Entzündungen im Hirn/in den Hirnhäuten oder Schlaganfällen) entstehen. Durch die Druckerhöhung kommt es zu einer Funktionsstörung des Hirnstamms, die lebensbedrohend werden kann.
Auch Vergiftungen oder Stoffwechselstörungen können in einem Koma enden.
Ein Schädel-Hirn-Trauma entsteht als Folge einer Gewalteinwirkung auf den Kopf. Die häufigste Ursache sind Verkehrsunfälle, aber auch Unfälle im Haushalt oder in der Freizeit (Sturz aus der Höhe, Fahrradunfall ohne Helm) enden regelmäßig in einer Kopfverletzung.
Die Schwere der Verletzung steht oft im Gegensatz zu den äußeren Verletzungen: Auch bei einem Kopf, der von außen vollkommen unversehrt aussieht, kann das Gehirn schwer beschädigt sein.
Je nach Schweregrad werden verschiedene Formen unterschieden:
Eine Gehirnerschütterung wird durch eine Schädelprellung hervorgerufen und äußert sich in einer akuten, kurzen Bewusstseinsstörung oder Bewusstlosigkeit (ähnlich wie Koma), Kopfschmerzen und Übelkeit.
Eine Gehirnerschütterung ist ungefährlich und heilt folgenlos ab.
Allerdings kann anfangs nicht klar unterschieden werden, ob es sich nur um eine Gehirnerschütterung handelt oder doch schwerere Verletzungen (z.B. ein epidurales Hämatom) vorliegen, sodass Patienten 24 Stunden im Krankenhaus überwacht werden sollten. So kann man im Notfall schnell reagieren.
Bei der Hirnquetschung liegt nicht nur eine Funktionsstörung, sondern eine richtige Verletzung des Gehirns vor. Vergleichbar mit einem blauen Fleck im Gehirn. Die Symptome sind deutlich stärker ausgeprägt als bei der Gehirnerschütterung. Es kann zu einem mehrere Stunden andauernden komatösen Zustand kommen. In der Folgezeit zeigen die Patienten möglicherweise Nervenausfälle, Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen.Je nach Ausprägung der Verletzung kann sich der Patient in der Genesungszeit vollkommen erholen oder auch bleibende Schäden zurückbehalten.
Bei schweren Hirnverletzungen sterben bis zu 30% der Patienten an den Verletzungen.
Beim epiduralen Hämatom handelt es sich um eine Blutung zwischen dem Schädelknochen und der harten Hirnhaut (Dura mater).Ein epidurales Hämatom kann sich sofort nach dem auslösendem Ereignis bemerkbar machen, oft entwickeln sich die typischen Symptome erst Stunden später.Zu den typischen Symptomen gehören Kopfschmerzen, Übelkeit, Unruhe, später Bewusstseinseintrübung bis hin zum Koma.
Als subdurales Hämatom wird eine Blutung zwischen der harten (Dura mater) und der weichen Hirnhaut (Arachnoidea) bezeichnet.
In der Akutsituation nach einem Unfall trüben die Patienten typischerweise innerhalb weniger Stunden ein, zeigen eine halbseitige Lähmung und Störungen der Pupillenreflexe.
Hirnblutungen können auch ohne äußere Einflüsse wie Unfälle o.ä. entstehen. Bluthochdruck kann zu Massenblutungen im Gehirn führen. Gefäßmissbildungen im Gehirn, z.B. Aneurysmen (krankhaft, örtlich begrenzte Erweiterungen einer Arterie) können ebenfalls anfangen zu bluten. Je nach Lokalisation und Stärke der Blutung kommt es zu verschiedenen Symptomen (Kopfschmerzen, Nervenausfälle, Lähmungen). Ist die Blutung sehr stark, kann der Hirndruck sich so stark erhöhen, dass es durch Druck auf den Hirnstamm zum Koma kommt.
Als Schlaganfall oder auch Hirninfarkt bezeichnet man eine schlagartig auftretende Funktionsstörung des Gehirns durch eine stark verminderte oder unterbrochene Blutzufuhr zu einem bestimmten Teil des Gehirns.Typischerweise zeigen die Patienten schlagartig eine ausgeprägte Symptomatik, die halbseitige Lähmungen, Wortfindungsstörungen und Sensibilitätsausfälle umfassen kann, aber nicht muss.In schweren Fällen, wenn ein großes Hirnareal betroffen ist oder es durch den Infarkt zu Blutungen kommt, kann sich auch ein Koma entwickeln.
Es gibt auch internistische Usachen für ein Koma: Entgleisungen des Stoffwechsels können ebenfalls zu einem komatösen Zustand führen.
