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Blutbild (Blutwerte)

Lesezeit: 4 Min.

Zum Blutbild gehören Leukozyten, Hämoglobin, Thrombozyten, Erythrozyten

Bei einem so genannten Blutbild wird das Blut darauf untersucht, welche Zellen sich darin befinden und in welcher Anzahl sie vorkommen. Die Bestimmung erfolgt nach einer Blutentnahme. Neben einer meist automatischen Zählung der unterschiedlichen Zellarten wird auch die Konzentration des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff) erhoben.

Manchmal muss das Blut zusätzlich unter dem Mikroskop beurteilt werden. Oft wird das Blutbild im Rahmen einer Routinekontrolle abgenommen. Je nachdem, welche Zellen genau bestimmt werden, gibt es ein kleines Blutbild, Differentialblutbild und großes Blutbild.

Das Blutbild - wann wird es untersucht?

Das Blutbild ist eine Untersuchung, die häufig bei einer routinemäßigen Kontrolle vorgenommen wird. So kann es abgenommen werden, wenn ein Patient wegen unterschiedlichen Beschwerden zum Arzt geht. Dies kann aber ebenso bei einer allgemeinen Gesundheitskontrolle oder als Kontrolle vor Operationen oder anderen Behandlungen erfolgen. Am Blutbild lassen sich oftmals Erkrankungen erkennen, auch auf die Ursache lässt sich oft schließen.

Im Allgemeinen können anhand des Blutbildes beispielsweise Blutkrankheiten wie Anämie (Blutarmut) oder Leukämie, Infektionen oder Mangelkrankheiten gut diagnostiziert werden.

Wie funktioniert ein Blutbild?

Um das Blutbild beurteilen zu können, muss zunächst Blut abgenommen werden. An der Blutprobe erfolgt dann vor allem die Zählung der verschiedenen Blutzellen.

Das kleine Blutbild besteht aus der Bestimmung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten), weißen Blutkörperchen (Leukozyten), Blutplättchen (Thrombozyten), der Anteil aller Blutzellen am Blutvolumen (Hämatokrit) und ebenfalls die Konzentration an rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin) in den roten Blutkörperchen.

Wird ein Differentialblutbild erhoben, so werden zusätzlich die einzelnen Sorten der weißen Blutkörperchen gezählt wie z. B. Lymphozyten oder einzelne Arten von Granulozyten. Das große Blutbild ergibt sich, wenn sowohl ein kleines Blutbild als auch ein Differentialblutbild erhoben werden. Mit den ermittelten Zahlenwerten können noch weitere Parameter errechnet werden.

Das Zählgerät für Blutzellen, was meist eingesetzt wird, arbeitet automatisch. Durch Photometrie (Messung, wie stark Licht beim Hindurchtreten abgeschwächt wird) kann die Hämoglobin-Konzentration bestimmt werden.

Liegen besondere Veränderungen der Zellen vor, so kann es erforderlich sein, einen Ausstrich anzufertigen, zu färben und mikroskopisch zu begutachten.

Welche wichtigen Parameter im Blutbild können sich ändern?

Viele Krankheiten führen zu charakteristischen Auffälligkeiten im Blutbild. Umgekehrt kann ein bestimmtes Blutbild zumindest darauf hindeuten, welche Ursache für eine Krankheit in Frage kommt.

Im Blutbild können folgende Parameter gemessen werden beziehungsweise folgende Veränderungen vorkommen:

Hämatokrit (Hkt): Anteil der Zellen am Blutvolumen

  • Zu hoher Wert z. B. bei vermehrter Bildung roter Blutkörperchen oder Flüssigkeitsverlusten
  • Zu niedriger Wert z. B. bei Überwässerung oder bei Anämie (Blutarmut)

Hämoglobin: Roter Blutfarbstoff

  • Zu hoher Wert z. B. bei vermehrter Produktion roter Blutkörperchen oder bei Sauerstoffmangel
  • Zu niedriger Wert z. B. bei Anämie (Blutarmut), Thalassämie (eine erbliche Blutkrankheit mit Mangel an Hämoglobin) sowie einigen anderen Krankheiten

Erythrozyten: Rote Blutkörperchen

  • Zu hoher Wert z. B. bei gesteigerter Produktion oder bei Sauerstoffmangel
  • Zu niedriger Wert z. B. bei Anämie (Blutarmut), längerfristigem Blutverlust, Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel oder Folsäuremangel, einigen Arten von Krebs sowie Störungen in der Erythrozytenbildung