In den häufigsten Fällen führt ein entgleister Blutzucker zum Koma: Coma diabeticium. Ist ein Diabetes mellitus noch nicht bekannt und noch nicht eingestellt, können die Blutzuckerwerte sehr stark ansteigen. Durch die hohe Zuckerkonzentration wird Flüssigkeit aus den Zellen gezogen und das Gehirn kann nicht mehr richtig arbeiten. Es kommt zum Koma.Aber auch beim eingestellten Diabetiker kann der Blutzucker entgleisen. Braucht er beispielsweise durch eine Infektion eigentlich mehr Insulin, spritzt sich dieses aber nicht, steigt der Blutzucker auch an.
Auch das Gegenteil, also eine Unterzuckerung, kann ein Koma verursachen. Zum Beispiel dann, wenn ein Diabetiker wenig gegessen hat, sich für diese Menge aber zu viel Insulin spritzt und dadurch den Blutzucker weiter senkt. Es kommt zur Unterzuckerung, die Zellen und somit auch das Gehirn bekommen nicht mehr genügend Energie und arbeiten nur noch auf minimaler Stufe. In selten Fällen kann es auch sowohl zur Über- als auch zur Unterzuckerung bei anderen Krankheiten kommen.
Schilddrüsenerkrankungen sind relativ häufig. Sowohl Über- als auch Unterfunktionen der Schilddrüse können in Extremfällen ein Koma verursachen.
Die Leber dient der Entgiftung des Körpers. Arbeitet die Leber nur noch schlecht (z.B. bei einer Leberzirrhose) besteht eine Leberinsuffizienz.Stoffe, die schädlich für das Gehirn sind (z.B. Ammoniak) werden nicht mehr aus dem Blut gefiltert und reichern sich an.Im Endstadium der Leberinsuffizienz fällt der Patient in ein Koma: dem Coma hepaticum.
Es gibt zahlreiche weitere Störungen des Stoffwechsels oder des Hormonhaushaltes, die in seltenen Fällen auch ein Koma hervorrufen können.Beispiele sind Erkrankungen der Nebenniere (beim M.Addison) oder der Hirnanhangsdrüse.
Die verschiedensten Drogen, Medikamente oder andere Gifte können zum Koma führen. Manche davon führen direkt zur Eintrübung, andere indirekt über eine Leberschädigung.
Die Diagnose eines Komas ist schnell gestellt: Ist der Patient bewusstlos, nicht erweckbar, hat möglicherweise noch neurologische Auffälligkeiten oder reagiert nicht mehr angemessen, handelt es sich meist um ein Koma.In der Medizin werden die verschiedenen Symptome in einem Punktesystem zusammengefasst: In der Glasgow-Coma-Scale wird bewertet, ob und wie der Patient noch die Augen öffnen, sich bewegen und sprechen kann.
Kann er die Augen gar nicht mehr öffnen, gibt es beispielsweise einen Punkt, öffnet er sie spontan auf Ansprache, gibt es vier Punkte. Ähnlich sieht es bei den beiden anderen Fähigkeiten aus.
Maximal können 15 Punkte erreicht werden. In diesem Fall liegt keine Bewusstseinsstörung vor: der Patient öffnet sofort die Augen, kann sich nach Aufforderung gezielt bewegen und gibt klare und situationsangemessene Anworten.
Minimal können drei Punkte erreicht werden. Dies entspricht dann einem tiefen Koma, bei dem die Augen gar nicht mehr geöffnet werden, keine Bewegung mehr möglich ist (der Körper also einfach schlaff da liegt) und keine Laute, geschweige denn Worte mehr herausgebracht werden.
Auch wenn schnell klar ist, dass sich der Patient im Koma befindet, muss danach abgeklärt werden, aus welchem Grund er ins Koma gefallen ist. Oft ist die Krankengeschichte wegweisend.
Bei einem Unfallopfer denkt man zuerst an ein Schädel-Hirn-Trauma. Durch eine CT-Untersuchung des Kopfes können schnell mögliche Ursachen (Blutungen) herausgefunden werden. Durch eine Sonde, die direkt in den Kopf eingeführt wird, kann der Hirndruck gemessen werden. Dies bietet dem Arzt die Möglichkeit, schnell zu reagieren, sollte dieser in gefährliche Bereiche steigen.
Handelt es sich bei dem Patienten um einen Diabetiker, gibt eine Blutuntersuchung und der Blutzuckerwert Aufschluss darüber, ob es sich vielleicht um eine Über- oder auch Unterzuckerung handelt.
Ähnlich sieht es mit den weiteren Störungen des Stoffwechsels aus: Blutbild, Leberwerte, Nierenwerte und Schilddrüsenhormone weisen den Arzt schnell in die richtige Richtung.