Retikulozyten: Vorstufen von roten Blutkörperchen

  • Zu hoher Wert bei vermehrter Bildung roter Blutkörperchen, z. B. nach Blutverlusten oder starker Schädigung von Erythrozyten
  • Zu niedriger Wert bei Blutbildungsstörung

MCV: Mittleres korpuskuläres Volumen, mittleres Volumen der roten Blutkörperchen

  • Zu hoher Wert z. B. bei Vitamin-B12-Mangel
  • Zu niedriger Wert z. B. bei Eisenmangel oder Thalassämie (Erbkrankheit mit Hämoglobinmangel)

MCH: Mittleres korpuskuläres Hämoglobin, Hämoglobingehalt der roten Blutkörperchen

  • Meist verlaufen Änderungen des MCH gleichförmig zu den MCV-Änderungen

MCHC: Mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration, Konzentration von Hämoglobin in den roten Blutkörperchen

  • Zu niedriger Wert z. B. bei Eisenmangel oder Thalassämie

RDW: Red Cell Distribution Width, Verteilungsbreite der Zellgrößen der roten Blutkörperchen

  • Zu hoher Wert kann bei einigen Erkrankungen auftreten

Thrombozyten: Blutplättchen, kleine Zellen, die für die Blutgerinnung wichtig sind

  • Zu hoher oder zu niedriger Wert kann durch unterschiedlichste Erkrankungen verursacht sein

MPV: Mittleres Volumen der Blutplättchen

  • Zu hoher Wert, wenn Blutplättchen vermehrt gebildet werden

Leukozyten: Weiße Blutkörperchen (gesamt)

  • Zu hoher Wert z. B. bei einigen Entzündungen oder bei Leukämie
  • Zu niedriger Wert z. B. bei Entzündungen oder bei Blutbildungsstörungen im Knochenmark

Im Differentialblutbild können folgende weiße Blutkörperchen bestimmt werden:

Lymphozyten (Lymphzellen)

  • Zu hoher Wert z. B. bei manchen Entzündungen oder Krebsarten
  • Zu niedriger Wert z. B. bei Immunschwäche, nach Bestrahlung oder Chemotherapie

Neutrophile Granulozyten

  • Zu hoher Wert z. B. bei manchen Infektionen oder Leukämie
  • Zu niedriger Wert z. B. bei Infektionen oder bei Blutbildungsstörungen

Eosinophile Granulozyten

  • Zu hoher Wert z. B. bei Wurmbefall, Allergie oder Autoimmunkrankheiten (Erkrankungen, bei denen körpereigene Zellen durch das Immunsystem angegriffen werden)
  • Zu niedriger Wert z. B. bei schweren Infektionskrankheiten

Basophile Granulozyten

  • Zu hoher Wert bei einigen unterschiedlichen Krankheiten

Monozyten

  • Zu hoher Wert bei bestimmten Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder einigen Krebsformen

Vorstufen von weißen Blutkörperchen

  • Zu hoher Wert z. B. bei schwerwiegenden Infektionen oder bei Leukämie

Worauf muss der Patient vor der Untersuchung achten?

Besonderheiten sind vor der Blutabnahme nicht zu beachten.

Der Untersuchungsablauf

Es wird eine Blutentnahme durchgeführt, um das Blutbild beurteilen zu können. In der Regel wird eine Vene (Armvene), z. B. in der Ellenbeuge, genommen, in die eine Hohlnadel gestochen wird. Mit einem Probenröhrchen wird das Blut aus der Vene gezogen. Die Nadel wird wieder herausgezogen und ein Tupfer auf die Stelle gedrückt. Das gefüllte Probenröhrchen wird in ein Labor gegeben. Dort erfolgt die Untersuchung des Blutbildes.

Es kann auch ausreichen, einen Tropfen Blut zu gewinnen. Dies kann aus der Fingerbeere nach einem Stich mit einer Lanzette erfolgen. Bei Säuglingen kann auch die Ferse angestochen werden.

Mögliche Komplikationen beim Blutbild

Die Komplikationen kommen lediglich bei der Blutabnahme vor. Dabei kann es z. B. zu Blutungen, Nachblutungen und Blutergüssen kommen. Sehr selten sind Narbenbildung und Infektion. Schwerwiegende Komplikationen treten meist nicht auf.

Alternative oder ergänzende Untersuchungen

Als Routineuntersuchung bieten sich diverse andere Untersuchungen an, z. B. die Messung weiterer Blutwerte oder allgemeine diagnostische Methoden. Bei bestimmten Krankheiten beziehungsweise Beschwerden kommen jeweils spezielle Untersuchungsmethoden in Frage.



V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 21.02.2017
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