Bei dem Verdacht, dass Drogen oder Medikamente genommen worden sind, muss möglicherweise auch der Magen ausgepumpt werden und Medikamente- und Drogenspiegel im Blut bestimmt werden.
Man darf sich durch eine typische Auffindesituation nicht täuschen lassen.
Eine komatöse Person, die mit ihrem Auto im Straßengraben liegt, muss nicht durch den Unfall so schwer verletzt worden sein, dass sie ins Koma gefallen ist. Möglicherweise hatte sie einen Zuckerschock und ist dadurch erst in den Graben gefahren.
Eine leere Tablettenschachtel neben einem bewusstlosen Patienten heißt nicht, dass er gerade die ganze Schachtel eingenommen hat. Denken muss man immer an alle Möglichkeiten, auch wenn die Begleitumstände wegweisend sein können.Es gibt auch psychische Erkrankungen, die den Patienten in einen koma-ähnlichen Zustand versetzten.Von daher ist eine genaue Untersuchung und Diagnose sehr wichtig, auch wenn der Zustand zuerst eindeutig aussieht.
Das Gehirn wird durch Barbiturate ruhig gestellt. Man kann es sich so vorstellen, dass es dadurch mehr Zeit hat, sich zu erholen.Steigt der Hirndruck, versucht man ihn zuerst medikamentös zu senken. Dies ist leider nicht immer erfolgreich. Im Extremfall muss dem Patienten ein Teil seines Schädelknochens entfernt werden, damit das Gehirn Platz bekommt und nicht eingeklemmt wird.
Nach einigen Wochen kann der Schädelknochen wieder eingesetzt werden.
Die Prognose des Komas ist abhängig von der Art und dem Schweregrad der verursachenden Grundkrankheit. Ein Koma kann ein kurzzeitiger Zustand sein, der folgenlos abheilt, kann aber auch so schwerwiegend sein, dass es zum Tod kommt.Eine entgleiste Zuckerkrankheit lässt sich relativ einfach beheben.Ein Leberversagen dagegen kann nur minimal behandelt bzw. verbessert werden, sodass auch ein Patient im Leberkoma eine sehr schlechte Prognose hat, sofern es nicht zur Lebertransplantation kommt.
Ein Koma infolge eines Schädel-Hirn-Traumas kann folgenlos abheilen oder aber auch zum Tod führen.
Die Prognose ist in diesen Fällen von vielen Faktoren abhängig, wie der Ort und die Schwere der Verletzung, die Dauer bis zum Eintritt des Komas, begleitende Verletzungen oder das Alter der Patienten. Ein Koma nach einem Schlaganfall ist prognostisch eher ungünstig. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Patient Folgeschäden (z.B. Lähmungen) behält oder sogar versterben kann.Nach Vergiftungen ist die Prognose abhängig vom Medikament oder der Droge und von der bereits aufgenommenen Giftmenge. Auch hier ist sowohl eine vollständige Genesung bis zum Tod alles möglich.
Immer ist die Prognose des einzelnen Patienten aber sehr individuell zu sehen, da sie von zahlreichen Faktoren abhängt. Jeder Einzelfall sollte mit dem behandelnden Arzt genau besprochen werden.
Für Angehörige eines Koma-Patienten ist der Umgang mit diesem oft sehr schwierig. Es ist normal, dass man erstmal mit der Situation überfordert ist. Nicht nur die schwere Krankheit eines lieben Menschen, auch die ungewohnte Situation auf der Intensivstation ist nervlich sehr belastend.Oft stellt sich dir Frage: Was bekommt der Patient denn mit? Kann ich mit ihm reden? Hört er mich?Bisher gibt es keine eindeutige Antwort auf diese Fragen. Aber im Zweifelsfall hilft es dem Angehörigen selbst, mit dem Kranken zu sprechen. Schaden tut es ganz sicher nicht!
Für Patienten, die ein Koma überstanden haben, verändert sich oft danach die Welt. Ein Koma ist ein schweres Krankheitsbild, nach dem man nicht so einfach nach zwei Wochen wieder in sein altes Leben zurückkehren kann. Zum einen ist man körperlich oft geschwächt oder hat sogar mit Krankheitsfolgen (wie Lähmungen) zu kämpfen. In vielen Fällen ist ein mehrwöchiger Reha-Aufenthalt erforderlich.Aber auch die psychischen Folgen sind nicht zu unterschätzen. Viele Patienten waren dem Tod sehr nahe. Nach so einem Erlebnis erlebt man seine Umwelt ganz anders, setzt andere Prioritäten im Leben.
Man sollte sich nicht scheuen, auch in der Folgezeit diese Gefühle zu akzeptieren und bei Bedarf auch psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.